Emden - Vor dem Schmetterlingsbunker wird seit längerer Zeit der van der Bergs und van der Waldes gedacht. Mit sieben Stolpersteinen, zu denen am Dienstag noch zwei hinzukamen. Adolf van der Walde und Heinz van der Walde haben jetzt dort, wo sie einst aufwuchsen, auch ihren Platz gefunden. Und das sogar unter den Augen ihrer Angehörigen.
Heinz van der Walde wurde am 7. Juni 1907 in Emden geboren, er starb am 23. Dezember 2002 in Unsworth nahe Manchester, Großbritannien. Er war der dritte Sohn von Justizkanzleisekretär Wolf van der Walde und Ehefrau Rosa, geb. Mandel. 1922 begann er eine Lehre bei einem Emder Architekten, die wegen der Wirtschaftskrise schnell endete. Dann startete er eine Banklehre bei der Koppel’schen Bank im Stadtgarten, zog aber 1926 nach Berlin. Als Buchhalter arbeitete er bei verschiedenen Firmen. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gelang ihm die Emigration nach Großbritannien, diente seit 1940 in der britischen Armee bei der Luftabwehr. Am 2. September heiratete Henry van der Walde, so nannte sich Heinz seit seiner Flucht, die Krankenschwester Lilo Hamburger. Aus der Ehe gingen Sohn Raymond (1947) und Tochter Barbara (1950) hervor. Bei seinem ebenfalls emigrierten Vetter Rudolf Mandel stieg er in der Firma als Buchhalter ein. Henry starb im Alter von 95 Jahren in Unsworth.
Adolf (Addi) van der Walde wurde am 29. September 1908 in Emden geboren, er starb am 29. Dezember 1984 in Louisville, Kentucky (USA). Der jüngste Sohn wurde nach seiner Schulausbildung in Emden Textilkaufmann, arbeitete in den frühen 30er Jahren in einem Dortmunder Kaufhaus. 1938 emigrierte er in die USA, wo ein Vetter seiner Mutter eine Bürgschaft für ihn erwirkt hatte. 1945 gelang es ihm dort, sich als Lebensmittelhändler wirtschaftlich zu etablieren. Er verstarb kinderlos mit 76 Jahren an Krebs.
Die Nachverlegung der beiden Stolpersteine kam dabei nicht von ungefähr. Für die beiden hatte der Emder Arbeitskreis Stolpersteine längst die Biografien erarbeitet und beide Steine bei Edda Melles gelagert. In der Corona-Phase staute sich einiges an. Und man wusste, dass es noch Angehörige zu den beiden Brüdern van der Walde gibt, die gerne bei der feierlichen Verlegung dabei sein wollten. Barbara Price, geborene van der Walde, Tochter von Heinz, und ihr Ehemann Alan Price waren sichtlich gerührt, als die Mitarbeiter des BEE diese fehlenden Gedenksteine nun in den Gehweg der Graf-Ulrich-Straße verlegten.
Ein besonderer Akt
Für das Paar aus England war dieser Akt etwas Besonderes, zumal sie an anderer Stelle bereits Gedenksteine ihrer Familie besucht hatten. In Berlin wird nämlich auch der van der Waldes gedacht, so wie so vielen Juden, die vor ihrer Deportation aus Emden dorthin vertrieben oder ausgewiesen worden waren. Vor vier Jahren besuchte Barbara Price den Stolperstein mit dem Namen ihres Vaters dort und freut sich jetzt, dass auch am Geburtsort Emden ihres Vaters und Onkels gedacht wird. Ein weiterer Onkel, Hans van der Walde, starb bereits vor dem Krieg und liegt auf dem jüdischen Friedhof in Emden begraben.
382 Stolpersteine
Die beiden neuen Steine sind die Nummer 381 und 382, die inzwischen im Emder Stadtgebiet auf die Emder aufmerksam machen, die durch den Nationalsozialismus schlimmste Greuel durchleben mussten oder getötet wurden. Und es sind noch längst nicht alle auf diese Weise erfasst, wie Edda Melles vom Arbeitskreis sagt. Schon jetzt wird an den Biografien für die nächsten Stolpersteine gearbeitet, die im kommenden Jahr verlegt werden sollen. Rund 50 sollten es wieder werden, wovon der Initiator Gunter Demnig die Hälfte verlegen wird. Die andere wird wieder vom BEE-Team um Karl-Heinz Giesen übernommen.
Dass wieder van der Waldes dabei sein werden, gilt als wahrscheinlich. Denn diesen Namen trugen einst gleich drei Familienzweige in Emden.
