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Polizei warnt vor Verdrängungseffekt Streit um illegale Jugendpartys am Schwanenteich in Emden

Stephanie Schuurman
Die Idylle trügt: Am Schwanenteich gibt es regelmäßig Ärger wegen illegaler Jugendpartys.

Die Idylle trügt: Am Schwanenteich gibt es regelmäßig Ärger wegen illegaler Jugendpartys.

Schuurman

Emden - Der Streit darüber, wo ein Brennpunkt für illegale Partys in der Stadt entstanden ist oder nicht, geht weiter. Das Thema ist spätestens seit der Vorstellung zur Umgestaltung des Schwanenteichgeländes wieder virulent: Lärmende und pöbelnde Jugendliche, die offenkundig feiern und auf Anwohner so gar keine Rücksicht nehmen. Die Politik verlangt Gegenmaßnahmen von Verwaltung und Polizei. Doch die sehen insbesondere an dieser Stelle aktuell überhaupt keinen Handlungsbedarf. Das wurde im jüngsten Ratsausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice deutlich, in dem Grünen-Ratsherr Christian Nützel nachfragte, ob denn jetzt – vier Wochen nach Eröffnung der Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss - erste Maßnahmen zur Eindämmung der Problematik getroffen seien.

Noch keine Beschwerden

Aus den Antworten der Verwaltung ist zu entnehmen, dass nichts unternommen wurde. Aus gutem Grund: „Wir haben in diesem Jahr noch keine Beschwerden bekommen“, erklärte Fachbereichsleiter Martin Wegbünder. „Dort sehen wir auch im Moment keinen extremen Schwerpunkt.“ Darüber hinaus sei es „schwierig, dort tagtäglich vorbeizufahren“.

Beschwerde-Brief

Lärm ist das größte Problem für die unmittelbaren Anwohner, aber nicht das einzige. Ein Ehepaar beschrieb es im Juli 2021 in einem Brief an Oberbürgermeister Tim Kruithoff so: „Diese Form von Ruhestörung wird ... durch ohrenbetäubende Musik aus einer Lautsprecherbox der Marke JBL (in der Größe einer Teekiste), begleitet von bestialischem, vulgären, in jeder Hinsicht verletzendem Gegröhle von teilweise volltrunkenen, minderjährigen bekifften Chaoten verursacht und ist am Bootssteg auf dem Freizeitareal Schwanenteich-Gelände leider am Wochenende (Fr.-So.) zur Tagesordnung geworden.“

Damit sind bereits mehrere andere Probleme benannt – Rauschgiftkonsum und Alkoholmissbrauch. Dazu kommen nach Darstellung der Anwohner große Mengen Abfall, vor allem Flaschen aller Art, Pizzakartons und Essensreste. Im Uferbereich locken diese Reste nächtlicher Gelage Ratten an.

Ebenfalls auf der Liste: „Die Notdurft wird in den umliegenden Büschen verrichtet, wo nicht selten sexuelle Handlungen zu beobachten sind. Absichtliches Urinieren bei gehobenem Mittelfinger in Richtung der Anwohner ist keine Seltenheit.“

Stadtkämmerer Horst Jahnke sprang seinem Kollegen zur Seite, verwies auf die enge Personalsituation beim Ordnungsdienst und warf den Ball zurück zur Politik. Der OB habe den Vorschlag zum Einstellen von drei weiteren Ordnungsfachkräften gemacht, der allerdings vom Rat mit berechtigtem Hinweis auf die Finanzlage abgelehnt worden sei. „So werden wir nicht alle Stellen in der Stadt zum Kontrollieren abdecken können, zumal das meiste Geschehen nach 22 Uhr läuft“, sagte Jahnke. „Wir werden immer einige problematische Stellen in der Stadt haben, das muss man ehrlicherweise sagen.“

Und wenn kontrolliert wird, kommt es meist doch nur zu einem Verdrängungseffekt, wie das beratende Ausschussmitglied, Polizeihauptkommissar Stefan Reuwsaat, erklärte. „Erst Friesenhügel, dann die Skaterbahn, der Schwanenteich, die blaue Brücke und retour.“ Wobei er versicherte, dass die Polizei jeder gemeldeten Ruhestörung nachgehe – allerdings nach einer „Priorisierung der Gesamtlage“. „Bei besserem Wetter kommt es überall zu Ruhestörungen“, sagte Reuwsaat. „Bis zu 30, 40 Einsätze haben wir in einer Sommernacht. Und begrenzte Personalressourcen.“

Dem Einwand von CDU-Ratsherr Reinhard Hegewald, dass nicht nur etwas gegen den Lärm, sondern auch gegen einen Drogenhandel am Schwanenteich unternommen werden müsste, widersprach der Polizeibeamte. „Wir haben dort keinen Drogenhandel festgestellt, das ist dort überhaupt kein Schwerpunkt.“

Alle waren mal jung

SPD-Ratsfrau Swantje Rosema sieht allein in Kontrollen durch Polizei und Ordnungsdienst keine Lösung des Problems. „Ich persönlich finde es sehr schade, wenn die Jugendlichen in Emden immer nur verdrängt werden.“ Auch ihr Ratskollege von der FDP, Henning Meyer, sieht die Lage mehr aus Sicht der Teenager. „Wir waren alle mal jung“, erinnerte er. „Und wir sollten in Emden Plätze schaffen, wo Jugendliche laut feiern dürfen.“ Wie das umgesetzt werden kann und ob die Jugendlichen das überhaupt wollen, sagte er allerdings nicht.

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