Emden - Eigentlich ging es Margaret und Bruce Johnson bei ihrer Kreuzfahrt mit der „Spirit of Discovery“ vor allem um ein Ziel: Helgoland. Unter anderem dort ist der von den beiden Nordengländern geschätzte Romans „The Riddle of the Sands“ (Das Rätsel der Sandbank) von Erskine Childers entstanden. Doch Helgoland konnte das Kreuzfahrtschiff mit den rund 800 überwiegend britischen Passagieren nicht ansteuern. „Es war zu windig“, sagte Bruce Johnson im Gespräch. Deshalb musste das Schiff einen Tag lang auf See ausharren, ehe es am Freitagmorgen den Emder Hafen, die letzte Station im Reiseplan, ansteuerte.
Passagiere wollten Emden entdecken
Die „Spirit of Discovery“ ist 236 Meter lange, wurde 2019 auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaut und Ende Mai des gleichen Jahres über die Ems überführt.
Für Emden ist es das erste Kreuzfahrtschiff dieser Größenordnung, das für einen Tagesausflug den Hafen ansteuerte.
Auf dem Schiff befinden sich überwiegend Briten. Crewmitglied Keir Purdie sprach von rund 800 Passagieren an Bord des Luxusliners.
Von Dover aus startete das Kreuzfahrtschiff am Sonntag, 3. Juli, aus und fuhr zunächst Hamburg an, danach ging es nach Esbjerg in Dänemark. Ein Tagesausflug nach Helgoland musste aufgrund starken Windes abgesagt werden. Emden ist damit die letzte Station auf der Route, von wo aus es zurück nach Dover geht.
Während ein Teil der Passagiere nach dem Frühstück, das Schiff hatte gegen 7 Uhr angelegt, eine Fahrt nach Borkum oder zur Papenburger Meyer-Werft wählte und es für wieder andere Kreuzfahrtschiffgäste nach Greetsiel ging, wollte das Ehepaar Johnson, sowie Dutzende andere Briten auch, die Emder Innenstadt entdecken. Da waren sie bei Stadtführerin Gisela Engelbart gut aufgehoben. Die Emderin führte am Vormittag einen Tross von gut 40 Passagieren durch die Altstadt. Zuvor hatten diese Emden bei einer Grachtenfahrt zu Wasser kennengelernt. Von der Kunsthalle aus ging es anschließend über den Wochenmarkt durch die Große Straße am Bunkermuseum vorbei zur „Johannes a Lasco“-Bibliothek und schließlich zum Hafentor. „Das ist unsere Art von Stadt, die wir mögen“, sagten Bruce und Margaret Johnson. Doch nicht nur ihnen gefiel die Tour durch die Seehafenstadt. Auch eine Mitreisende hatte seit Jahren auf eine Kreuzfahrt gehofft, die Emden ansteuert. Sie hatte nämlich Ende der 1960er eine Brieffreundin in der Stadt, mit der sie sich zwei Jahre lang austauschte. An den Namen konnte sich die Senioren zwar nicht mehr erinnern, seither habe sie aber immer Emden besuchen wollen.
Kontrastprogramm für Passagiere
Ebenfalls eine Premiere in Emden war es für das Crewmitglied Keir Purdie, Tontechniker auf dem Kreuzfahrtschiff. Bislang hatte die Reederei Saga Cruises noch nie den Emder Hafen angesteuert. Nach Hamburg stellte die Seehafenstadt allerdings einen ordentlichen Kontrast für den jungen Mitarbeiter dar. Außerdem angesteuert hatte die „Spirit of Discovery“ Esbjerg in Dänemark. Und schon am Freitagabend legte das Schiff nach seinem Tagesausflug in Emden wieder ab, um rechtzeitig zurück im Zielhafen Dover zu sein. Der soll am Sonntag erreicht werden.
Für Emden war der Besuch des Kreuzfahrtriesens eine Premiere, vielleicht bleibt es aber nicht bei diesem einen Besuch. Wirtschaftsförderin Martje Merten hatte zumindest im Vorfeld berichtet, man wolle testen, „was wir im Tourismusbereich in dieser Größenordnung leisten können.“ Für eine Stellungnahme am Freitag war sie allerdings nicht zu erreichen.
