Emden - Bernhard Hübner hält große Stücke auf das neue Kursangebot beim Integrierten Sportverein (ISV) Emden, dass am 11. November um 16 Uhr in der Halle zwei zum ersten Mal starten soll. Es geht um das Zusammenbringen von Tischtennis und Menschen mit einer neurologischen Erkrankung. Deshalb hofft der ISV und Hübner, der seit zweieinhalb Jahren mit der Diagnose „Parkinson“ lebt, auf einen guten Zuspruch seitens Betroffener.
Die Idee zur Gründung eines Vereins mit dem Namen Ping-Pong-Parkinson (PPP) ist 2020 entstanden. 71 Standorte, die diese Form des Sporttreibens anbieten, gibt es im Bundesgebiet. Jetzt auch in Emden beim ISV. „In Warsingsfehn ist diese Gruppe mit vier Leuten gestartet, jetzt ist es eine gemischte Gruppe von 30 Personen“, sagte Hübner. Und er wurde in Warsingsfehn dazu ermuntert, dass er so ein Angebot doch auch in Emden aufbauen könnte.
Beim ISV und bei der dortigen Leiterin der Gesundheitssparte, Birgit Gross-Meinert, rannte er offene Türen ein. „Es ist eine ergänzende Therapie für Menschen mit neurologischen Erkrankungen, also Parkinson, MS oder Schlaganfallpatienten“, sagte sie. Die Gruppe, die in Emden ins Leben gerufen wird, soll offen für alle mit eben solchen Erkrankungen sein. „Wir wollen hier ein Training anbieten ohne Leistungsniveau und mit einem begleitenden Techniktraining“, ergänzte Gross-Meinert.
Was Betroffene noch leisten können, hat unlängst der in Varel lebende Norbert Hase gezeigt. Der für die Senioren-Mannschaft von Blau-Weiß Borssum spielende Tischtennisspieler holte sich bei der Ping-Pong-Parkinson-Weltmeisterschaft im kroatischen Pula zweimal die Silbermedaille. Auch er berichtete, dass seine Krankheitssymptome nach dem Training wie weggepustet sind. Er hat 2008 die Diagnose „Parkinson“ bekommen.
Doch der ISV schaut nicht auf den Leistungsgedanken. Durch das neue Kursangebot soll bei den Betroffenen das Reaktionsvermögen, die Beweglichkeit, Muskelentspannung, Motorik, akustische Stimulation, Auge-Hand-Koordination, visuelle Stimulation und vieles mehr gefördert werden. Die PPP-Anbieter im Bundesgebiet gehen noch weiter und sprechen von einer Verbesserung der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit, des Konzentrationsvermögens, Gleichgewichtssinns, der Kraft, Dehnbarkeit, des Schlafes und es hilft auch bei Depressionen. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es aber noch nicht, Betroffene berichten allerdings davon.
Für die Technik haben sich die ISV-Macher Friedhelm Peters und Andreas Nikoleit ins Boot geholt. Die beiden Leichtathleten werden Michael Hübner unterstützen. „Ich habe eine ganze Zeit auch im Verein Tischtennis gespielt“, sagte Nikoleit, der beim Fototermin sein Können gleich unter Beweis stellte. Ebenfalls im Boot ist Richard Lüppen, der trotz seines Alters noch eine Menge in Sachen Tischtennis drauf hat.
Eins ist allen klar: Die Erkrankung Parkinson kann mit Tischtennis nicht geheilt werden. „Aber sie kann wesentlich zur Erleichterung im Alltag beitragen“, so Hübner, der diesen positiven Effekt an sich selbst festgestellt hat. Dazu betont er, dass dieses ergänzendes Therapieangebot beim ISV mit acht Euro Mitgliedsbeitrag nicht so teuer ist. Geschäftsstellenleiterin Kerstin Waldeck betonte dazu, dass auch in diesem Fall ein Schnuppertraining möglich ist.
Was müssen Interessierte mitbringen? Eigentlich nur Hallenschuhe, die sind Pflicht. Schläger und Bälle würde der ISV stellen, wer so etwas zu Hause hat, kann es aber auch mitbringen. Zurzeit verfügt der Verein über vier Tischtennisplatten. Hübner hofft, dass die Hemmschwelle nicht zu groß ist, denn in der Gemeinschaft und ohne den Leistungsgedanken machen ihm diese Stunden beim Sport immer viel Spaß. „Und sie helfen Parkinsonerkrankten, die Verschlechterung der Symptome zu verlangsamen oder sogar zu verbessern.“
Wer Interesse hat, kann sich zu den Öffnungszeit über die ISV-Geschäftsstelle unter Tel.: 04921/587921 melden, oder nimmt mit Bernhard Hübner unter Tel.: 0176/96908048, oder per E-Mail unter bernhardhuebner@gmx.de Kontakt auf.
