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Nach Ruderwechsel auf Emder Museumsschiff „Georg Breusing“ Vom Schutzanstrich zur Lebensaufgabe

Der langjährige Vorsitzender des Förderkreises Seenotrettungskreuzer „Georg Breusing“, Wedig von dem Knesebeck, vor dem Museumsschiff im Emder Ratsdelft. Ende 2022 übergab er das Ruder an die nächste Generation.

Der langjährige Vorsitzender des Förderkreises Seenotrettungskreuzer „Georg Breusing“, Wedig von dem Knesebeck, vor dem Museumsschiff im Emder Ratsdelft. Ende 2022 übergab er das Ruder an die nächste Generation.

Gaby Wolf

Emden - Über 20 Jahre lang hatte Wedig von dem Knesebeck im Förderkreis des Museumsrettungskreuzers „Georg Breusing“ das Ruder in der Hand. Und der frühere Firmengeschäftsführer mit dem Kapitänspatent hat sein Ehrenamt trotz manch stürmischer See gern gemacht. Dennoch hat er den Vorsitz zum Jahreswechsel abgegeben. „Aber mit bald 85 Jahren darf es auch genug sein“, sagte Knesebeck, der zusammen mit Förderkreis-Urgestein Herbert Molkewehrum in Emden fast zum Synonym für das Schiff geworden ist. Wer „die Breusing“ sagte, hatte das Duo Knesebeck/Molkewehrum vor Augen. Doch diese Ära (Molkewehrum schied 2020 mit 86 aus dem Vorstand) ist nun endgültig Geschichte.

Zur Person

Wedig von dem Knesebeck, 1938 in Hamburg geboren, aufgewachsen im Stadtteil Blankenese, stammt aus einer Seefahrerfamilie. Nach Abitur und Seemannsschule fuhr er vier Jahre auf der Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG) und besuchte danach die Seefahrtsschule.

Nach den Patenten als Steuermann und Kapitän auf Mittlerer Fahrt stieg er als 3. Offizier bei der HAPAG ein. 1965 erlangte er das Patent Kapitän auf Großer Fahrt. Danach arbeitete er in der Tankerfahrt.

1967 wechselte er, wegen der Familie, in den Hamburger Hafen und startete als Inspektor bei Mühlhan, Europas größtem Korrosionsschutzunternehmen im Bereich Schiffe.

1968 kam er als Bauleiter nach Emden, wo die zwei größten Tanker zur Beschichtung anstanden, die je bei den damaligen Rheinstahl-Nordseewerken gebaut wurden. Seine Frau und die beiden Söhne siedelten mit um.

1970 gründete er die Filiale Heinrich Mühlhan GmbH Emden, war bis zur Rente 2001 Geschäftsführer und Mitinhaber, danach Vorsitzender des Förderkreises „Georg Breusing“ (bis Ende 2022).

Seine Freizeit verbringt er gern mit der Familie. Er hat vier Enkel und einen Urenkel. 25 Jahre lang war er Vorsitzender des Familienverbandes derer von dem Knesebeck, einem Adelsgeschlecht aus der Altmark. Weitere Hobbys: Sport, klassische Musik, Borkum-Fahrten, Briefmarken.

„Es war Zeit für einen Generationswechsel“, konstatierte der ehemalige Vorsitzende im Gespräch mit unserer Zeitung. Und in dem Wissen um Thomas Fröhling als Nachfolger sei ihm die Entscheidung nicht schwergefallen. „Er kennt das Schiff sehr gut und hat als ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger einen Draht nach Bremen.“ Auch mit den ehrenamtlich Tätigen könne Fröhling gut umgehen. Und diesen frischen Schwung brauche es auch bei der Gewinnung neuer aktiver Mitglieder.

Vorgeschichte mit Phillips

Knesebeck selbst kam 2001 über den damaligen Vorsitzenden Helmut Müller an Bord – nach einem etwa vierjährigen Anlauf und einer noch längeren Vorgeschichte. Die nämlich begann schon Anfang der 1970er Jahre, als noch gar keine „Breusing“ im Ratsdelft lag, weil sie noch Dienst auf Borkum schob. Damals aber fanden sich die von Knesebeck gegründete Emder Filiale des Korrosionsschutzunternehmens Mühlhan und Müllers Beschichtungsfirma zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, um einen großen Auftrag für Phillips Petroleum am Rysumer Nacken zu erfüllen. Das führte dazu, dass Müller ihn Ende der 1990er Jahre um Hilfe bei der Instandhaltung der „Breusing“ bat, die nach ihrer Ausmusterung 1988 als Museumsschiff nach Emden gekommen war. „Unsere Firma hat das Strahlen, Entrosten und Beschichten im Dock übernommen und die ‘Breusing’ für den Förderkreis wieder auf Vordermann gebracht.“ Dass das für ihn praktisch eine Lebensaufgabe werden würde, konnte er damals nicht ahnen. Aber als sich 2001 sein Ruhestand näherte, legten ihm Müller und Molkewehrum die „Breusing“ noch einmal ans Herz – samt Vorsitz.

Knesebeck nahm an, „weil ich damit eine Aufgabe hatte, die mit Schiffen verbunden war, und etwas Gutes für den Förderkreis und für die DGzRS tun konnte“. Schon in seiner Zeit auf See sei da immer diese Verbundenheit gewesen. „Wir wussten, da sind welche, die uns retten können.“

Höhepunkt waren die Fahrten

Die „Breusing“ äußerlich in Schuss zu halten, blieb für ihn nicht das einzige Ziel. Sie sollte auch fahren. Zwar hatte die DGzRS das Schiff nur als liegendes technisches Museum hergegeben, doch inzwischen hatten die Aktiven im Förderkreis die Maschinen wieder zum Laufen gebracht. Eine Ausfahrt sollte die Belohnung sein. Zusammen mit Molkewehrum erwirkte Knesebeck in Bremen die Genehmigung für eine Einmal-Fahrt zum Skippertreffen 2002 in Leer mit dem ehemaligen Vormann Friedrich Brückner als Skipper. Der Auftritt als DGzRS-Werbeträger wurde zum Hit, und die „Breusing“ durfte 2003 beim „Tag der Seenotretter“ auf Borkum erneut posieren, zusammen mit Nachfolgerin „Alfried Krupp“. Knesebeck: „Das war das Entree für weitere Fahrten.“ Sie waren neben dem Doppeljubiläum 2013 (50 Jahre „Georg Breusing“/25 Jahre Förderkreis) nicht nur die Höhepunkte im Vereinsleben, der Eintritt an den Zielorten polsterte zwölf Jahre lang auch die Kasse für die weitere Schiffspflege auf – bis zum Maschinenausfall mit Kaimauer-Crash 2018 beim Hafenfest Papenburg. Das bedeutete das Aus für die Fahrten.

Dies wieder zu ändern, indem die „Breusing“ nach neuer Sicherheitsrichtlinie für eine Zulassung als Traditionsschiff fitgemacht wird – das hat Knesebeck noch angeschoben, die Fortsetzung liegt nun in anderen Händen. „Aber ich stehe als Berater zur Verfügung“, bekräftigte er. Von der „Breusing“ kann er eben doch nicht ganz lassen.

Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung
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