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Nach Diskussionen mit Bürgermeister Goldene Amtskette jetzt im Landesmuseum Emden

Wie könnte eine zeitgemäße Amtskette aussehen? Dafür können die Kinder (aber auch erwachsene Besucher) Vorschläge machen. Museumsleiterin Jasmin Alley und Oberbürgermeister Tim Kruithoff an der Aktionsstation der Ausstellung.

Wie könnte eine zeitgemäße Amtskette aussehen? Dafür können die Kinder (aber auch erwachsene Besucher) Vorschläge machen. Museumsleiterin Jasmin Alley und Oberbürgermeister Tim Kruithoff an der Aktionsstation der Ausstellung.

Gaby Wolf

Emden - Im Ostfriesischen Landesmuseum im dritten Stock ist seit Mittwoch zu sehen, was Oberbürgermeister Tim Kruithoff im Moment gar nicht gern am Halse hätte: die goldene Amtskette der Stadt Emden. Dabei ist sie eigentlich ein Schmuckstück, mit Edelsteinen besetzt und kunstvoll geschmiedet. Wenn in der Mitte nur nicht das Emaille-Abbild des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. wäre. Warum Kruithoff das (trotz mancher Empörung) seit seinem Amtsantritt 2019 davon abhält, die Kette bei besonderen Anlässen zu tragen und was überhaupt ihre Funktion ist – das hat das Museum jetzt kindgerecht aufgearbeitet und innerhalb des Ausstellungsformats „neu erzählt“ in buntem Comic-Style präsentiert.

Vor allem Ritualobjekt

„Die Amtskette ist vor allem ein Ritualobjekt“, erläuterte Museumsdirektorin Jasmin Alley zum Auftakt. Sie zeige die Verbindung zwischen der Stadt und der Regierung, und das war in der Entstehungszeit der Kette um 1902 eben die Monarchie in Gestalt des Kaisers. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, tauschten sie Abbild und Preußenkrone gegen ihre eigenen Symbole aus. Als Hans Susemihl nach dem Zweiten Weltkrieg Oberbürgermeister wurde, blieb die Mitte der Kette bewusst leer. 2002 aber gab es das Ansinnen, die Kette aufwendig zu restaurieren und in ihren Originalzustand zurückzuversetzen. So kam – trotz Demokratie – der Kaiser zurück. „Das hat der Kette praktisch die Funktion genommen“, sagte Kulturwissenschaftlerin Alley.

Kruithoff selbst – der in der Ausstellung auch per Video-Interview zu Wort kommt – formulierte es so: „Wenn eine Amtskette heute Symbol ist für die kommunale Selbstverwaltung in einer modernen Stadt, dann passt das nicht.“ Denn der Kaiser war nicht nur Antisemit und biederte sich den Nazis an, 2019 wurde auch bekannt, dass seine Nachfahren auf Rückgabe ihrer alten Besitztümer durch die Bundesrepublik pochen.

Die Amtskette an sich lehne er aber nicht ab, betonte Kruithoff. Dass solche Symbole wichtig seien, habe er gerade beim Jugend-Workcamp in St. Désir wieder erlebt. Dort trugen die französischen Würdenträger zur Ehrung des Moments Schärpe. „Unter anderen Voraussetzungen würde ich die Kette daher schon tragen“, sagte der OB.

Wie sehen es die Kinder?

Wie diese gestaltet sein sollte, dazu sollen aber jetzt vor allem die jungen Museumsbesucher ihre Meinung kundtun. Dazu gibt es Aufkleber von der Rolle, mit denen man die Kette verzieren könnte: Deutschland- oder Europaflagge, Dino oder Einhorn oder weiße zur freien Gestaltung. Malstifte hängen bereit.

Als Lotsen durch die Amtsketten-Schau (zu sehen bis 29. Januar) dienen übrigens zwei neue Figuren: Schützen-Papagei Tota und Wappen-Engelke Harpi. Sie sollen künftig auch in anderen Museumsbereichen kindgerechte Erläuterungen liefern. Gezeichnet hat sie Alleys Ehemann, der Künstler Christoph Worringer.

Gaby Wolf
Gaby Wolf Emder Zeitung
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