Emden - Das Schicksal einer Emder Rentnerin, die trotz knapper Finanzen für eine überflüssige Türöffnung zahlen muss, hat viele Emder bewegt. Ihr Schwiegersohn hatte den Fall öffentlich gemacht. In einem Gespräch mit dieser Redaktion berichtete er am Sonntag von vielen zustimmenden Reaktionen, die seine Familie im Anschluss an die Berichterstattung erfahren hat: „Auf der Seite der Stadt Emden war niemand.“ Auch die Emder Politik hat Eric Hempel aus Bingum offenbar erreicht: Ein Mitglied der SPD-Ratsfraktion kündigte ihm gegenüber an, die Fraktion werde sich mit der Angelegenheit beschäftigen.
Warum muss sich etwas ändern ?
Ein Nachdenken über die Regeln ist tatsächlich angebracht: Streng genommen hat zwar niemand etwas falsch gemacht. Auch Eric Hempel stellt das klar: „Keinem der eigentlichen Aktiven will ich einen Vorwurf machen.“ Allerdings vertraten viele Emder in den vergangenen Tagen in Leserbriefen, auf Facebook und in Gesprächen mit Eric Hempel die Meinung, dass die Stadt in Fällen wie diesem auf eine Rechnungstellung verzichten sollte. Niemand sei davor geschützt, in der Kette der Folgen eines Fehlalarms das schwächste Glied zu sein. Deshalb müsse für finanzschwache Menschen eine Regelung her.
„Ich kann vollkommen verstehen, dass der Mann aufgebracht ist“, schrieb beispielsweise Torsten. Ein Verzicht auf die Rechnung würde seiner Meinung nach dazu beitragen, dass sich Mitbürger auch in Zukunft in solchen Fällen bei der Polizei melden. So aber, meint er, „… sinkt auch die Hilfsbereitschaft, weil man Angst hat, die Menschen in eine finanziell schwierige Situation zu bringen.“
Was ist richtig gelaufen ?
Die Aktiven, von denen Eric Hempel spricht, haben Anfang November 2022 einiges in Gang gebracht:
Eine Anwohnerin der Graf-Enno-Straße stellt fest, dass es in der Wohnung schräg gegenüber tagelang dunkel bleibt. Sie vermutet, dass der betagten Bewohnerin – die sie nicht näher kennt – etwas passiert ist, und meldet sich bei der Polizei. Das ist in Ordnung.
Die Polizei sieht sich vor Ort um und kann ebenfalls nicht ausschließen, dass sich die Frau hilflos in der Wohnung befindet. Anfragen in einigen Krankenhäusern bringen nichts. In Leer ruft man nicht an; dort wird die Frau gerade behandelt. Es gibt aber keine Vorgaben, wo angerufen werden muss. Und die Zeit drängt in solchen Fällen.
Die Feuerwehr wird hinzugezogen und leistet Amtshilfe. Die besteht in der Öffnung von zwei Türen. In der Wohnung stoßen Polizeibeamte auf die Kontaktdaten der Familie Hempel in Bingum. Minuten später ist alles geklärt. Die Ausstattung der Türen mit neuen Schlössern ist im Zusammenhang mit der vorgeschriebenen Eigentumssicherung zu sehen.
Die Familie Hempel hatte keine Chance, die Ereignisse abzuwenden. Die einzigen Nachbarn der Schwiegermutter im selben Haus, die man normalerweise über die Abwesenheit informiert hätte, befanden sich auf einer Urlaubsreise. Hinweiszettel an Tür oder Briefkasten verbieten sich, weil sie Einbrecher aufmerksam machen würden.
Was hat den Ärger ausgelöst ?
Das alles ist für Eric Hempel in Ordnung. Mit dem Verhalten der Emder Stadtverwaltung ist er dagegen nicht einverstanden. Der Erlass eines Gebührenbescheides über 280 Euro ist für ihn an der „Grenze zum Unmoralischen“. Seine Schwiegermutter bezieht Grundsicherung, nach Abzug von Miete und Energiekosten bleiben ihr im Monat rund 360 Euro für alle anderen Ausgaben. Darüber hatte Hempel die Stadtverwaltung auch informiert. Und auch wenn man sich schließlich auf eine Zahlung der Summe in kleinen Raten geeinigt hat, bleibt der Ärger. „Mir geht es ja gar nicht nur um das Geld“, sagt der Bingumer, der mittlerweile mehrere Hilfeangebote erhielt und ablehnte: „Hier gerät jemand durch eine Rechnung für etwas, das er nicht verschuldet hat, in finanzielle Not. Das darf doch nicht passieren!“
