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Serie „Emder erzählen“ Mit den schwedischen Seeleuten im Emder Hafen ging die Post ab

Hier hat der Erzähler viele Jahre in der Schiffsausrüstung gearbeitet: Blick in den Emder Hafen.

Hier hat der Erzähler viele Jahre in der Schiffsausrüstung gearbeitet: Blick in den Emder Hafen.

Archiv Hellmich

Emden - Ich erinnere mich an eine lustige Episode: Im Freihafen war bekannt, dass schwedische Seeleute, wenn sie auf den Weltmeeren unterwegs waren, striktes Alkoholverbot hatten. Aber wenn sie dann in einen Hafen kamen, ging die Post ab. Das bedeutet, die Sealords ließen sich volllaufen.

So passierte mir und unserem Bootsführer folgende Geschichte: Als ich auf ein schwedisches Schiff kam, begab ich mich auf die Suche nach dem zuständigen Mann für Lieferscheine und Proviant. Eine Frau kam mir entgegen, eine Hostesse. Ich fragte, wo ich den entsprechenden Mann finden würde. Sie verwies mich an den Kapitän. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus, denn dass Frauen auf Schiffen arbeiteten, war mir damals nicht bekannt. Als ich dann den Kapitän fand, kam der mir etwas desinteressiert vor, wahrscheinlich vom Alkohol. Der Kapitän verwies mich lapidar an den „First Styrman“, der gleichbedeutend mit unserem 1. Schiffsoffizier war. Der war zuständig, die Leute einzuteilen. Doch auch der war alkoholisiert.

Nicht jede Tüte kam an

Er beorderte zwei Leute, die mit einem „Strop“, einem Seil, die Waren an Bord holen sollten. Wir hatten unter anderem große Fünf-Kilo-Tüten, in denen Tee verpackt war. Nach Bootsführer-Art schlang unser Bootsführer eine einfache Schlinge um jede einzelne Tüte, in der Hoffnung, dass jede Tüte ihr Ziel erreichen würde. Was passieren musste, passierte. Wenn eine einzelne Tüte am Strick an einer Bordwand hochgezogen wird, noch mit einer einfachen Schlinge gesichert, schlägt die Tüte durch die Bewegung des Hochholens an die Bordwand und rutscht aus der Schlinge heraus. Das Ende der Aktion war absehbar. Die Tee-Tüte war durch den Aufprall auf das Wasser aufgeplatzt, und der Tee schwamm im Hafenwasser. Um zu retten, was zu retten war, bemächtigten sich die beiden Sealords zweier Eimer und fischten aus einem Beiboot den Tee aus dem Hafenwasser.

Zur Person

Manfred Malitius ist 1943 in Schlesien geboren.

Bis zur Rente war er bei der Emder Schiffsausrüstung tätig.

Seit 1967 lebt Malitius in Hannover.

Tränen gelacht

Man möge sich diese Aktion bildlich vorstellen. Unser Bootsführer drehte sich um, damit die beiden Sealords nicht sehen sollten, dass er vor lauter Lachen Tränen in den Augen hatte. Dasselbe Malheur passierte mit den Butter- und den Margarinekartons. Mit kurzen Enterhaken versuchten die Männer, die Waren zu retten. Diese Aktion vollzog sich noch dazu in einem schwankenden Boot. Die Männer versuchten dann, mit einem Enterhaken die einzelnen Butter- und Margarinestücke hochzuschießen, immer in der Hoffnung, dass diese auch an Deck ankommen würden.

Erzähler gesucht

Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist unter 04921/8900401 oder per E-Mail an IrisHellmich@gmx.de zu erreichen.

Wer versucht, das Ganze nachzuvollziehen, wird merken, dass er für eine solche Aktion zu wenig Alkohol im Blut hätte. Jedenfalls waren wir uns vorgekommen, als hätten wir eine Starparade von Pausenclowns erlebt.

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