Emden - Unser Bericht über das legendäre Fußballspiel 1970 von Blau-Weiss Borssum gegen den HSV hat bei vielen Leserinnen und Lesern Erinnerungen ausgelöst. Deshalb veröffentlichen wir noch einmal einige Fotos, die damals ein Fotograf der Rhein-Ems-Zeitung (so hieß die EZ seinerzeit) von der Partie machte. Manfred Gleditzsch (81), der damals Uwe Seeler nicht ins Spiel kommen ließ, besorgte sich vor 52 Jahren die Abzüge. Nie zuvor wurden sie gezeigt.
Die Rhein-Ems-Zeitung schrieb am Montag nach dem Super-Sonntag, der HSV habe die „hochgeschraubten Erwartungen“ nicht ganz erfüllen können. Die Hamburger hätten sich den 3:0-Erfolg hart erkämpfen müssen. Enttäuschend sei Hamburgs Linksaußen Charly Dörfel gewesen, „ihm gelang einfach nichts und selbst aus kurzer Entfernung konnte Charly das Tor nicht finden“, heißt es im Spielbericht. Eine treffende Beschreibung des Reporters, wie Manfred Gleditzsch berichten kann. Seiner Erinnerung nach wurde Charly Dörfel, das damalige Enfant terrible des Vereins, wegen seiner schwachen Leistung zur Halbzeitpause ausgewechselt. Daraufhin sei der Bundesliga-Star stinksauer vom Platz gestiefelt und im Vereinsheim verschwunden.
In der Zange: Uwe Seeler kommt nicht richtig ins Spiel.
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Der ging vorbei: Uwe Seeler köpft, Charly Dörfel (Nummer 11) guckt zu.
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Autogramm-Jagd: Uwe Seeler umringt nach dem Abpfiff.
PrivatIn der oberen Etage war bereits die Tafel für die „dritte Halbzeit“ eingedeckt. Für jeden Spieler gab es Aal, der natürlich auch in Hochprozentigem schwimmen sollte. Während seine Mannschaftskameraden draußen auf dem Platz alle Mühe mit den bissigen Borssumern hatten, lieferte sich Dörfel ein Duell mit den Frauen der Borssumer Spieler. Was war geschehen? Dörfel, wegen seiner Auswechslung noch ordentlich in Brast, hatte sämtliche Flaschen geöffnet und sich persönlich von der Qualität des Alkohols überzeugt. Das wiederum löste einen Großeinsatz der Borssumerinnen aus, die Charly Dörfel kurzerhand aus dem Saal schmissen. Überschatten konnte Dörfels vorwitzige Kostprobe den Tag aber nicht. Die fast vollständige Aufmerksamkeit galt nach dem Spiel sowieso Nationalspieler Uwe Seeler. Erst gab er Autogramme, dann gab es Aal.
