Emden - Allein die zehn Emder Grundschulen haben in den vergangenen fast elf Monaten bislang 84 Kinder aufgenommen, die mit ihren Eltern oder zumindest mit einem Elternteil aus der Ukraine nach Emden geflüchtet sind. Bei den zwei Gymnasien sind es weitere 50 junge Menschen aus dem Krisengebiet, in den drei Oberschulen 30 und in der IGS weitere 17 Kinder und Jugendliche. Zudem kommen fünf Schüler, die von der Förderschule aufgenommen wurden. 26 ukrainische junge Menschen aus dem Kriegsgebiet lernen inzwischen an den beiden Berufsbildenden Schulen. Insgesamt hat Emden seit Kriegsbeginn im Februar des vergangenen Jahres über 260 aus der Ukraine geflüchtete Kinder und Jugendliche in den Kindergärten und Schulen der Stadt integriert oder müssen es noch tun. Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen nicht nur ein großer organisatorischer Aufwand, sondern auch viele Probleme und Herausforderungen für alle Beteiligten. Und ein Ende scheint nicht wirklich in Sicht.
Nicht ohne Probleme
„Ich denke, uns ist die Integration der ja auch hier schulpflichtigen Kinder aus der Ukraine bislang ganz gut gelungen“, sagte jetzt Michael Groeneveld, Fachdienstleiter Schule, Bildung, Sport, in einem Gespräch mit dieser Redaktion. Zugleich kündigte er für den Sommer eine erste genauere Prüfung der tatsächlichen Integration an. Denn ganz ohne Probleme ist die Unterbringung der Kinder und Jugendlichen nun auch wieder nicht abgelaufen. „Man muss bedenken, dass die Emder Schulen sowieso schon aufs Äußerte belastet sind“, so Groeneveld. Er verwies dabei vor allem auf die zurückliegenden Corona-Jahre und die andauernde Personalnot an den Schulen.
Zu wenig Fachkräfte
Damit haben auch die Kindergärten der Stadt zu kämpfen. Dennoch konnten hier in den vergangenen Monaten insgesamt 22 Kinder geflüchteter Ukrainer untergebracht werden. Allerdings stehen auch noch 45 Kinder auf Wartelisten. „Eine weitere Vergrößerung der Gruppen wollen wir aber auf keinen Fall“, sagte die zuständige Fachdienstleiterin Kinder und Familie und Kita-Fachberaterin Renate Bonn-Sommer. Zwar habe das Land in einer Notverordnung die Aufstockung auf bis zu 26 Kinder pro Gruppe erlaubt, doch das will man in Emden nicht ausreizen. „Wir haben dafür einfach zu wenig Fachkräfte.“ Gleichwohl sind hier und da aus 22er-Gruppen auch schon 23 geworden. Probleme bleiben da nicht aus: sei es mit der Sprache unterschiedlicher Nationalitäten oder aber traumatische Erlebnisse der kleinen Kriegsflüchtlinge.
Keine Bevorzugung
Bei der Vergabe der Kindergartenplätze musste zudem Rücksicht auf das sonst vorgegebene Online-Verfahren genommen werden. Die ukrainischen Kinder, die in Deutschland auch ein Anrecht auf einen Kita-Platz besitzen, mussten außer der Reihe integriert werden. Ab März werden aber auch sie am üblichen Vergabe-Verfahren teilnehmen müssen. Und das ist jedes Jahr für alle Eltern eine Herausforderung. Eine Bevorteilung von Flüchtlingsindern soll es aber nicht geben, so Renate Bonn-Sommer.
Dagegen gilt im schulischen Bereich das freie Wahlrecht. Das war bei den ukrainischen Kindern und Jugendlichen zuletzt auch die große Herausforderung, kommen sie doch alle aus einem ganz andere Schulsystem. „Die Kinder sind aber in der Regel aus einer guten Ausbildung“, sagte Groeneveld. Dazu gehöre oft auch eine zweite Fremdsprache. Allerdings ist das nicht Deutsch. Die Schulen müssen also seit Monaten parallele Deutschkurse anbieten.
Zwei pensionierte Schulleiterinnen haben in längeren Gesprächen versucht, die richtige Schule, die geeignete Schulform für das jeweilige Kind zu erkunden. Das hat in vielen Fällen geholfen, ob alles richtig war, wird sich noch herausstellen. Eine weitere Herausforderung für Schüler, Lehrer und Behörden: die Integration von Flüchtlingen im laufenden Betrieb der Schulen. Und, das gilt sowohl für die Schulen als auch für die Kitas: Keiner weiß, wie viele Minderjährige aus dem Kriegsgebiet noch nach Emden kommen werden.
