Oktober - Die Forderung der SPD „60plus“ an den Emder Rat, sich deutlich gegen die AfD zu positionieren, stößt bei der CDU in dieser Form nicht auf ungeteilte Zustimmung. Deren Kreisvorsitzender Wilke Held verweist in einer schriftlichen Reaktion darauf, dass unter den AfD-Wählern ein „großes Protestpotenzial mit unterschiedlichen Protestursachen“ versammelt sei. Viele dieser Wähler würden das „gefährlich Kleingedruckte“ nicht lesen. Diese Protestwähler seien ernstzunehmen, unterstreicht Held.
Den Appell des 60plus-Vorsitzenden Uwe Rozema und zwei seiner Mitstreiter hält der CDU-Parteivorsitzende einerseits für „gut“. Schließlich „haben sie doch als Generation der Nachkriegskinder in Gesprächen mit Eltern und Großeltern noch nationalistische Erfahrungen direkt und persönlich-eindringlich vermittelt bekommen: Sie sehen die Parallelen, ihren Warnungen kann sich jeder Demokrat nur anschließen.“ Andererseits springt die SPD-Arbeitsgemeinschaft aus der Sicht des Unionspolitikers in dieser Frage zu kurz. Held spricht sich stattdessen aus für „ein gemeinsames Vorgehen gegen die sie (die AfD-Wähler; Anm. d. Red.) einende Politikverdrossenheit, einen Verzicht auf Diffamierung, eine lösungsorientierte Pressearbeit und weniger eitle Selbstdarstellung“. Eine übergeordnete Arbeitsgemeinschaft oder gar einen Beschluss des Rates brauche es dafür nicht. Held: „Es reicht im obigen Sinne eine stillschweigende Übereinkunft. Die nächsten Schritte aller demokratischen Parteien in diese Richtung sind daher nicht nur für die Ü60 der SPD richtungsweisend.“
Als geeignete Mittel, um Menschen wieder mehr in der Politik „mitzunehmen“, schlägt Held vor: „aufwändigere Politikvermittlung, niedrigschwellige Mitmachformate wie beispielsweise monatliche Stammtische und gezielte Gesprächseinladungen an Andersdenkende“. Für die CDU sei das „ein Weg ohne Alternative“.
Die SPD-Gruppe hatte das gute Abschneiden der rechtsextremen AfD bei der Landtagswahl zum Anlass genommen für einen Appell an den Rat. Es sei notwendig, „alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt für unsere offene demokratische Gesellschaft zu gewinnen“, erklärte die AG unter anderem.
