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Hintes Pastorin Steffi Sander blickt zurück „In Hinte war kein Tag wie der andere“

Zeit für Rückblick und Vorausschau: Pastorin Steffi Sander wird Sonntag verabschiedet.

Zeit für Rückblick und Vorausschau: Pastorin Steffi Sander wird Sonntag verabschiedet.

Axel Pries

Hinte - Ein bisschen sieht das neue Haus aus, wie es Steffi Sander derzeit geht: Man kann drin wohnen, aber es ist noch nicht fertig. Vor der Situation steht Hintes Pastorin auch beruflich: Am Sonntag nimmt sie nach elf Jahren ihren Abschied als Hinteraner Seelsorgerin, um fast ohne Übergang ihre neue Aufgabe bei der evangelisch-reformierten Landeskirche anzutreten – hin und her gerissen. „Ich bin aufgewühlt“, antwortet sie auf die Frage nach ihrem Befinden „zwischen Abschied und Neuanfang.“ Das vordringlichste Gefühl sei aber „ganz, ganz große Dankbarkeit für das was war und das was wird.“ In Hinte habe sie erlebt, wie großartig und vielfältig ihr Beruf sein könne, auch wenn sich bestimmte Abläufe wiederholen: „In Hinte war kein Tag wie der andere.“

„Mit den Leuten geweint“

Es gab eine Konstante in ihrem Wirken als Pastorin in den drei Gemeinden Hinte, Groß Midlum und Westerhusen, blickt die 44-Jährige zurück: Sie sei bei ihrer Art der Lebensbegleitung und Verkündigung immer wieder auch von ihrer Gemeinde emotional getragen worden, wenn sie selbst sich emotional einbrachte – was häufig der Fall war. „Was habe ich mit den Leuten geweint, was habe ich mit ihnen gebetet und auch gelacht“, versucht sie zu erklären, was sie am meisten bewegt hat und wann sie sich den Menschen am nächsten fühlte. Und fügt hinzu: „Ohne Gott hätte ich das nicht geschafft.“

Genau das habe sie aber gewollt, als sie das Amt antrat: bei den Menschen sein. Sie werde manchmal gefragt, wie viel Mühe ihr das Engagement gekostet hat, erzählt die Pastorin. „Dazu muss ich sagen: Das meiste, was ich hier getan habe, hat mich fast nichts gekostet.“

Dabei entstand über die Jahre eine auch emotional große Nähe zu ihren „Schäfchen“, die sie in diesen Tagen und Wochen, in denen es viele „letzte Male“ gegeben hat, in denen sie mit ihrer Familie das Pfarrhaus verließ, um in einem von Hintes Dörfern ein neues zu beziehen, wieder verstärkt empfindet: „Ich spüre, was ich zurücklasse“, erklärt Steffi Sander ihr Verlustgefühl. „Aber ich weiß, dass es Zeit ist zu gehen.“ Ein bisschen nach dem Sprichwort: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

„Nicht alle Besuche geschafft“

„Es war nichts vergeblich“, antwortet sie auch die Frage, ob ihr denn etwas nicht gelungen ist, um nach einigem Nachdenken schmunzelnd nachzuschieben: „Ich hätte mir schon gewünscht, den einen oder anderen Konfirmanden nach der Konfirmation auch wieder in der Kirche zu sehen.“ Aber doch, eines bedauert sie: „Ich habe nicht alle Besuche geschafft, die ich machen wollte.“ Für manche Zuwendung sei denn doch keine Zeit gewesen.

Gottesdienst zum Abschied

Den Abschiedsgottesdienst am Sonntag, 28. August hält die scheidende Pastorin selbst. Trotz der ungewöhnlichen Uhrzeit ab 16 Uhr in Hintes Kirche soll es ein normaler Gottesdienst sein – heißt: Er ist auch öffentlich. Steffi Sander zur Seite steht dabei auch Präses Frank Wessels, der sie verabschieden wird. Aber auch Vertreter aller drei Kirchengemeinden ihres Bereichs werden mit Lesungen oder Gebeten auftreten. Für den musikalischen Rahmen sorgen Jan Klaaßen und der Posaunenchor Westerhusen.

800 Gottesdienste gehalten

Mit Zahlen habe sie es nicht so, sagt Steffi Sander, lässt sich aber doch auf etwas Zahlenspielerei ein. Elf Jahre mal zwölf Monate, mal vier Sonntage, abzüglich freier Tage, aber oft auch zwei hintereinander: Gut 800 Gottesdienste hat sie in ihren Gemeinden gehalten. „Das ist ja krass!“ Vier Kisten voller ausgedruckter Predigten zeugen bis heute von dieser Arbeit. Gut 250 Menschen hat sie beerdigt, 60 Trauungen absolviert und 300 Jugendliche konfirmiert. „Unendlich viele Taufen“ habe sie gestaltet. In den letzten drei Monaten waren es noch einmal 18. Das waren viele Corona-Kinder, aber auch solche, deren Eltern unbedingt sie noch als Pastorin wünschten.

Natürlich freue sie sich auch auf die neue Aufgabe, die sie danach am 1. September in Leer übernimmt: als Assistentin der Kirchenpräsidentin Dr. Susanne bei der Wieden. Die Rolle kennt Steffi Sander bereits, war sie vor ihrem Engagement in Hinte doch bereits Assistentin von Kirchenpräsident Jann Schmidt gewesen. Da stecke auch viel Vielfalt und Verantwortung drin. Und der neue Job hat noch einen anderen Vorteil, meint die Mutter eines Jungen: Die Wochenenden gehören wieder ihr und ihrer Familie.

Axel Pries
Axel Pries Ostfriesland-Redaktion/Leer
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