Osnabrück - Das war doch ein Erlebnis für die Emderin Amelie Doden: Die 22-Jährige hat bei den Deutschen Großbootmeisterschaften im Doppelvierer mit ihrer Mannschaft vom Osnabrücker Ruderverein (ORV) den Vizetitel über die 1000 Meter-Distanz errudert. Ziel war es für die vier Frauen, dass sie ins Finale kommen wollten. Dass sie jetzt mehr erreicht haben, war dann eher ein Traum.
„Natürlich gehst du nicht an den Start, um dabeizusein, sondern willst auch eine Medaille holen“, sagte Doden. Denn der Ehrgeiz war bei ihr und ihren drei Mitstreiterinnen hoch. Doch in den Konkurrenzbooten saßen eben auch viele ehemalige Teilnehmerinnen von Weltmeisterschaften. „Die sahen auch so aus, so breit und groß waren die“, sagte Doden. Doch im Vorlauf ließen die Osnabrückerinnen mit einer Zeit von 4:03,07 Minuten nichts anbrennen, auf der Fünf-Bahnen-Strecke mussten zwei Boote von den sieben ausscheiden.
„Wir waren im Training gut aufeinander abgestimmt und hatten uns eingefahren“, so Doden. Vom Finale träumen ist das Eine, seit Jahren war kein Boot des ORV da hingekommen. Etwas ganz anderes ist es dann aber, im Finale zu stehen. Doch das Training sollte sich für die vier Ruderinnen des ORV auszahlen. „Wir sind sehr gut vom Start weggekommen und haben das Rennen bis zur Hälfte ungefähr bestimmt.“ Nun hieß es, „beißen“ und darauf hoffen, „dass sich ein anderes Boot vielleicht noch einen Krebs fängt.“ Krebse? Fangen? Auf dem Aasee? „So nennen wir das, wenn ein Boot einen Fehler macht.“
Doch der Ruderverein Münster kam immer mehr auf. Im Ziel fehlten den Osnabrückerinnen um Amelie Doden dann die Winzigkeit von 59 Hundertstel zum Titel - auf 1000 Metern Strecke weniger als ein Wimpernschlag. Trotzdem sorgte der Gewinn der Silbermedaille bei der ORV-Bootsbesatzung für riesengroße Euphorie.
Hat Amelie Doden denn noch Ambitionen bei den Wettkämpfen? „Wie schon gesagt, ist der Ehrgeiz nicht verloren gegangen und die vielen Kilometer auf dem Ergometer im Winter zeigen das ja auch.“ Dennoch möchte sie auch Spaß haben, wenn sie sich schon so quält. Und der kommt nicht zu kurz.
Beim ORV ist die Emderin seit dem 1. September vergangenen Jahres. „Eine Zweierpartnerin von mir kommt aus Bramsche und rudert für den Osnabrücker Verein.“ So war es für Amelie Doden nur eine Frage der Zeit, wann sie dort auch landet. Gelernt hat sie das Rudern beim Emder Ruderverein, bevor sie zum Ruderverein Leer wechselte und auch für das Team Nordwest an den Start ging.
Und noch etwas hat sie in Osnabrück gemacht: Sie holte ihr Abitur nach. Nach der Fachhochschulreife am Max-Windmüller-Gymnasium machte sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau auf Norderney und arbeitete dort auch noch kurz. Nach den stolzen Worten ihres Vaters Johann Doden, ist der Notendurchschnitt seiner Tochter überragend - 1,6 ist am Ende rausgekommen. „Na ja, ich bin auch älter geworden und bin die Sache anders angegangen“, sagte Amelie Doden bescheiden. Nun will sie studieren, Betriebswirtschaftslehre, kurz BWL, ist ihr bevorzugter Studiengang - und sie wird weiterhin rudern. Solange es Spaß macht. Vor allem aber, solange der Ehrgeiz noch hoch ist. Und der ist nach wie vor ungebrochen.
