Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Pastorin Heike Schmid im Ruhestand Die Anpackerin packt ihre letzten Kartons

Packt auch bei den Kartons kräftig mit an: Heike Schmid (rechts) und ihre Möbelpacker.

Packt auch bei den Kartons kräftig mit an: Heike Schmid (rechts) und ihre Möbelpacker.

Saathoff

Visquard - „Irgendwann“, sagt Heike Schmid, „irgendwann ist man auch froh, wenn es soweit ist.“ Über Monate hat sie sich auf ihren Ruhestand vorbereitet, hat mit ihrem Mann Jan Lüken geplant und überlegt, „aber immer war es noch etwas hin“. Mal waren es drei Monate, dann nach drei Wochen, dann war Sonntag – und sie verabschiedete sich von ihrer Kirchengemeinde. Nun ist sie im Ruhestand, packt Kartons und zieht am Mittwoch zu Sohn und Schwiegertochter nach Flensburg. Ende einer Ära, die nicht nur ihre reformierte Kirchengemeinde Groothusen-Visquard prägte.

Zur Person

Heike Schmid kam 1959 in Nordhorn, Bad Bentheim, zur Welt.

Ihr Abitur legte sie 1978 in Nordhorn ab.

Sie studierte Ev. Theologie in Münster und Genf. Ihr Vikariat absolvierte sie in Amelsbüren bei Münster.

Heike Schmid heiratete ihren Mann Jan Lüken 1988. Er wurde später Pastor in den Nordwestdeutschen Mennonitengemeinden.

Zwei erwachsene Kinder hat das Paar, Sohn Jen-Hendrik und Tochter Friederike. Zu Sohn, Schwiegertochter und Enkel ziehen die Schmids nun nach Flensburg.

Von 1989 bis 1996 war Schmid Pastorin in der Kirchengemeinde Campen-Rysum. Danach ging es für drei Jahre nach Wuppertal.

Seit 2000 war Schmid 22 Jahre lang Pastorin für Groothusen und Visquard. Ihr Fazit: „Eine geile Zeit.“

Denn vieles von dem, was Schmid initiierte oder zumindest in der Realisierung begleitete, strahlte über die beiden Dörfer hinweg und betraf auch Einwohner der anderen 17 Ortschaften. Die Visquarder Arche etwa, in der Kinder essen, spielen oder in der ihnen Zeit geschenkt wird. „Vor Corona hatten wir fast 40 Kinder“, erzählt Schmid, „und die kamen nicht alle aus Visquard.“ Auf der anderen Seite des Generationenspektrums stehen die Senioren, für die die reformierte Kirchengemeinde „Pott up Füer“ installierte, ein Mittagstisch, bei dem gemeinsam gekocht und gegessen wird. „Der startet nach Corona nun auch endlich wieder“, freut sich Schmid.

Soziales immer mitgedacht

Es sind nur zwei der Projekte, die mit Schmid und vielen Ehrenamtlichen in den vergangenen 22 Jahren auf die Beine gestellt worden sind. Andere könnten auch genannt werden, die Audioandachten, die im Zuge der Corona-Pandemie entstanden sind und eine weite Verbreitung erfuhren oder Veranstaltungen wie „Dinner in’t Dörp“ in Groothusen, das sie mit initiierte. Die Arche und Pott up Füer sind aber zwei Projekte, die besonders illustrieren, wie wichtig der Pastorin das Soziale war – und wie viel Mühe in den Zusammenhalt in den Dörfern floss.

Heike Schmid wollte Lebenssituationen verbessern – und Gegebenheiten neu denken. „Was schon auch zu Auseinandersetzungen geführt hat“, wie sie sich erinnert. Etwa die Abschaffung des Kindergottesdienstes, dem die Kinder fehlten, oder des Neunuhr-Gottesdienstes, dem die Besucher fehlten. „Aber es ging nie darum, einfach etwas abzuschaffen“, erzählt Schmid, „sondern zu gucken, was können wir anders machen, um mehr Menschen zu erreichen.“ Ein Beispiel: Der Kaffee nach der Kirche wurde nicht mehr im Gemeindehaus gereicht, sondern direkt in der Kirche. „Und das kam super an.“

Tatendrang trotz Widerstände

Nicht jeder teilte jederzeit diesen Tatendrang. Vor allem nicht, wenn es etwas kostet. Die Landeskirche etwa, mit der Schmid Jahrzehnte ihrer Tätigkeit ein wechselhaftes Verhältnis hatte. Bereits in den 1990er Jahren, als Schmid noch Pastorin in der damaligen Kirchengemeinde Rysum-Campen war und die Landeskirche für ihren Mann, Jan Lüken, ebenfalls Pastor, nur ein Ehrenamt zur Verfügung stellen konnte. Das führte dazu, dass das Ehepaar Schmid von 1996 bis 1999 eine dreieinhalbjährige Stippvisite in Wuppertal einlegte, bevor sie dann wieder in die Krummhörn zurückkehrten. Oder später noch, wenn es um Personalkosten etwa für die Arche ging. „Es geht nicht alles ehrenamtlich, Ehrenamt braucht auch Hauptamt.“

Wie es nun weitergeht? Die Kirchengemeinde wird wohl vergrößert. Uttums Pastorenstelle ist seit drei Jahren vakant, der Ort soll dazu kommen. Manslagt wohl perspektivisch auch, erzählt Schmid. Die Stelle ist bereits ausgeschrieben. „Aber es gibt einen großen Pastorenmangel“, sagt Schmid. „Ich hoffe, es wird jemand gefunden, die Gemeinde hat das verdient.“

Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden