Emden - Ab wann ist man reich? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Für die einen beginnt Reichtum mit einer Million auf dem Konto, für Menschen mit sehr geringem Einkommen erscheint ein Nettoverdienst von 4000 Euro im Monat als utopische Schwelle zum Reichtum. Doch siehe da: Es gibt tatsächlich eine verbindliche Meinung der Wissenschaft zu diesem Thema. Nach Definition der Forscher ist ein Single mit 5700 Euro netto im Monat „einkommensreich“.
Wie die Experten darauf kommen, erscheint etwas nebulös, gleichwohl hat sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales diese Zahl zu eigen gemacht und das wissenschaftliche Fachchinesisch dazu geliefert: Wer „über mehr als das Dreifache des Medians der Nettoäquivalenzeinkommen der Gesamtbevölkerung verfügt“, sei reich. Das wären besagte 5700 Euro netto. Alles klar? Wem Median und Nettoäquivalenzeinkommen böhmische Dörfer sind, bitte googeln. Interessant ist noch, dass bei Befragungen in der deutschen Bevölkerung sogar noch ein etwas tieferer Gefühlsgrenzwert zum Reichtum herausgekommen ist, nämlich 5000 Euro. Oligarchen werden darüber allerdings nur müde grinsen.
Ein reicher Bundeskanzler
Das Thema fiel mir in den Journalisten-Schoß, als ich vor einigen Tagen die Berichte über den Tag der offenen Tür im Berliner Kanzleramt las. Die Besucher durften mit Bundeskanzler Olaf Scholz plaudern. Ein Kind fragte ihn ganz direkt: „Sind sie reich?“ Nun ist dieser SPD-Kanzler bekannt für seine manchmal ultra-kurzen Antworten, die nur aus einem „Nö“ oder einem „Ja“ bestehen. Es wäre durchaus verständlich gewesen, wenn Scholz bei dieser sehr persönlichen Frage rhetorisch etwas herumgeeiert hätte. Wer lässt sich in Sachen Kontostand schon gerne in die Karten gucken. Doch Scholz zog auch diesmal eine Antwort vor, die nur aus zwei Buchstaben bestand: „Ja.“
Der Kanzler gab also unumwunden bekannt, er sei reich. Punkt. Basta. Das Kind hat offenbar nicht weiter nachgehakt, es kann aber nun in der Schule erzählen, dass Deutschland einen reichen Bundeskanzler hat. Doch ich wette um eine Flasche Kröver Nacktarsch, dass uns in Berlin kein Multimillionär regiert, sondern jemand, der selbst mal Arbeitsminister war und offenbar die amtlich beglaubigte Wissenschaftsmeinung von der 5700-Euro-Grenze teilt, die den armen Schlucker vom reichen Besserverdiener trennt. Und gemessen daran kann sich unser Kanzler mit einem Monatsgehalt von 30.189,81 Euro durchaus als reich einstufen. Die Gehaltssumme des Regierungschefs erfährt man übrigens ebenfalls bei Google, sie ist kein Staatsgeheimnis.
Wie man aus Gas Kohle macht
Das Thema ließe sich noch ausweiten auf die Frage, nach welchen Kriterien jemand nicht nur reich, sondern darüber hinaus auch schön ist. Ob es wissenschaftliche Reich-und-schön-Erkenntnisse gibt, weiß ich leider nicht. Und es kursieren bekanntlich völlig unterschiedliche Auffassungen von Schönheit. Es soll sogar Leute geben, die Olaf Scholz irgendwie schön finden, weil er immer so verschmitzt lächle. Da komme ich nicht mit. Ich finde, dass Scholz nicht verschmitzt, sondern verscholzt vor sich hin grinst. Einen richtig schönen Kanzler hatten wir im übrigen noch nie, auch wenn der frühere Kanzler Gerhard Schröder sogar im höheren Dienstalter noch schöne schwarze Haare hatte. Reich soll Schröder sowieso sein, wie man weiß. Er könnte sogar noch reicher werden, indem er endlich als Patent anmeldet, wie man aus Gas Kohle macht.
