Krummhörn - Hinrich Just Müller kam eigentlich aus Fürstenau und lebte lange in Wittmund. Aber auch in der Krummhörn und im heutigen Hinte war er wohlbekannt – damals im 18. Jahrhundert, als er in mehreren Dörfern über längere Zeit gearbeitet hat. Hinrich Just Müller war Orgelbauer, ist als solcher unter Kennern bis heute bekannt. Eine ist Dr. Karin Bockelmann. Sie widmete jenen Handwerkern passend zum aktuellen Orgelfrühling ein Buch, und hinter dem etwas trockenen Titel „Orgelbauer früher in der Krummhörn und anderswo“ verbirgt sich aber mehr als eine nüchterne Betrachtung der Orgelbaukunst. Die Historikerin zeichnet in ihrem Werk auch ein Bild früherer Jahrhunderte in Ostfriesland.
Geschichten aus Krummhörner Orgelbaugeschichte: Dr. Karin Bockelmann: Bild: privat
Die Autorin gibt nicht nur historische Fakten wieder – und zwar ganz bewusst, erklärt Karin Bockelmann. Vielmehr wolle sie auch die Lebensverhältnisse jener Zeiten darstellen, in denen die Kirche der Krummhörn ihre Orgeln bekamen, für die sie weit über die Region hinaus bekannt sind und Organisten von überall anziehen.
So nutzte Karin Bockelmann ihre guten Verbindungen in die Kreise der Orgelbauer und ihre Kenntnisse als studierte Historikerin, um Zahlen und Daten rund um die Orgelbauer früherer Jahrhunderte mit Leben zu füllen. Sie fragte sich: „Was waren das für Leute, welche Herausforderungen hatten sie zu bestehen, wie kamen sie zu ihren Erfolgen, welcher Art waren ihre Lebensumstände?“ So deutet sie im Vorwort ihres Werkes an, tiefer in deren Wirken hineinzuschauen. Das tut sie mit einem Trick: Sie erzählt tatsächlich Geschichten hinter den biografischen Daten, und die Historikerin scheut sich nicht, dabei ihre Fantasie walten zu lassen. „Der Ansatz meines Werks ist ein Erzählbuch.“
Dr. Karin Bockelmann lebt in Bad Zwischenahn, hat sich aber über viele Jahre mit der Krummhörn, ihren Kirchen und vor allem den Orgeln beschäftigt. Über gut 15 Jahre war die 79-Jährige auch Vorsitzende im Freundeskreis des Krummhörner Orgelfrühlings. Sie wurde in Leer geboren, hat Geschichte, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert.
Ihr Buch erscheint als Book on demand in der Buchwerkstatt Hage. Kontakt für Interessenten ist möglich unter der Internet-Adresse www.buchwerkstatt-hage.de.
Das Gerüst dazu liefern historische Dokumente und technische Erklärungen moderner Orgelbauer. So sei sie dem Orgelbaumeister Jürgen Ahrend aus Loga dankbar für dessen Erläuterungen zur Restaurierung der Westerhuser Orgel. Der Uttumer Ruhestandspastor Hartmut Schaudinn habe ihr mit seiner Geschichte zur Uttumer Orgel das Gefühl dafür vermittelt, was einer Königin der Instrumente über die vielen Jahre ihres Daseins alles passieren konnte.
Jost Sieborg (1605-1686), Ulrich Valerian Grotian (1663-1741), Johann Friedrich Constabel (1690-1762) oder eben auch Hinrich Just Müller (1740-1811): In ihrem Buch lässt Karin Bockelmann die großen Orgelbauer in Ostfriesland leben und arbeiten und erklärt zugleich, wie das Leben damals war. „Was waren das für Leute, welche Herausforderungen hatten sie zu bestehen, wie kamen sie zu ihren Erfolgen, welcher Art waren ihre Lebensumstände?“ Eine Erkenntnis: Orgelbauer wurden damals nicht nur als Handwerker wahrgenommen, sondern auch als Musik-Techniker, die Instrumente stimmen konnten, und als gewiefte Unternehmer, die sich gut verkaufen und mit den Kirchenräten hart verhandeln konnten. Der Orgelbauer Müller war darin wohl geschickt, denn er ist bis heute in der Region mit seinem Werk erhalten: in Midlum etwa, in Manslagt, Loquard und Woquard.
