Emden - Während des Urlaubes an der Nordsee beschließt eine Familie aus Prüm in der Eifel, endlich mal die letzte Ruhestätte der einzigen norddeutschen Verwandten zu besuchen. Aber wie findet man an einem Sonntag auf dem Emder Friedhof Tholenswehr ein Grab? Zur Zeit wahrscheinlich gar nicht. Doch Abhilfe ist in Sicht: Die Stadt Emden beurteilt einen digitalen Friedhofs-Navigator, wie er zum Beispiel im bayerischen Markt Eckental eingesetzt wird, positiv. In Gang gebracht hatte das Thema Ratsherr Erich Bolonius (FDP). Er hatte über den Navigator in der Zeitschrift „Kommunal.“ gelesen.
Was kann der digitale Friedhofs-Navigator ?
Auf den Friedhöfen der 15.000-Einwohner-Großgemeinde Markt Eckental sowie im Internet ist der QR-Code zu finden, mit dessen Hilfe sowohl vom Handy aus als auch an PC, Laptop und Tablet der Navigator geöffnet werden kann. In ein Feld des Navigators wird der Name des Verstorbenen eingetragen, das Programm findet sein Grab innerhalb kürzester Zeit. Darf der Navigator die Standortdaten des Handys nutzen, lotst er den Friedhofsbesucher zur Begräbnisstätte.
Das Ergebnis der Suche: Details werden aufgelistet, eine Markierung zeigt das Grab C/04/03 an. Der Plan des Eckentaler Friedhofs-Navigators erlaubt eine schnelle Orientierung.
Rund 1650 Grabstellen sind in der Gemeinde zur Zeit belegt. Zum Vergleich: Alleine der Friedhof Tholenswehr verfügt auf seinem 125.000 Quadratmeter großen Gelände über rund 10.000 Grabstellen. Eckentals Bürgermeisterin Ilse Dölle fasst die Vorteile des Navigators so zusammen: „Ob bequem von Zuhause aus über unsere Homepage oder eben mal als schnelle Hilfe via Smartphone vor Ort im Friedhof, jetzt kann jedem Rat-Suchenden sofort geholfen werden.“
Was sagt die Emder Verwaltung ?
Die Stadt Emden steht dem Navigator offenbar positiv gegenüber. Stadt-Pressesprecher in seiner Antwort auf Fragen dieser Zeitung: „Die vor einigen Tagen ins Gespräch gebrachte Friedhofs-Navi-App wird von der (Friedhofs-)Verwaltung sehr positiv gesehen. Das wäre ein guter Service für alle BürgerInnen und BestatterInnen, um die Gräber ihrer Verwandten und Bekannten zu finden und ohne Zeitverzug und weite Wege besuchen zu können.“ Außerdem sei es möglich, Informationen über Ehrenbürger und Ehrenbürgerinnen sowie Prominente zu hinterlegen, die auf einem der sieben Emder Friedhöfe beigesetzt wurden. Ein solches Angebot gibt es beispielsweise für den Friedhof Ohlsdorf im gleichnamigen Stadtteil Ohlsdorf, mit rund 200.000 Grabstellen größter Parkfriedhof der Welt. „Normale“ Verstorbene werden von der App „Friedhof Ohlsdorf“ nicht berücksichtigt.
Wie aufwändig ist es, die Daten bereitzustellen ?
Die Großgemeinde Markt Eckental – zumindest in Bayern Vorreiterin, was den Navigator angeht – hat eine Menge Arbeit gehabt, um den Navigator mit Daten zu füttern. Das hängt allerdings auch damit zusammen, dass die Daten der Grabstellen noch nicht digitalisiert waren. Da ist Emden deutlich weiter, nur noch 20 Prozent der Friedhofspläne müssen noch digitalisiert werden. Dafür gibt es hier ein anderes Problem: Die genutzte Software stammt aus dem Jahr 2007. Ob die Arbeiten nach einem Update des vorhandenen Programms oder mit einer neuen Software weitergeführt werden, ist noch nicht entschieden. Stadtpressesprecher Dinkela: „Insofern besteht zunächst die Herausforderung, die bestehenden Daten möglichst in eine neuere Software zu überführen, um dann im nächsten Schritt eine Friedhofs-Navi-App anzubieten.“
Gibt es Probleme mit Datenschutz und Kosten ?
Nach Meinung der Großgemeinde Eckental unterliegen die Daten von Verstorbenen, die sie veröffentlicht, nicht dem Datenschutz. Selbstverständlich anonymisiere man aber Gräber, wenn dieses von den Angehörigen gewünscht wird. Für die Datenübertragung hat man einmalig rund 8000 Euro ausgegeben, die laufenden Kosten liegen bei rund 900 Euro im Jahr.
