Emden - Naturfreunde und Vogelliebhaber polieren schon ihre Ferngläser, denn nach dem Jahreswechsel geht es wieder ans Piepmatz-Zählen. Vom 6. bis 8. Januar 2023 rufen Naturschutzbund (Nabu) und der bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) zum 13. Mal zur „Stunde der Wintervögel“ auf. Für Emder und Ostfriesen, die dabei mitmachen wollen, hat Regionalgeschäftsstellen-Leiter Jan Fuchs (Aurich) aber noch eine kleine Sonderaufgabe parat – Stichwort: „Finde den Dompfaff“. Denn bei der letzten Wintervogel-Zählung Anfang 2022 legte der knuffige Fink mit dem schwarzen Käppi, dessen männliche Vertreter außerdem noch mit einem leuchtenden XXL-Latz in Orange-Rosé angeben können, von allen gemeldeten Vogelarten im Emder Stadtgebiet den krassesten Aufstieg hin.
Höchstes Plus
Zwar hat es mit zehn Sichtungen nicht ganz für die Top 20 gereicht. Doch für einen Waldvogel kann sich das in einer nicht wirklich bewaldeten Seehafenstadt durchaus sehen lassen – vor allem, wenn man auf die Steigerungsrate blickt. Die schoss auf ein Plus von knapp 500 Prozent, denn 2021 wurde der Dompfaff (auch Gimpel genannt) in Emden nur ganze zweimal gezählt. Damit kletterte er von Platz 42 auf 22. „Anfang 2022 war ein guter Gimpel-Winter“, urteilte Fuchs gegenüber unserer Zeitung. Noch nie zuvor in der Laufzeit der Aktion sei dieser Vogel häufiger gemeldet worden.
Die Stunde der Wintervögel findet vom 6. bis 8. Januar 2023 statt. Wer mitmachen will, beobachtet innerhalb dieses Zeitraums eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park. Dafür wird ein ruhiger Beobachtungsplatz gewählt.
Notiert wird von jeder Art die höchste Anzahl Vögel, die gleichzeitig innerhalb dieser Stunde zu sehen ist. Eine Zählhilfe mit Bildern zum Ausdrucken gibt es auf www.stundederwintervoegel.de.
Gemeldet werden können die Ergebnisse per App (www.nabu.de/vogelwelt), auf www.stundederwintervoegel.de oder www.nabu.de/onlinemeldung. Meldeschluss ist am 16. Januar. Telefonisch melden kann man nur am 7. und 8. Januar von 10 bis 18 Uhr unter der Gratis-Hotline 0800/1157115.
Für den Nachwuchs findet vom 9. bis 13. Januar die „Schulstunde der Wintervögel“ statt. Für Schulklassen kann man dazu bei der Naturschutzjugend (Naju) ein Aktionspaket ordern (www.naju.de/sdw). Die Zählergebnisse fließen in die Nabu-Auswertung mit ein.
„Emden spiegelt ziemlich genau auch die bundesweiten Bestandszahlen der letzten Jahre beim Dompfaff wider“, hat der Biologe festgestellt. „Wenn es bundesweit viele gab, gab es auch in Emden viele und umgekehrt.“ Umso mehr interessiert ihn, wie sich die gute Zahl aus dem letzten Januar auch in diesem Winter wiederfindet. Das wiederum lasse Rückschlüsse darauf zu, ob auch mehr Gimpel in Emden gebrütet haben.
Chance am Wall
Wo aber könnte sich „das rote Juwel der Vogelwelt“, wie der Nabu den Dompfaff/Gimpel getauft hat, in der Stadt blicken lassen? In was für einem Umfeld hält er sich gern auf? „Gimpel sollte man zum Beispiel am Wall und in den Kleingartenanlagen Emdens beobachten können“, schätzt Fuchs. „Sie brauchen mittelhohe, heimische Sträucher oder Bäume wie Holunder, Haselnuss, Schlehe oder Obstbäume, zudem mögen sie im Winter stehen gelassene Stauden mit Sämereien.“ Daher finde man sie häufig auch in naturnahen Stadtgärten. „Man kann sie aber auch am Futterhaus beobachten, wenn man Sonnenblumenkerne füttert“, ergänzte er. „An Meisenknödel gehen sie meist eher nicht heran, die mögen loses Körnerfutter.“
Mastjahr
Allerdings: 2022 war für Waldvögel ein sogenanntes Mastjahr. Heißt: Für alle Vögel, die von Baumfrüchten leben, gibt es gerade Eicheln, Bucheckern und Tannenzapfen satt. „In den letzten Jahren sind Mastjahre ungewöhnlich häufig aufgetreten“, sagte Fuchs. Das scheine eine Folge des Klimawandels zu sein. Warme, trockene Sommer begünstigten einen hohen Blütenansatz. Aber auch Spätfröste, die in jüngster Zeit vermehrt aufgetreten seien, förderten ein Mastjahr im Folgejahr. „Dadurch kommt es im Wald zu Stressblüh-Ereignissen und Massenfruchten.“ In diesem Winter wären daher neben dem Dompfaff auch Kleiber, Eichelhäher, Kernbeißer, Buntspecht und Buchfink nicht unbedingt auf Stippvisiten in die Siedlungen mit Rast am Futterhaus angewiesen.
Aber auch Meise, Spatz und Co. hätten es wieder verdient, gezählt zu werden. Ziel der Aktion ist nämlich, ein möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in den Städten und Dörfern zu erhalten. Je mehr Mitzähler es gibt, desto genauer die Ergebnisse.
