Emden - Burghardt Zirpins ist unbestritten ein „Streiter“. Das machten gleich mehrere Festredner anlässlich der Verabschiedung des Geschäftsführers der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten (obw) nach 25 Jahren deutlich. Er sei aber nicht nur „Streiter“, sondern auch „Gestalter, Vordenker, Mahner und Macher“, der die Sicht auf Menschen mit Behinderung „grundlegend geändert hat“. So zumindest fasste Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Niedersachsen, 25 Jahre mit Zirpins an der Spitze zusammen. Mehr als 200 Gästen waren der Einladung zur feierlichen Verabschiedung in die Johannes a Lasco Bibliothek gefolgt.
25 Jahre an der Spitze der obw
Bei so viel Lob flossen bei dem scheidenden Geschäftsführer auch ein paar Tränen. Und das, obwohl er nach den Worten seines Nachfolgers Jörn Malanowski eigentlich immer derjenige gewesen sei, der behauptete, dass „nirgendwo so viel gelogen wird wie bei Beerdigungen und auf Verabschiedungen.“ Im Fall seines Vorgängers stimme das jedoch nicht, so Malanowski. Schließlich habe Zirpins entscheidende Schritte für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung nicht nur in Emden, sondern von der Insel Borkum über den Landkreis Aurich und bis in den Landkreis Leer hinein eingeleitet.
Ein Friese, der Großes für Ostfriesland getan hat
Mehrfach wurde in diesem Zusammenhang der Einsatz des gebürtigen Friesen, den es 1997 beruflich von Wilhelmshaven nach Emden verschlagen hatte, für die Anpassung des Bundesteilhabegesetzes 2016 erwähnt. Damals sei Zirpins mit Beschäftigten und Teammitgliedern zunächst in Hannover und dann in Berlin auf die Straße gegangen, erinnerte sich etwa Bundestagsabgeordneter und Festredner Johann Saathoff (SPD). Er sprach von Zirpins als einem „Friesen (niemand ist vollkommen), der große Dienste für Ostfriesland geleistet hat.“ Er habe den Menschen vor Ort gezeigt, „dass sie etwas erreichen können, wenn sie demonstrieren“, griff Malanowski das Thema des Teilhabegesetztes ebenfalls auf, das auch für ihn in naher Zukunft weiterhin Bestandteil seiner Arbeit bleibe. „Ich verspreche, dass wir das gut hinbekommen“, sagte Malanowski.
Schon in seiner Diplomarbeit hatte sich der heute 64-jährige Zirpins mit den psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit befasst und ist bis heute der Überzeugung, dass sich „echte Arbeit“ positiv auf die Entwicklungs- und Persönlichkeitsprozesse auswirke. Damit verteidigte er das in Deutschland gelebte Konzept der Werkstätten, durch das Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen eine echte Chance auf Teilhabe bekämen. „Wir haben Glück, so ein System in Deutschland zu haben.“
Von Emden nach Reinbek
Für Zirpins geht es als Rentner nun von Emden nach Reinbek in Schleswig-Holstein. Ein Wohnwagen für Reisen durch Europa steht schon bereit. Einen Abstecher zur Einweihung der neuen Kindertagesstätte am Rand des Emder Stadtwaldes im Herbst dürfte aber schon eingeplant sein. Immerhin ist diese nur eine von zahlreichen Errungenschaften in der Geschichte der obw mit Burghardt Zirpins an der Spitze. Und vielleicht schaut er auch einmal bei den Sommerfahrten vorbei – immerhin sind dafür anlässlich seines Abschieds 12.000 Euro zusammengekommen.
