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Serie Emder erzählen „Symbol einer strahlenden Zukunft“

Als Frachtschiff mit Nuklearantrieb konzipiert: die „Otto Hahn“.

Als Frachtschiff mit Nuklearantrieb konzipiert: die „Otto Hahn“.

privat

Emden - In Anbetracht der gegenwärtigen Diskussionen hinsichtlich der Energieprobleme, die uns möglicherweise der Krieg in der Ukraine beschert, hatten wir in der vergangenen Woche in unserer Emder Einrichtung „Maritimes Museum – Freunde der Seefahrt“ anregende Gespräche während einer Filmvorführung. Für etwa 25 Personen – die meisten Seeleute – zeigte ich einen Film, den der NDR in den 1960er Jahren ausgestrahlt hat. Im Mittelpunkt des Films steht das Atomschiff „Otto Hahn“, ein Experiment, das am Ende 400 Millionen Mark kostete und nichts brachte. Die Idee war, Nuklearenergie friedlich zu nutzen, nachdem die Welt gesehen hat, wie radioaktive Strahlung in Hiroshima und Nagasaki Tod und Zerstörung auslöst hatte. Doch die Idee mit dem Nuklearschiff – Kapitän war Ralf Mattheisel – erwies sich als Misserfolg. Am Ende wurde der Reaktor arglos im Hamburger Hafen auf eine Schute verladen, von einem Schlepper durch den Hafen gezogen und mit einem Lastwagen nach Geesthacht zur Endlagerung gebracht.

Die „Otto Hahn“ wurde 1968 in Dienst gestellt

Benannt wurde das auf den Kieler Howaldtswerken gebaute Schiff nach dem 1879 in Frankfurt am Main geborenen Chemiker Otto Hahn, der mehrere radioaktive Isotope entdeckte und 1944 für die Entdeckung der Kernspaltung von Uran den Nobelpreis für Chemie erhielt. Die 1968 in Dienst gestellte „Otto Hahn“ wurde als Erzfrachter konstruiert. Die Baukosten beliefen sich auf 56 Millionen Mark. Euratom beteiligte sich mit 16 Millionen Mark. Der Reaktor des Nuklearschiffs war ein Druckwasserreaktor als Energiequelle. Die Leitung der Entwicklung und des Baus des ersten deutschen nuklear angetriebenen Schiffs, das man als „Symbol einer strahlenden Zukunft“ betrachtete, war dem deutschen Kernphysiker Erich Bagge anvertraut worden.

<p>                Erinnert sich an die „Otto Hahn“: Johann Alberts. Bild: privat             </p>

Erinnert sich an die „Otto Hahn“: Johann Alberts. Bild: privat

Reaktorschiff durfte ausländische Häfen nur begrenzt anlaufen

Da die „Otto Hahn“ als Reaktorschiff ausländische Häfen nur begrenzt anlaufen durfte, weil viele Häfen in Europa, Asien und Afrika kein solches Schiff aus Sicherheitsgründen duldeten, wurde das Experiment abgebrochen. Immerhin hatte das Schiff bis zur Stilllegung 33 Häfen in 22 Staaten angelaufen. Eine Passage durch den Suez- oder den Panamakanal wurde verwehrt.

„Otto Hahn“ wurde zum Containerschiff

Im Sommer 2010 erfolgte der Transport von 52 Kernbrennstäben in das südfranzösische Kernforschungszentrum Cadararche. Im Sommer 1982 wurde die „Otto Hahn“ an die Hamburger Projex-Reederei verkauft, für vier Millionen Mark bei der Rickmers-Werft in Bremerhaven zu einem Containerschiff mit Dieselantrieb umgebaut und schließlich 2009 zum Abbruch nach Bangladesch für 2,45 Millionen Mark verkauft.

Durch den Reaktorunfall in Fukushima 2011 sah sich die Regierung in Deutschland veranlasst, aus der Atomkraft auszusteigen. Ob es dabei konsequent bleibt, wird sich zeigen. Das größte Problem bleibt weiterhin die Endlagerung des Atommülls. Etwa ein Prozent der abgebrannten Brennstäbe bestehen aus hochradioaktiven Isotopen. Sie strahlen sehr lange und haben Halbwertszeiten bis zu hunderttausenden von Jahren.

Nach der „Otto Hahn“ hat es kein weiteres deutsches Schiff mit Kernenergieantrieb gegeben.

Zur Person: Johann Alberts ist vom Jahrgang 1941 und Diplomingenieur für Schiffsbetriebstechnik. Er fuhr für die Reederei Schulte & Bruns, unter anderem auf Schiffen der „Potsdam-Frachter“ wie 1961 auf der D/S Heinrich Schulte.

Wir fragen wieder: Wer erinnert sich an Begebenheiten von früher? Melden Sie sich bei uns. Unsere Mitarbeiterin Iris Hellmich, die diese Serie betreut, ist unter Telefon 8900401 oder per M-Mail an emdererzaehlen@emderzeitung.de zu erreichen.

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