Emden - Barenburg muss sich von einem markanten Gebäude verabschieden, das jahrzehntelang im Mittelpunkt des sportlichen Lebens in dem Stadtteil stand: Die Stadt Emden lässt das ehemalige Vereinsheim des Post SV abreißen. Der Sportausschuss des Emder Rates stimmte gestern Abend mit großer Mehrheit für den Abriss. Ausschussmitglieder hatten im Vorfeld mit einem einstimmigen Ja zu den Plänen der Stadtverwaltung gerechnet, und so kam es dann auch fast: Nur die Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Emden“ sagte Nein.

Eine Teil-Sanierung des Gebäudes würde 350000 Euro kosten, so die Verwaltung – angesichts einer ungeklärten künftigen Nutzung viel zu teuer für die klamme Stadt. Den Abriss des großen Hauses mit den markanten blauen Fassadenelementen gibt es dagegen für 25600 Euro. Pläne für eine Nutzung des Geländes habe man „aktuell“ nicht, so die Stadt.

Im Verlauf der Sitzung machte die Verwaltung deutlich, dass es aus ihrer Sicht zu dem Abriss keine Alternative gibt. Eine Verwendung im Zusammenhang mit dem städtischen „Sportpark Barenburg“, der sich in der Nachbarschaft des Gebäudes befindet, sei unwirtschaftlich. Für die 350000 Euro würde man im übrigen nur ein teilsaniertes Haus bekommen, hieß es weiter: „Die Wiederherstellung/Sanierung des Obergeschosses ist im vorbenannten Betrag nicht berechnet, da hier erhebliche Kosten zur Herstellung des Brandschutzes anfallen würden. Das Obergeschoss bliebe also weiterhin nicht nutzbar.“

Darüber hinaus seien Arbeiten im Außenbereich erforderlich. Für eine Sanierung der seit vielen Jahren vernachlässigten und unbrauchbar gewordenen Sportplätze wären weitere hohe Ausgaben erforderlich.

Nachteile für den Stadtteil befürchtet die Verwaltung nicht. Sie wies in diesem Zusammenhang auf Einrichtungen wie den „Big Point“ hin. Versammlungsräume gebe es ebenfalls ausreichend in Barenburg, unter anderem im Kulturbunker.

Der Abriss wird eine quälend lange Reihe von Pleiten, Pech und Pannen beenden. War die großflächige Sportanlage zwischen Gorch-Fock-Straße zu Zeiten des Postsportvereins Emden noch gut in Schuss, nahm der Verfall mit jeder folgenden Veränderung mehr Fahrt auf. Mit der Privatisierung der Bundespost entschloss sich der Verein zur Umbenennung in Blau-Gelb Barenburg. Dieser Verein ließ sich 2008 auf eine Fusion mit dem BSV Kickers Emden ein – Blau-Gelb verschwand erwartungsgemäß von der Bildfläche. Daran änderte auch die Neudeutung von „BSV“ als Abkürzung von „Barenburger Sportverein“ nichts.

Was zuletzt unter der Verantwortung des Fußball-Landesligisten Kickers Emden auf dem Barenburger Gelände geschah, fasste die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage kurz und knapp so zusammen: „... auf Grund von Pflegeunterlassung sind die Sportplätze nun nicht mehr nutzbar.“

Ein Aufhebungsvertrag zwischen Stadt und Verein besiegelte mit Wirkung vom 1. November 2020 die Rückgabe des Geländes. Eine letzte Chance für Gebäude und Gelände schien das Engagement des neu gegründeten Vereins KSV Union Barenburg zu bieten. Aber auch dieser Traum platzte: Nach internen Querelen löste sich der Verein wieder auf; seinen Antrag auf Nutzung der Anlage zog er deshalb am 24. August 2021 zurück.

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung