Nach dem Filmfest ist vor dem Filmfest – und das diesmal eher als sonst. Nach mehrfacher Verschiebung der 31. Auflage, die am Ende im Oktober 2021 stattfand, soll das 32. Festival 2022 wieder zur Stammsaison im Juni (8. bis 15.) gefeiert werden. Wie das trotz Corona, erneutem Ausfall des Neuen Theaters und manch nötiger Neuorientierung gelingen soll, darüber haben wir mit Geschäftsführerin Nora Dreyer gesprochen.

Inwieweit sind die Planungen für das 32. Filmfest schon angelaufen?

Nora DreyerDie sind bereits in vollem Gange. Somit ist es ein ungewöhnliches Jahr für uns, weil zwischen dem letzten und dem anstehenden Filmfest diesmal nur acht anstatt zwölf Monate liegen. Die kürzere Vorbereitungszeit ist aber nicht unbedingt ein Nachteil.

Wir stecken noch mitten im Flow des vergangenen, sehr erfolgreichen Festivals und sind voller Motivation, die nächste Ausgabe in einem Rutsch vorzubereiten.

Welche Aufgaben stehen jetzt gerade an?

DreyerSehr viele. Neben der Abwicklung des vergangenen Filmfests und dem Jahresabschluss 2021 konzentrieren wir uns derzeit auf alle Maßnahmen, um ein herausragendes Programm für das anstehende Festival zusammenzustellen.

Dazu gehört die Ausschreibung für Filmeinreichungen, die Kontaktpflege zu kooperierenden Weltvertrieben, Filmverleihern und Filminstituten – und ganz aktuell die Teilnahme am European Film Market, der Filmmesse der Berlinale. Wegen Corona findet sie wieder online statt. Mitte Februar wird sich unser Sichtungs-Team dann für anderthalb Wochen nach Hause zurückziehen und Filme schauen, Filme schauen, Filme schauen.

Zum Filmfest

Gegründet wurde das Internationale Filmfest Emden-Norderney 1990. Seit 1. Juli 2019 ist Nora Dreyer (32, gebürtig aus Zittau) Geschäftsführerin. Nach Emden kam sie 2011, wo sie bis 2014 schon das CineStar-Kino leitete. Festivalleiter ist weiterhin Mitbegründer Rolf Eckard.

Gezeigt werden Lang- und Kurzfilme aus dem nordwesteuropäischen Raum. In den Wettbewerben werden Preisgelder in Höhe von 55 500 Euro vergeben.

Für die Jugendjury beim Engelke-Kurzfilmpreis der Sparkasse werden noch filmbegeisterte Schüler, Auszubildende und junge Erwachsene aus Emden gesucht. Sie wählen die von jungen Filmemachern eingereichten Kurzfilme für den Wettbewerb aus und nominieren sie so für die Publikumswahl. Wer sich beteiligen möchte, kann sich mit einer formlosen Bewerbung bis zum 15. Februar bei Florian Vollmers melden: shorts@filmfest-emden.de

Und wie steht es mit dem Rahmenprogramm?

DreyerAuch mit den Konzeptarbeiten für die Rahmenveranstaltungen haben wir bereits begonnen. Wir rechnen damit, dass das 32. Internationale Filmfest Emden-Norderney als 2G-Veranstaltung stattfinden wird und treffen dafür alle notwendigen Vorbereitungen. Permanent laufen auch die Gespräche mit den Sponsoren und Partnern des Festivals.

Gilt das auch für das Kreativ-Team? Wird es nach den Verwerfungen über die Durchführbarkeit eines Gala-Programms in Pandemiezeiten Rückkehrer aus der „alten Garde“ geben?

DreyerBislang sieht es nicht so aus, aber wir sind jederzeit offen für Gespräche. Wir haben im vergangenen Jahr sehr erfolgreich mit einem neuen Kreativ-Team um Trixi Steiner (freiberufliche Kulturmanagerin und Ablaufregisseurin aus Passau, Anm. der Redaktion) zusammengearbeitet und werden das auch in diesem Jahr tun.

Der Mitternachtstalk mit Kuschel-Stehen nah dran an den Filmgästen fiel 2021 flach. Hat der Kult ausgedient?

DreyerDie Planungen und Konzeptarbeiten für das beliebte Format sind angelaufen, aber auch der Talk&Brunch soll als erfolgreiche Veranstaltung aus dem Vorjahr Bestandteil bleiben.

Wie wollen Sie die Raumprobleme lösen?

DreyerDafür haben wir bereits alles in trockenen Tüchern: Das CineStar ist mit fünf der sechs verfügbaren Säle gebucht. Und da das neue Festspielhaus am Wall, das ehemalige Neue Theater, erst im Herbst fertig renoviert sein wird, haben wir ein weiteres Mal die Johannes a Lasco Bibliothek reserviert, wo wir im vergangenen Jahr eine grandiose Preisverleihung veranstaltet haben. Für die haben wir übrigens von unseren zahlreichen Festivalgästen aus dem In- und Ausland ein dickes Lob bekommen.

Wie sehr hat Corona bei den Besucherzahlen 2021 ins Kontor geschlagen?

DreyerInsgesamt besuchten rund 10 150 Zuschauer das Filmfest in Emden und Norderney. Das entspricht einem Einnahmeverlust von circa 50 Prozent, der aber wiederum durch Förder- und Sponsorengelder, durch eigene Einsparungen und coronabedingte Hilfen aufgefangen werden konnte.

Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?

DreyerUnsere Zahlen entsprechen einem bundesweiten Trend: Alle Filmfestivals, die voriges Jahr in Deutschland stattgefunden haben, hatten im Großen und Ganzen einen Rückgang um rund die Hälfte an Zuschauern und Ticketeinnahmen.

Das lag an den Platzbeschränkungen, aber auch an der Vorsicht vieler Festivalbesucher angesichts der Pandemie. Es ist schwierig, in die Zukunft zu schauen, aber ich kann mir vorstellen, dass es bei steigenden Temperaturen bis zum Juni für Kultur-Events einfacher werden wird und die Menschen auch wieder mehr Lust haben, Kino zu erleben.

Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung