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Meyer Werft in Papenburg Viele Krisen, aber auch eine gütliche Einigung

Aktuell entsteht die Silver Nova im Baudock der Meyer Werft und soll im Sommer abgeliefert werden. Das Schiff verfügt zusätzlich zu LNG-Motoren über Brennstoffzellen und Batterien, um im Hafen keine Emissionen zu erzeugen.

Aktuell entsteht die Silver Nova im Baudock der Meyer Werft und soll im Sommer abgeliefert werden. Das Schiff verfügt zusätzlich zu LNG-Motoren über Brennstoffzellen und Batterien, um im Hafen keine Emissionen zu erzeugen.

Meyer Werft

Papenburg - Geringere Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen, drohender Jobverlust für Hunderte Beschäftigte, ein Wechsel an der Betriebsratsspitze, die verzögerte Ablieferung der Arvia und das später gezahlte Weihnachtsgeld, aber auch zwei abgelieferte Schiffe, mehrere neue Aufträge und schließlich die Einigung, vorerst doch keine Jobs zu streichen: Die Papenburger Meyer Werft blickt auf ein ereignisreiches und zugleich auch krisengeschütteltes Jahr zurück.

Jobs bleiben erhalten

Als wohl beste Nachricht für die rund 3350 Beschäftigten wurde im Juni die Vereinbarung zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaften verkündet, bis Ende 2023 auf den Abbau weiterer Arbeitsplätze zu verzichten. Ursprünglich wollte die Werftleitung 450 Jobs streichen. 350 davon sollten direkt bei der Werft abgebaut werden, weitere 100 bei der Dienstleistungstochter EMS. Es ist aber nicht nur ein Aufschub des Stellenabbaus, der den Betriebsrat zuversichtlich stimmt. Betriebsbedingte Kündigungen sollen auch nach 2023 vermieden werden. „Da sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig“, sagte bereits im Sommer der damals noch amtierende Betriebsratsvorsitzende Nico Bloem im Gespräch mit dieser Redaktion.

Neuer Betriebsratschef

Zum November gab es einen Wechsel an der Spitze des Betriebsrats. Nico Bloem gewann das Direktmandat für den niedersächsischen Landtag und ging nach Hannover. Zu seinem Nachfolger wurde der 50-jährige Andreas Hensen gewählt.

Um auf dem Markt bestehen zu können, will die Werft ihre Mitarbeiter weiter qualifizieren und damit auch die Transformation hin zu mehr Digitalisierung und Nachhaltigkeit vorantreiben. Dass alles unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Stabilität, wie es Werftsprecher Peter Hackmann schildert.

Trotz aller widrigen Umstände konnte Meyer in 2022 zwei Schiffe abliefern. Im Juni und im Dezember wurden die beiden Neubauten Disney Wish für Disney Cruise Line und die Arvia für P&O Cruises abgeliefert. Bei der Arvia gab es Verzögerungen, wodurch auch das Weihnachtsgeld nicht pünktlich mit dem Novembergehalt an die Belegschaft ausgezahlt werden konnte. Mitte Dezember floss dann der Kaufpreis, der erst zu 80 Prozent bei der Übergabe bezahlt wird. Mit der Finanzspritze konnte noch rechtzeitig vor dem Fest das Weihnachtsgeld bezahlt werden.

Neue Zeitpläne

Doch ganz so reibungslos läuft der Bau der Schiffe auch nicht. Materialknappheit und unterbrochene Lieferketten machen der Werft zu schaffen und stellen die Planer vor ganz neue Herausforderungen. Deshalb wurde das Auftragsbuch ein weiteres Mal an die besondere Situation angepasst, um den Kunden „trotz aller Störungen der Lieferketten und Materialengpässen vollständig fertiggestellte Schiffe zu einem verlässlichen Termin“ übergeben zu können, heißt es seitens der Werft. Im Klartext bedeutet das, dass die Auslieferungstermine nach hinten verlegt wurden.

2023 sollen wieder zwei Kreuzfahrtschiffe die Werft verlassen. Die Silva Nova erhält bereits nicht nur emissionsarmes LNG, sondern ein Brennstoffzellensystem für den gesamten Hotelbetrieb sowie Batterien. Zum ersten Mal bei Silversea werden die Schiffe der Nova-Klasse ein horizontales Layout und ein innovatives asymmetrisches Design aufweisen, mit öffentlichen Räumen und Suiten, die sich über die gesamte Länge des Schiffes erstrecken. Zudem wird im nächsten Jahr auch die Carnival Jubilee, ein Schiff für die amerikanische Reederei Carnival Cruise Line, abgeliefert.

Antrieb der Zukunft

Die Werft arbeitet seit mehr als 15 Jahren an neuen emissionsfreien Lösungen für die Branche: LNG-Antriebe wurden 2018 erstmals serienreif eingeführt. Künftig stellt dieser Brennstoff eine grüne Lösung für die Schifffahrt dar, stellt die Werft klar und setzt große Hoffnungen auf die Forschung. Auch an der Brennstoffzellentechnologie, an Methanol als Treibstoff und weiteren technischen Innovationen auf Passagier- und Kreuzfahrtschiffen wird intensiv geforscht, um den Weg zum emissionsfreien Kreuzfahrtschiff zu ermöglichen.

Jens Tammen
Jens Tammen Emder Zeitung (Stv. Leitung)
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