Emden - Das ist kein leichtes Gepäck, mit dem Nils Werline aus Dinklage am Wochenende nach Emden angereist ist. Rund 500 Kilogramm bringt es auf die Waage. Denn dabei handelt es sich um eine Modell-Dampf-Lok und zwei Modell-E-Loks. Während die E-Loks schon bei herrlichem Sommerwetter mit großen und kleinen Fahrgästen auf der 700 Meter langen Gleisanlage ihre Runden drehen, feuert Werline etwas abseits von der Bahnsteigkante auf dem Wartungsgleis seine Dampf-Lok an. Mit einer kleinen Schaufel schippt er kleine Kohlebrocken in den Ofen. Es zischt und dampft.
Werline gehört zu den Freunden der Emder Minibahner, die mit ihren eigenen Fahrzeugen den Fuhrpark der Emder an ihrem Sommerfest ergänzen. Neben ihm sind sieben weitere Minibahnfreunde angereist, darunter auch zwei aus den benachbarten Niederlanden. Dass auch sie ihre Loks mitgebracht haben, versteht sich nahezu von selbst.
Fans drehen mehrere Runden
„Vorsicht bei der Abfahrt“, heißt es immer wieder an diesem Sonntagvormittag. Viele Familien füllen den Platz zwischen Lokschuppen, Vereinsheim und Abfahrtgleis. Sie warten geduldig in der Schlange, um mit dem nächsten Zug eine neue Runde drehen zu können – vorbei an der großen Denkmallok, entlang grüner Sträucher und durch einen kleinen Tunnel, sehr zur Freude vieler Jungen und Mädchen. „Es sind viele, die viermal und mehr mitfahren“, sagt Stephan Triebel (47), der Vorsitzende der Emder Modelldampf-Freunde, im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ist mit dem Verlauf des Sommerfestes zufrieden. Insbesondere auch, weil es tags zuvor außer der Reihe in der Vereinskasse klingelte. Die Emder Minibahner haben einen Scheck in Höhe von 1000 Euro überreicht bekommen. Sponsor ist der Club Round Table 12 Emden/Leer. Der Club wurde 1958 gegründet und besteht aus 17 Männern im Alter zwischen 25 und 40 Jahren, die regionale sowie nationale Projekte unterstützen. In der Begründung des Clubs heißt es: „Wir sind beeindruckt, wie die Jugend in die Vereinsarbeit integriert ist und gemeinsam einen tollen Anlaufpunkt für Familien und Kinder schafft. Ein Ausflug zur Minibahn lohnt sich jeden Sonntag und zu besonderen Anlässen.“ Überreicht hat den Scheck Timo Siebahn vom Club.
Dampf-Trecker fährt rund um den Bunker
Jenseits der Schienen hat am Wochenende ein auffallend rotes, sonderbares Fahrzeug Werbung für das Sommerfest der Minibahner gemacht. Bei dem Sonderfahrzeug handelt es sich um einen Modell-Dampf-Trecker. Gebaut hat ihn der heute 87-jährige Karl Neidig in den Jahren zwischen 2013 und 2017. „Von Kind an habe ich mich für Maschinen interessiert“, sagt er im Gespräch. Durch die Minibahn habe er den 38-jährigen Timo Gatena aus Norden kennengelernt, der nun für ihn den Dampf-Trecker in Fahrt hält.
Spendendose mit Geschichte
Unmittelbar vor dem Vereinshaus ist die erste Lok zu bewundern, die auf der Anlage gefahren ist. „Das ist die V 200“, sagt Ernst Richter (82). „Die ist momentan in keinem guten Zustand“, erklärt er. „Sie soll aber wieder fahren.“ Dafür wolle er zusammen mit seinem Vereinskameraden Kalle Kaune (72) und der Jugendgruppe der Modelldampf-Freunde sorgen. Beim Sommerfest diente diese Lok lediglich als Spendendose. Anstelle eines Fahrpreises bitten die Minibahner um eine Spende („Kohle für Kohle“).
