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Sechs Monate nach Kahlschlag Umweltschützer in Emden enttäuscht: In „Janssens Tuun“ hat sich noch nichts getan

Beim Straßenbau geht es voran – die Reste von „Janssens Tuun“ dagegen hat von Behördenseite bislang niemand angefasst.

Beim Straßenbau geht es voran – die Reste von „Janssens Tuun“ dagegen hat von Behördenseite bislang niemand angefasst.

Hitschke

Emden - Von der Fußgängerbrücke über das Fehntjer Tief aus hat man einen guten Überblick über das Stück Land, das einmal „Janssens Tuun“ war. Auch auf diese große Entfernung ist eines nicht zu übersehen: Seit dem Kahlschlag im November 2021 hat sich nichts getan. Die 73 gefällten Bäume liegen, zerteilt und aufgeschichtet, noch immer auf dem Grundstück. Bei Annäherung an das ehemalige kleine Wäldchen bestätigt sich dieser Eindruck. „Unbefriedigend“ ist das aus Sicht der Umweltinteressierten, die sich für das Gehölz mitten auf einer Wiese stark machten.

„Man konterkariert die ursprüngliche Absicht“, urteilt Habbo Wildeboer über die Vorgehensweise der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Wildeboer ist einer der beiden ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragte der Stadt Emden. Er setzte sich gemeinsam mit anderen Emdern lange Zeit energisch für den Erhalt des Wäldchens ein, das vor rund 70 Jahren künstlich angelegt worden war. Bäume, Sträucher und zwei Wasserflächen boten einer Vielzahl von Tierarten Lebensraum, unter ihnen auch geschützte Arten. Ein Dorn im Auge

Das Ende von „Janssens Tuun“ wurde mit der Planung der Umgehung Friesland eingeläutet, wie die Verschwenkung des Abschnitts der Bundesstraße 210 zwischen der Autobahn 31 und der Petkumer Straße genannt wird. Für den Straßenneubau wird viel Wiesenfläche verbraucht, eine Kompensationsmaßnahme ist Pflicht. Die fand sich gleich nebenan: Ländereien, die nun wiesenvogelgerecht hergerichtet werden sollen. „Janssens Tuun“ mit seinem Baumbestand war den Planern dabei ein Dorn im Auge: Die Bäume bieten Raubvögeln Unterschlupf – gar nicht gut für ein Wiesenvogelrevier, hieß es.

Ob der Schutz der Wiesenvögel es rechtfertigt, ein artenreiches Biotop zu zerstören, war eine der Kernfragen der leidenschaftlich geführten Diskussion. Eine andere, ob „künstlich angelegt“ angesichts einer seit Jahrtausenden von Menschenhand gestalteten Landschaft überhaupt ein Negativkriterium sein kann. Gutachter entschieden den Streit zugunsten der Landesbehörde. Am 25. November 2021 – übrigens kurz vor einem zweiten Treffen der „Tuun“-Befürworter mit einem Fernsehteam – rückten morgens um vier Uhr die Holzfäller an. Wenige Stunden später waren die Bäume gefällt. 

Dass sie Monate später immer noch nicht abgefahren sind, begründete die Landesbehörde gegenüber der Bürgerinitiative „Ja zu Janssens Tuun“ mit dem Wetter – wegen des aufgeweichten Untergrundes seien die Arbeiten bislang nicht möglich gewesen.

Zum zweiten Mal

Der Naturschutzbeauftragte Habbo Wildeboer mag dieses Argument nicht uneingeschränkt gelten lassen. Es habe durchaus Gelegenheiten gegeben, die gefällten Bäume zu entfernen. Dass sie immer noch auf der Wiese liege, sei ein Ärgernis: „Man konterkariert die ursprüngliche Absicht, etwas für Wiesenvögel zu tun.“ Die verbliebenen Bäume bieten nach Ansicht von Wildeboer Raubvögeln nämlich nach wie vor Raum. Und mit der geplanten Vernässung geht es natürlich auch nicht vorwärts.

Mit Beginn der Brut- und Setzzeit (1. April bis 15. Juli) sei der Abtransport nur nach Erteilung einer Sondergenehmigung möglich, so Wildeboer weiter. Und er geht noch weiter: „Erdarbeiten sind nach meiner Interpretation des Naturschutzgesetzes vor dem 1. Oktober nicht statthaft.“ Was ihn besonders ärgert: „Ich will nicht nachkarten. Aber ich bin mir sicher, dass in dem Gestrüpp mittlerweile viel Leben ist. Wenn man die Bäume abfährt, zerstört man an dieser Stelle zum zweiten Mal ein Biotop.“

 

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung
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