Emden - Der Wechsel von kleinen Mülltonnen auf große Gemeinschafts-Müllbehälter, den ein großer Vermieter in Barenburg durchgesetzt hat, lässt Mieter in dem Emder Stadtteil nicht ruhen. In einem Brief, der unter anderem an den Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff und die Parteien im Emder Rat gerichtet ist, erinnert jetzt der 96 Jahre alte Heinz Mammen an die Maßnahme. Sie wird nach Einschätzung vor allem der alleinlebenden Menschen bei der nächsten Jahresabrechnung zu gravierenden Ungerechtigkeiten führen.
Details der künftigen Abfuhrkostenberechnung sind nach wie vor nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass es für die Mieterinnen und Mieter des Erlanger Unternehmens ZBVV seit dem 1. Februar keine kilogrammgenaue individuelle Berechnung mehr geben kann: Die persönlichen 120-Liter-Tonnen sind abgeschafft. Stattdessen teilen sich mehrere Mieter eines Hauses große 1100-Liter-Behälter. Die Befürchtung, die nicht nur Heinz Mammen hat: Mieter wie er, die sehr wenig Abfall haben, müssen künftig für Mieter mit hohem Müllaufkommen mit bezahlen.
Schlechte Erfahrungen
Was das angeht, kann der 96-Jährige auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Dazu heißt es in seinem Brief in Richtung der Stadt Emden: „Wie man solch einer Änderung zustimmen kann, erschließt sich mir nicht, zumal in den Jahren 1995/1996 das Gleiche geschehen ist. Ergebnis: Die Betriebskostenabrechnung für das Jahr 1995 für meine Wohnung ist auf 678,96 DM angestiegen. Vorher waren es nur etwa 90 DM.“
Das Mülltonnen-Experiment wurde damals schnell beendet. Seither wurden wieder die kleinen Tonnen benutzt, die – zumindest in manchen Wohngebäuden – im Keller der Mieter standen. Heinz Mammen: „Das war eine saubere und gute Lösung. Es war auch ein kleiner Beitrag zur Verbesserung des Problemviertels Barenburg.“
Ein gutes Vierteljahrhundert später ist eine rasche Rückkehr zu „persönlichen Tonnen“ äußerst unwahrscheinlich. Das geht aus einer schon älteren Stellungnahme des Bau- und Entsorgungsbetriebes Emden (BEE) hervor: Man habe den Vermieter darauf hingewiesen, dass angesichts erheblicher Kosten für die Bereitstellung der neuen Behälter eine Rückkehr zur alten Lösung vorerst nicht in Frage kommen wird.
Neben dem Kostenproblem beklagt Heinz Mammen in seinem sachlich formulierten Brief weitere Erschwernisse, die durch die Neuregelung entstanden sind. So sind es vom Eingang Friedrich-Rückert-Straße 3 bis zu den Tonnen rund 15 Meter, die zurückgelegt werden müssen. Nicht nur im Winter ist das gerade für ältere Mieter ein schwieriges Unterfangen.
Standort nicht rechtens?
Dass die drei 1100-Liter-Behälter jetzt vor den Fenstern der Erdgeschoss-Wohnung des Hauses Nummer fünf stehen, sei zudem nicht rechtens, so Mammen. Er verweist dabei auf ein Urteil des Amtsgerichtes München (AG München, Endurteil v. 06.07.2020 – 481 C 17917/19 WEG).
Auch habe sich mittlerweile die anfangs geäußerte Vermutung bestätigt, dass die nicht gesicherten Großbehälter von Fremden für die Müllentsorgung genutzt werden: „Anfuhr auch mit Pkw wurde schon mehrfach beobachtet“, sagt Mammen.
