Emden - Die Geschäftsführer von Café Baum haben am Donnerstag eine drastische Entscheidung verkündet: Die beiden Cafés in Emden – erst im April eröffnet – und in der Leeraner Altstadt bleiben ab sofort „längerfristig“ geschlossen. Das bestätigten Andreas Baum und Ralph Hartmann auf Nachfrage dieser Zeitung. Via Facebook wurden die Kunden und Gäste über die Maßnahme informiert. Dort werden die „zur Zeit bestehenden ökonomischen Rahmenbedingungen“ als Grund angegeben. Das Stammcafé in der Leeraner Mühlenstraße bleibt geöffnet. Gestärkt werden sollen die Aktivitäten im Einzelhandel, die Online-Shops und das Firmengeschäft („Business-to-Business“).
„Lieber jetzt eine Entscheidung treffen, die dem ganzen Unternehmen dient, als zu warten, bis gar nichts mehr geht“, sagte Ralph Hartmann. Zwei Wochen habe man „emotional und sachlich“ an einer Lösung gearbeitet, schilderte Andreas Baum den Findungsprozess. Die Schließung der zwei Läden sei „langfristig die einzige Option“ gewesen. Man habe nicht in sechs Monaten vor einem dann „ganz großen Scherbenhaufen“ stehen wollen, betonte Baum. Die Kaffeerösterei Baum beschäftigte zuletzt bis zu 55 Frauen und Männer (inklusive Aushilfen und Teilzeitkräften). Das wird nun heruntergefahren. Andreas Baum kündigte die Trennung von fünf Vollzeitbeschäftigten an. Mit der Belegschaft sei im Vorfeld der Schließungen gesprochen worden.
Die schwierigen Rahmenbedingungen hatten die Eröffnung des Emder Cafés, die sich für den Betreiber zu einem Kraftakt entwickelte, mehrfach verzögert. Das betraf die Lieferengpässe für die Einrichtung am Schweckendieckplatz, aber auch die Rekrutierung des Personals. Für Baum ist das vorläufige Aus am Standort Emden schmerzlich: „Der Laden ist ein Traum, wir lieben ihn.“
Letztlich ist es ein ganzes Bündel an Gründen, das nun zur Café-Schließung geführt hat. Auch für das 2013 gegründete Unternehmen ist der Fachkräftemangel ein Riesenthema. Es sei immer schwieriger geworden, qualifiziertes Personal zu finden, „das die Qualitätsstandards in unseren Cafés gewährleistet“, erklärte Baum. Und wenn der Qualitätsanspruch nicht gehalten werden könne, gingen auch die Umsätze zurück, ergänzte Hartmann. Die Geschäftsführer verweisen auf die Folgen des Ukraine-Kriegs, die sie und viele andere Betriebe – nicht nur in der Gastronomie – träfen: steigende Rohstoffpreise und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Die Inflationsrate von über sieben Prozent spiele ebenfalls eine Rolle. Andreas Baum: „Das Geld sitzt bei unseren Kunden nicht mehr so locker.“
Und dann ist da immer noch die Corona-Pandemie. Hartmann sprach von vielen Unsicherheitsfaktoren. Eine Prognose für die kommenden sechs bis zwölf Monate oder darüber hinaus sei außerordentlich schwierig, sagte Baum. In ihrer Pressemitteilung sprechen die Geschäftsführer von einem „Strategiewechsel“. Hartmann: „Wir stellen uns schlanker auf, um uns krisensicher zu machen.“ Das Leeraner Stammcafé solle weiter ein „Ort der Freude, der Erholung und des Genusses“ sein.
Für das Unternehmen ist das vorläufige Café-Aus nach Wachstumsraten von zuletzt 20 bis 30 Prozent pro Jahr ein Schlag ins Kontor. Baum am Donnerstag: „Heute ist ein extrem unschöner Tag. Wir haben die erste unpopulistische Maßnahme seit der Firmengründung getroffen.“ Eine Alternative gab es offenbar nicht. „Für uns steht das Wohl der Firma an erster Stelle“, sagte Ralph Hartmann.
