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Emder betreute Jahrzehnte zweitgrößtes deutsches Schiffsregister Der „Herr der Schiffe“ geht in den Ruhestand

Hat über 45 Jahre gearbeitet: Rechtspfleger Uwe Kampenga.

Hat über 45 Jahre gearbeitet: Rechtspfleger Uwe Kampenga.

Ute Lipperheide

Emden - Ganz oben unter dem Dach des Emder Amtsgericht, gleich links neben dem Aufzug, da ist die Welt der Schiffe. Aber nur die, die über 15 Meter lang sind und irgendetwas mit der Region zwischen Wilhelmshaven und Osnabrück zu tun haben. Herr über die Papiere, die im sogenannten Schiffsregister – eine Art Grundbuch für Schiffe – war seit 1982 Rechtspfleger Uwe Kampenga. Mit 65 Jahren und zehn Monaten schied er jetzt aus dem Dienst aus.

„Es war eine spannende Zeit und ich freue mich, dass das Schiffsregister im Emder Amtsgericht bleibt“, sagt er. Rund 1600 Schiffe umfasst es und ist das zweitgrößte deutsche Schiffsregister überhaupt. Ob es nun um die Meyer-Ozeanriesen geht oder ein Binnenschiff: Kampenga saß oft mit Reedern und Vertretern von Banken zusammen, die diese Geschäfte mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro abwickeln. An Bord der Kreuzfahrer war er viele Dutzend Male, um die Formalitäten der Übergabe zu erledigen. Manchmal muss alles ganz schnell gehen und Anrufe aus Übersee erreichten ihn auch nachts. Englisch ist da oft die einzige Sprache, mit der die komplizierten Sachverhalte mit Eignern aus der ganzen Welt zu klären sind. Englisch hat er in Emden am Johannes-Althusius-Gymnasium gelernt, an dem er auch sein Abitur machte. „Das war ein guter Grundstock“, sagt er heute.

Frisia-Insolvenz

Doch das Schiffsregister alleine war nicht die Aufgabe des Justizrates und echten Emders. Vieles lief über seinen Tisch, darunter auch die Insolvenz der Erdölwerke Frisia. Die Raffinerie und ihre Besitzverhältnisse sowie die möglichen Investoren nach der Pleite waren eine komplizierte Angelegenheit. Heute befindet sich auf dem Gelände der Industriepark Frisia, in dem vorwiegend Zulieferer für das naheliegende VW-Werk aktiv sind. Sein langjähriger Kollege und spätere Emder Oberbürgermeister Bernd Bornemann hat zwar hauptsächlich das Konkursverfahren begleitet, doch auch Kampenga war eingebunden.

Aufbauhilfe Ost leistete Kampenga ebenfalls. Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 begann eine mehrjährige Teilabordnung für ein Gericht in Sachsen-Anhalt. Er half, dort die Justiz auf die bundesdeutschen Regeln umzustellen.

Langweilig wurde es ihm nie. Warum er Rechtspfleger wurde? „Natürlich kam die Nähe zum Amtsgericht durch meinen Vater, der dort lange tätig gewesen ist“, sagt er, doch am Beruf des Rechtspflegers reizt ihn besonders, dass dieser „sachlich völlig unabhängig entscheidet und somit keinerlei dienstliche Weisungen“ erhalten darf. Als er 1977 Abitur machte, war er gerade Vater geworden, ging er erst einmal zur Bundeswehr und später in die Rechtspfleger-Ausbildung. Die kleine Familie zu ernähren, das stand damals im Vordergrund. Bereut hat er das nie.

Was kommt nun?

Jetzt, nach einem so langen Arbeitsleben, wird der Ruhestand eine Umstellung sein. „Ich bin da aber nicht bang“, gibt er sich zuversichtlich und schaut rüber zu seinem Jagdhund, der ruhig in einer Ecke des Büros liegt. Seit dem Tod seiner Frau nimmt er das Tier mit zur Arbeit, damit es nicht allein zu Hause ist. „Über diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.“ So kurz vor dem Ruhestand, wirkt das Büro schon etwas leergeräumt. Was kommt danach? „Ich bin ja schon 26 Jahre Kreisjägermeister, dann habe ich mehr Zeit für mein Hobby und kann mich so oft in der Natur aufhalten, wie ich mag.“ Über 45 Jahre hat er gearbeitet. „Ganz schön lange“, sagt er, lacht und räumt die letzten Akten sorgfältig von seinem Schreibtisch.

Ute Lipperheide
Ute Lipperheide Emder Zeitung
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