Emden - Das ist bislang einmalig in Emden: In der Oberschule Borssum können ab Januar nicht mehr nur Schüler in der Mensa essen. Ab dem 8. Januar soll die Essensausgabe auch für die Öffentlichkeit geöffnet werden – so sieht es das Konzept von Udo van Scharrel vor. Der ist in Borssum kein Unbekannter, sondern fest verwurzelt im Emder Stadtteil, und das nicht nur wegen seines Party-Service’. „Ich bin hier früher selbst zur Schule gegangen, war viele Jahre Elternvertreter, daher ist das eine Herzensangelegenheit.“ In den vergangenen Monaten sei er immer wieder, gerade von älteren Borssumern, angesprochen worden, ob er sie mit Essen zu Hause beliefern könne. „Das geht nicht“, sagt der Gastronom. Der 56-Jährige hatte aber eine Idee und reichte im Sommer 2021 seinen Vorschlag für eine öffentliche Mensa ein.
Geschützter Raum
Doch eine Schule ist ein geschützter Raum. Wie lässt sich dieser für die Öffentlichkeit zugänglich machen? „Die zeitliche Trennung macht es möglich“, erklärte Michael Groeneveld, Fachdienstleiter für den Bereich Schule bei der Stadt Emden, die als Träger für die Mensa verantwortlich zeichnet. Außerdem ist die Mensa – sie wurde 2009 damals noch für die Haupt- und Realschule Osterburgschule in Betrieb genommen und später auch von der IGS genutzt – ideal konzipiert.
„Sie hat einen separaten Eingang, sodass die Leute nicht durch die Schule müssen“, sagt van Scharrel.
So kann der Speisesaal künftig von 11.30 bis 13.15 Uhr für jedermann geöffnet und Essen zwischen 3,50 und 8,50 Euro angeboten werden. Im Anschluss, ab 13.30 Uhr, sind dienstags und donnerstags die Schüler an der Reihe. Wichtig dabei: Der Speiseplan für Schüler und Senioren wird sich deutlich unterscheiden.
Zwei Speisepläne
Während van Scharrel für die Schüler auf viel Gemüse und keinerlei Schweinefleisch setzt, wird es für die übrigen Mensabesucher ein Extraangebot geben. Eintöpfe am Dienstag, Fisch am Freitag, Klassiker wie Schnitzel oder Frikadelle sind geplant. Anmelden muss sich dafür vorher niemand – anders als im Schulmensabetrieb. Und es muss auch nicht in der Mensa gegessen werden. Wer seine Tupperdosen mitbringt, der kann das Essen auch mit nach Hause nehmen.
Die Speisepläne für Schüler und Senioren werden sich künftig unterscheiden, erklärt Udo van Scharrel.
Elisabeth Ahrends
Gibt schon jetzt das Mittagessen aus: Helga Erdwins.
Elisabeth Ahrends
Fürs Fotoshooting muss das Essen kurz warten, lecker ist es aber trotzdem, finden diese Oberschülerinnen und -schüler.
Elisabeth Ahrends„Ich finde eine Öffnung auch deshalb sinnvoll, weil damit die Akzeptanz für die Schule im Stadtteil wächst“, sieht Interims-Schulleiter Klaus Runde eine Win-win-Situation in dem neuen Konzept. Wobei die Schulmensa aus seiner Sicht auch jetzt schon ein Erfolg ist. Die hat van Scharrel nach einem rund zweijährigen Leerstand nach den Sommerferien 2021 übernommen und es mittlerweile geschafft, die zuletzt nur knapp 20 ausgegeben Mittagessen auf 50 pro Mensatag zu steigern. „Und es ist wunderbar zu beobachten, dass es ein ganz anderes Miteinander der Schüler gibt“, so die Feststellung des kommissarischen Schulleiters. Wichtiger aber noch: Den Schülern schmeckt es, wie sie selbst sagen.
