Emden - Im Sommer findet wieder das internationale Jugendlager im nordfranzösischen St. Désir statt. Das ist vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges von besonderer Bedeutung, teilte Tom Sprengelmeyer, Fachbereichsleiter Jugend, Schule und Sport, am Mittwochabend den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses mit.

Seit über 54 Jahren erleben beim Workcamp in der Normandie Jugendliche aus Emden und seit über 25 Jahren auch junge Leute aus Archangelsk Geschichte zum Anfassen, verständigen sich über die gemeinsame Pflege der Soldatengräber, setzen sich mit Menschenrechten und den Schicksalen der Gefallenen auseinander, bauen Vorurteile ab und engagieren sich letztlich damit für den Frieden.

Die Entwicklungen in der Ukraine haben alle Beteiligten des Jugendlagers in Emden wie auch in Archangelsk komplett überrollt und tief betroffen, sagte Sprengelmeyer. „Für die Jugendförderung ist es deshalb wichtig, das Workcamp auch 2022 durchzuziehen.“

„Was Putin mit Füßen tritt, davon lassen wir uns nicht ausbremsen“, ergänzte Stephan Oelrichs, Leiter des Workcamps und Mitarbeiter der Jugendförderung, die das Camp in eigener Regie seit 2011 mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Bundeswehr als Partner durchführt. Oelrichs räumte bei der Vorstellung der Pläne ein, dass es diesmal allerdings Änderungen gibt. Die Bundeswehr kann nicht wie sonst als tragende dritte Säule dabei sein, hat aber laut Oelrichs einen Bus für den Transfer zugesichert. Die anderen Ausfälle der Bundeswehr könnten aufgefangen werden.

Allerdings werden die Teilnehmer aus Archangelsk nicht anreisen können. In den vergangenen Jahren waren durchschnittlich zehn russische Leute dabei. Dagegen haben fünf ehemalige Teilnehmer aus Archangelsk, die mittlerweile im europäischen Raum leben, zugesichert, das Workcamp zu unterstützen, so Oelrichs. „Ein größeres Zeichen für den Frieden können wir nicht setzen.“ Wie angesehen das internationale Jugendlager der Stadt ist, zeige auch eine Bitte um Teilnahme aus San Francisco.

Anstelle der russischen Teilnehmer soll nunmehr ukrainischen Jugendlichen die Möglichkeit eröffnet werden, beim Jugendcamp mitzumachen. Eine finanzielle Unterstützung dafür ist auch schon in Sicht, teilte Stadtjugendpfleger Ulf Reibe dem Ausschuss mit.

Auch in der Politik werde das Workcamp in diesem Jahr besonders gewürdigt. Für das Fest-Wochenende in der Normandie liegen bereits über 40 Anmeldungen aus allen Ratsfraktionen vor, sagte Sprengelmeyer. Der Ausschuss wertete das Camp als wichtiges Zeichen der Solidarität und Friedensarbeit in Emden.

Kornelia Sojka Emder Zeitung