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Serie Emder Erzählen Plötzlich gab es einen lauten Knall, der alles übertönte

Vor dem Unglück: der noch unversehrte Frachter MS „Carola Schulte“.

Vor dem Unglück: der noch unversehrte Frachter MS „Carola Schulte“.

Privat

Emden - Vor kurzem habe ich mich wieder an eine Havarie der MS „Carola Schulte“ erinnert, nachdem das Schiff der Emder Reederei „Schulte & Bruns“ (S & B) im Frühjahr 1958 an der Hafenmole in Las Palmas, der Hauptstadt der spanischen Insel Gran Canaria, kollidiert ist. Ein Großteil vom Bug war förmlich weggerissen. Es gab aber keinen Wassereinbruch, so dass das Schiff einige Tage später zurück nach Emden geschleppt werden konnte. Ein Seefahrerkollege, Dietrich Horn, fuhr zu jener Zeit für die Reederei S & B auf der „Carola Schulte“ und erzählte von dem Unglück, das er hautnah miterlebt hatte. Sein Sohn, der in Kiel wohnte, hat uns einige Fotos und Dokumente aus dem Nachlass seines Vaters für unser Emder Museum zur Verfügung gestellt, nachdem Dietrich Horn im August 2008 gestorben war und seine letzte Ruhestätte in der Nordsee gefunden hatte.

Noch manövrierfähig, aber stark reparaturbedürftig: die „Carola Schulte“ nach dem Zusammenstoß mit der Mole im Hafen von Las Palmas. Bild Privat

Noch manövrierfähig, aber stark reparaturbedürftig: die „Carola Schulte“ nach dem Zusammenstoß mit der Mole im Hafen von Las Palmas. Bild Privat

Dietrich Horn war Ingenieur für Schiffsbetriebstechnik. Er war 18 Monate auf der „Carola Schulte“ angeheuert. Das Unglück im Hafen von Las Palmas, das er als junger Ingenieurassistent erlebte, hielt er für das Schlimmste, was ihm während seiner gesamten Seefahrerzeit passiert ist. Nach dem Unglück kam der Kapitän des verunglückten Frachters auf der Insel vorübergehend in Untersuchungshaft, weil man einen Sabotageakt vermutete.

Die Männer wurden durch die Luft gewirbelt

Jahre nach dem Unglück, das sich in den frühen Morgenstunden des 21. März 1958 ereignete, erzählte Dietrich Horn, wie es zu dem Unglück kam: Bei einer Zwischenstation in Las Palmas nach der Rückfahrt von Rio de Janeiro auf dem Weg nach Deutschland hatte er in der Nacht Wache im Maschinenraum. An Bord befanden sich 35 Besatzungsmitglieder und fünf Passagiere. Es war laut, dreckig und heiß, als die Männer im Maschinenraum arbeiteten. Sie mussten schreien, um sich überhaupt verständigen zu können. Plötzlich gab es einen lauten Knall, der alles übertönte. Die Männer wurden durch die Luft gewirbelt. Das Schiff hatte beim Manövrieren in den Hafen die Einfahrt um etwa 200 Meter verfehlt und die Mole gerammt. Abrupt aus dem Schlaf gerissen, liefen die Menschen in Panik an Deck durcheinander. Dietrich Horn und die anderen Männer im Maschinenraum wussten nicht, was sich ereignet hatte.

Vorderer Teil des Frachters war zusammengeschoben

Der Erzähler: Iris Hellmich. Bild: Iris Hellmich

Der Erzähler: Iris Hellmich. Bild: Iris Hellmich

Doch dann bekamen sie das Kommando: „Volle Fahrt zurück“. Mit einem Ruck löste sich das Schiff aus der Hafenmauer. Nach Sonnenaufgang konnte man sehen, was mit dem Schiff passiert war. Unterhalb des Hauptdecks war der Frachter in einer Länge von etwa sechs Metern zusammengeschoben. Oben war nichts beschädigt. In der Rhein-Ems-Zeitung war später zu lesen, dass an der Mole Wasser- und Dieselölleitungen bei dem Zusammenstoß beschädigt worden waren. Bis zu 2000 Tonnen Dieselöl flossen ins Meer und verursachten eine hochexplosive Gaswolke. Es gab Rauchverbot für das ganze Hafengebiet. Was die genaue Ursache für das Unglück war, konnte nicht ermittelt werden. Es gab mehrere Spekulationen. Zum Glück kam kein Mensch zu Schaden. Der Frachter „Carola Schulte“ konnte mit einem Ersatzkapitän vorsichtig zurück nach Emden gebracht werden, wo bei den Rheinstahl Nordseewerken die Reparaturen begannen.

Ernst Richter wurde 1939 im Erzgebirge geboren. Er fuhr für verschiedene Reedereien, unter anderem als Schiffskoch auf großer Fahrt und im Fährverkehr der AG Ems. Ernst Richter ist Mitgründer des Emder Museums „Freunde der Seefahrt e. V.“

  Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist über Tel: 8900401 oder E-Mail: emdererzaehlen@emderzeitung.de zu erreichen.

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