Papenburg - Nachdem das Kreuzfahrtschiff „Arvia“ am Wochenende sein Zwischenziel im niederländischen Eemshaven erreicht hat, laufen bei der Papenburger Meyer Werft die Arbeiten an der „Silver Nova“ und der „Carnival Jubilee“ auf Hochtouren. Im Sommer des kommenden Jahres beziehungsweise Ende 2023 sollen die beiden Riesen ausgeliefert werden – und das, obwohl Materialengpässe der Werft zu schaffen machen.
„Die Nachfrage nach vielen Gütern ist nach Corona global sprunghaft und unerwartet gestiegen, sodass die Produktion dieser Güter insgesamt nicht so schnell hochgefahren werden konnte“, teilte Werftsprecher Florian Feimann auf Nachfrage mit. In Papenburg werden ausbleibende Materiallieferungen allerdings bislang „mit flexiblen Lösungen bei uns und unseren Partnerunternehmen“ ausgeglichen, sodass zwischenzeitlich entstandene Verzögerungen gut aufgeholt würden. Wie diese „flexiblen Lösungen“ aussehen, dazu nannte Feimann keine Details, betont aber: „Ablieferungstermine verschieben sich also nicht.“
Hamsterkäufe
Zumindest bislang. Denn nicht nur die Produktion wichtiger Teile hinkt hinterher, auch der Transport wird zunehmend zur Herausforderung. Die Kapazitäten zu Land, Wasser oder Luft waren und sind knapp. Das hatte schon zu Beginn der Pandemie zur Folge, dass nicht nur Privatpersonen Toilettenpapier in großen Mengen horteten, sondern auch in der Industrie Hamsterkäufe getätigt wurden. Und die wirken nach, indem sie „die Verfügbarkeit weiterhin negativ beeinflussen“, so Feimann. Soll heißen: Die Lieferzeiten haben sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre mehr als verdoppelt – sofern das Material verfügbar ist. Und das wiederum hat Auswirkungen auf die Preise: Die seien stark gestiegen, so der Unternehmenssprecher.
An Stellschrauben gedreht
An den Preisen kann die Werft natürlich wenig tun, trotzdem gibt es Stellschrauben, an denen auch das Papenburger Unternehmen drehen kann: So hat die Werft etwa ihre Vorlaufzeiten für Bestellungen längst verlängert und Bestände erhöht, um das Risiko fehlender Teile zu minimieren. „Dennoch kommt es in einzelnen Fällen dazu, dass die Materialversorgung nicht aufrechterhalten werden kann und zu Verzögerungen führt.“
Wie berichtet, hatte die Werft bereits im April ihre Lieferanten befragt, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf die Lieferketten der Meyer-Gruppe haben wird. Inzwischen ist bei der Gruppe das gesamte Jahr mit einem Lieferplan durchgetaktet. Dafür arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter bei Meyer an der Materialversorgung. Allein 50 von ihnen sind für den Einkauf für die Schiffsprojekte zuständig – und die haben ihre Materialbestände immer im Blick.
