Emden - Die Ausbildung zum Koch hat Volker Lange gerne gemacht, genau wie seine Frau Anja. Auf einer Arbeitsstelle in Celle haben sich die beiden kennengelernt. Volker hat Anja Wander aufgrund ihrer Qualifikation eingestellt. Doch wie das Leben manchmal so spielt, wurde aus den beiden ein Liebes- und später ein Ehepaar (seit 1996), zwei erwachsene Söhne, 25 und 22 Jahre alt, gehören dazu. Und eigentlich ist es nach fast 40 Berufsjahren (Volker) an der Zeit, sich so langsam auf das Ende der Arbeitsjahre vorzubereiten. Nicht so Volker Lange.
Etwas ganz Neues zu wagen, das wäre sicherlich zu viel des Guten. Getreu dem Motto „Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten“, wird der Küchenmeister vom „Klub zum guten Endzweck“ also auch keine Schuhe reparieren. Aber, er wagt den Sprung ins kalte Wasser. Wenn auch nur zum Teil. Denn als Klub-Restaurantbetreiber war Lange selbstständig. Nun wird er Angestellter der AG Ems und betreibt das Restaurant „Strandlust“ an der Knock.
Anja Wander, 1966 in Emden geboren, entschied sich nach dem Abitur 1985 aus Neigung für den Beruf der Köchin. Ihre Ausbildung im Jagdhaus Kloster Barthe in Hesel folgten berufliche Stationen in renommierten Häusern der deutschen Gastronomie. Dazu gehörten Franz Keller jr. im „Kronschlösschen“ (Hattenheim), Hotel Schloss Reinhardt-hausen (Eltville) und Hotel „Fürstenhof“ in Celle, wo sie ihren Mann kennenlernte, der sie eingestellt hatte.
Volker Lange, 1964 in Kiel geboren, schloss seine Ausbildung zum Koch 1984 ab. Er arbeitete im Hotel „Badischer Hof“ (Baden-Baden), „Venusberg“ (Bonn) und wechselte 1989 ins Hotel „Fürstenhof“ in Celle. Als stellvertretender Küchenchef im Hotel-Restaurant sorgte auch er dafür, dass der Ruf des Hauses gefestigt und seit vielen Jahren mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. 1995 legte er die Prüfung zum Küchenmeister ab.
Beide haben den Job im Klub sehr gerne gemacht, doch die Corona-Pandemie und die wirtschaftliche Lage haben sie in dem jetzt gefassten Beschluss bestärkt. Denn was machen ein Küchenmeister und Koch und eine Köchin, wenn das Geschäft aufgrund der Corona-Lage und -Bestimmungen brachliegt? „Wir haben uns mit einige Dingen über Wasser gehalten.“ Seine Frau nickt dazu. Wenn es an die Substanz geht, wirtschaftlich und finanziell, dann muss man aber die Reißleine ziehen.
Auf die 27 Jahre im Klub schauen beide ebenfalls sehr gerne zurück. Auf die Gäste eingehen gehört für sie in diesem Geschäft dazu. Für neue Herausforderungen gilt das auch. Schließlich galt es, für rund 350 Gäste beim Nautischen Essen, für 200 beim Kaufmannsmahl oder auch für 170 beim Schiffmakleressen alles auf den Punkt genau hinzubekommen. Nichts ist schlechter, als wenn ein Gast beim Nachtisch ist, der andere aber auf die Vorsuppe wartet.
Das alles lief immer wie am Schnürchen. Immer? Da muss Volker Lange schmunzeln. „Eigentlich haben wir mittags alles fertig, abends kommt dann das Finish. Doch einmal habe ich tatsächlich die Kartoffeln vergessen“, sagt er. Und? „Es hat am Ende dann zeitlich noch alles gepasst“, ergänzt Anja. Und so ist es dann oft, dass, nachdem alles fertig ist, beide zu Hause nicht abschalten können und nicht zur Ruhe kommen.
Neben den traditionellen großen Essen gab es aber auch noch kleinere Gesellschaften. Geburtstage, Hochzeiten, Trauerfeiern oder auch Konfirmationen. Alles gehörte zum Geschäft der beiden Klub-Wirte dazu. „Und früher gab es einige Bälle bei uns im Klub“, sagt Anja Lange. Das ist aber mit den Jahren immer weniger geworden.
Was Langes auch wichtig war, dass im Betrieb ausgebildet wird. „Das war uns von Anfang an immer eine Herzensangelegenheit“, sagen beide. Und es steckte in der Ausbildung immer auch eine Menge Arbeit. Seit zwölf Jahren ist Volker Lange Prüfungsküchenmeister; auf diesen Posten wurde er der Industrie- und Handelskammer berufen.
Der Betrieb steht und fällt natürlich mit den Helfern. Und auch die Spülküche ist dann ein ganz wichtiger Bestandteil des Ablaufs. Gekocht wird im Keller, angerichtet oben. „Und das müssen wir sagen, Kai-Oliver Haase hat uns als Oberkellner lange Jahre gestützt und geholfen.“ Er wird, so Anja Lange, nicht nur von den Gästen respektiert und ist anerkannt. Dazu zeichnet ihn seine einfühlsame und kompetente Art aus.
Wenn die Sprache zu den Erlebnissen im Klub mit prominenten Gästen kommt, dann könnten die Langes sicherlich ein Buch schreiben. Ein kleines Beispiel: „Als Norbert Blüm als Bundes-Familienminister hier war, war alles voller Polizei und draußen waren die Demonstranten, die gegen ihn und seine Arbeit protestieren wollten.“ Und was machte Blüm? „Der ist erst einmal in die Spülküche gegangen und hat Hände geschüttelt.“ Die Sicherheitsvorkehrungen waren bei manchen Klub-Gästen enorm.
Nun wird es ab dem 1. Juli also alles ein wenig ruhiger. Jedenfalls für Volker Lange. „Da bin ich völlig entspannt und freue mich auf die neue Aufgabe.“ Seine Frau wird ihn nicht mehr offiziell unterstützen – oder doch ein bisschen, oder auch nicht? Das kleine À la Carte-Restaurant lässt Spielraum für neue Herausforderungen – und die mochten die Langes in ihrem Berufsleben immer schon.
