Emden - In den vergangenen Wochen haben einige hundert Flüchtlinge, die es wegen des Krieges in der Ukraine nach Emden verschlagen hat, einen Brief vom Emder Jobcenters bekommen. Darin werden sie um ein persönliches Gespräch gebeten, in dem es vor allem um ihre soziale, sprich: finanzielle Absicherung gehen soll. Doch so nüchtern das klingt, umso schwieriger ist diese Aufgabe, die die Bundesregierung erst vor wenigen Wochen den Jobcentern übertragen hat. Jobcenter-Chef Bernd Leiß spricht von vielen „emotionalen Gesprächen“ mit den Flüchtlingen und von Tränen, die bei ihnen geflossen sind.

Dass das Jobcenter künftig für die Flüchtlinge zuständig sein wird, war anfangs gar nicht so sicher. Die angekommenen Flüchtlinge aus der Ukraine wurden zunächst nach dem Asylbewerberleistungsgesetz finanziell unterstützt. Dafür war die Stadt zuständig. Ab dem 1. Juni soll das Jobcenter übernehmen, das die Betroffenen dann nach den Hartz IV-Regeln versorgt. Bei den derzeit über 400 Flüchtlingen in Emden geht es zuvorderst um die soziale Absicherung und erst danach um eine Integration auf dem Arbeitsmarkt, obwohl sich das Jobcenter auch darauf eingestellt hat.

„Man muss aber klar sagen, dass die finanzielle Unterstützung oberste Priorität hat“, sagten Jobcenter-Chef Bernd Leiß und sein Stellvertreter Karl-Ingo Meyer in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Im ersten Kontakt gibt es aber auch gleich eine Einladung für ein weiteres Gespräch. Darin soll es dann konkreter um die Angebote des Jobcenters gehen: vom Sprachkurs über die Qualifikation bis hin zum Job.

Nach Angaben von Leiß und Meyer geht es im ersten Kontakt schlichtweg um eine Registrierung der wichtigsten persönlichen Daten: vom Geburtsdatum bis zum Familienstand. Aber auch das klingt einfacher, als es ist. Fragt man eine Geflüchtete, die mit ihren Kindern nach Emden gekommen ist, nach ihrem Familienstand, dann kommen nicht selten starke Emotionen hoch. Denn die meisten Flüchtlinge sind eben Frauen, die ihre Männer im Kriegsgebiet Ukraine zurücklassen mussten.

„Das ist auch für unsere Kollegen nicht immer ganz einfach.“ Die Motivation zu helfen, sei umso größer. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass viele der Geflüchteten tatsächlich oder im übertragenen Sinne auf ihren Koffern sitzen, um so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurückzukehren. „Wer aber bleiben und eine Arbeit finden will, den werden wir natürlich auch unterstützen“, versicherte Leiß. Die Herausforderungen sind vielfältig und manchmal auch ganz neu.

Das Jobcenter musste nicht nur einfache Merkblätter erst einmal in Eigenregie ins Ukrainische übersetzen, weil es dafür keine bundesweit einheitlichen Vorgaben gibt. Es ging aber auch um so scheinbar selbstverständliche Dinge wie die Eröffnung eines Kontos: Wer kein Konto hat, kann auch kein Geld bekommen. Aber die Ukrainer können eben nicht auf ihr Konto in der Ukraine zurückgreifen, geschweige denn auch ihr Gespartes. Deshalb wird auch gar nicht erst versucht, die Hartz IV-Leistung auf das vielleicht vorhandene Vermögen in der Ukraine zu verrechnen.

Zudem mussten Dolmetscher gefunden werden, wobei das Emder Jobcenter auf einen bereits vorhandenen Pool von entsprechend Sprachkundigen zurückgreifen kann, den die Stadt aufgebaut hat. „Die Zusammenarbeit ist wirklich hervorragend“, betonte Meyer. Die Geschäftsführung des Jobcenters geht davon aus, dass nach der Registrierung der Flüchtlinge vieles einfacher wird – für beide Seiten.

Jens Voitel
Jens Voitel Emder Zeitung