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Neue Ausstellung im Landesmuseum Ein tragisches Kapitel Stadtgeschichte neu aufgerollt

Marten Klose
Bewegte viele Emder: die „Melanie Schulte“, hier bei ihrem missglückten Stapellauf.

Bewegte viele Emder: die „Melanie Schulte“, hier bei ihrem missglückten Stapellauf.

Landesmuseum

Emden - Der Untergang der „Melanie Schulte“ in der Nacht auf den 22. Dezember 1952 gehört zum kollektiven Gedächtnis der Stadt wie der 6. September 1944, die Ansiedlung von VW oder die frühneuzeitliche Belagerung der Stadt durch die Mansfelder. Ein Emder Schiff, vom Stapel gelaufen bei den Nordseewerken, verschwindet spurlos in dunkler Nacht irgendwo im Atlantik. 35 Mann Besatzung vermisst. Ein Trauma für die Stadt. Diesem wichtigen Kapitel Stadtgeschichte widmet das Landesmuseum nun eine Sonderausstellung.

Die Schau „Melanie Schulte – Schiff, Unglück, Mythos“ verspricht anders zu werden, als die Landesmuseums-Besucher es in den letzten Jahren gewohnt waren, wie sich Museumsdirektorin Jasmin Alley, Kurator Aiko Schmidt und Kulturmanager Edzard Wagenaar in einem Pressegespräch unisono überzeugt zeigten.

Nicht nur, weil „Melanie Schulte“ für eine Sonderausstellung ungewöhnlich lang zu sehen ist (bis Januar 2024), sondern auch, weil die Schau im Laufe des Jahres immer wieder durch besondere Begleitveranstaltungen bereichert wird.

Reichlich Gesprächsstoff

Experten werden erwartet, die etwa über „Monsterwellen“ referieren, die damalige Kommunikation zwischen Land und Bord erklären oder auf meteorologische Aspekte der letzten Fahrt der „Melanie Schulte“ eingehen. Was genau geplant ist, wird im Laufe des kommenden Jahres bekanntgeben. „Wir werden noch Wissenschaftler zusammenbringen“, kündigte Schmidt an. Ergibt sich durch Experten oder Zeitzeugen etwas Neues, findet das auch Eingang in die Ausstellung, versprach Wagenaar. Gesprächsstoff wird reichlich erwartet: Nordseewerke, Stapellauf, Schulte & Bruns, Seefahrt – Schlüsselwörter, die Emder magisch anziehen und interessieren. Schon allein, weil es für viele persönliche Familiengeschichte ist.

Ausgeforscht ist der Untergang längst noch nicht. Nach wie vor ranken sich zahlreiche Geheimnisse um den verschollenen Mehrzweckfrachter, der bekanntlich bei seinem Stapellauf im September 1952 im Helgen steckenblieb. Ein böses Omen, das ein Vierteljahr später in traurige Erfüllung ging. Bis heute ist nicht nur unbekannt, welche Route das Schiff in jener Nacht wirklich nahm, sondern auch, wo die „Melanie Schulte“ letztlich abblieb.

Deckel drauf

„Das Schiff ist wahrscheinlich auseinandergebrochen“, sagte Jasmin Alley. Wo in der Tiefsee die Wrackteile liegen – bis heute weiß es niemand. Nur ein vor Schottland angespülter Rettungsring – in Emden hat er fast schon ikonische Bedeutung – blieb von der „Melanie Schulte“ übrig. Ein starkes Exponat der Schau. Ebenfalls entdeckte Wrackteile wurden Anfang der 1960er - die Seeamtsverhandlung war da abgeschlossen - als Müll verbrannt, fand Aiko Schmidt heraus. Deckel drauf, das war’s mit der „Melanie Schulte“.

Einige Zeitzeugen

„Es wurde einfach Zeit, sich des Untergangs noch einmal anzunehmen“, findet Wagenaar. Gemeinsam mit seinem Team hat er noch lebende Zeitzeugen und Angehörige der Besatzungsmitglieder vor laufender Kamera befragt. Zweifelsohne Kernstück der Schau und großer Verdienst, diese Erinnerungen für die Ewigkeit zu sichern. Zu Wort kommt beispielsweise Heinz Esser, alter Emder und ehemaliger Personalchef der Reederei Schulte & Bruns, der den Angehörigen damals die traurige Nachricht von der verschollenen Besatzung überbringen musste. Alt-OB Alwin Brinkmann war Augenzeuge des missglückten Stapellaufs. In Hamburg sprach Wagenaar mit dem Sohn des 2. Offiziers Norbert Freerks.

Von allen Besatzungsmitgliedern Fotos oder sogar Kurzbiografien zu erstellen, sei jedoch leider unmöglich gewesen. „Einige haben gar keine Nachfahren, weil sie beim Unglück noch zu jung waren, um eine eigene Familie zu gründen“, sagte Aiko Schmidt. Ein tragisches Kapitel im kollektiven Gedächtnis der Stadt.

Die Eröffnung der Schau ist am 21. Dezember um 18.30 Uhr im Landesmuseum.

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