Krummhörn - Nein, Ukrainisch konnte im Krummhörner Asylkreis keiner, bevor nun vor wenigen Wochen die ersten Geflüchteten die Gemeindegrenzen überschritten. Für die ehrenamtlichen Helfer ist das aber keine ungewohnte Situation, erzählt Elisabeth Dissinger, die schon viele Jahre Mitglied beim Asylkreis ist, die es kennt, sich mit Händen, Füßen und einem Google-Übersetzer verständlich machen zu müssen. Nun aber hat der Asylkreis technisch aufgerüstet – und mobile Übersetzer angeschafft.
Große Helfer
Die Geräte passen in fast jede Hosentasche, sind kleiner als TV-Fernbedienungen. In ihnen steckt aber enorm viel fremdsprachliches Knowhow, sagt Johann Schüller. Er hatte ein erstes Testgerät angeschafft, nachdem ihn Lutz Gosepath, Flüchtlingsbeauftragter der Gemeinde Krummhörn, auf die Idee brachte.
Inzwischen hat der Asylkreis bereits vier solcher Geräte angeschafft, eines von der Gemeinde, drei über Spenden finanziert, um sich mit den inzwischen mehr als 40 ukrainischen Geflüchteten sowie den Flüchtlingen aus den anderen Teilen der Welt, vor allem dem Nahen Osten und Afrika, austauschen zu können. Mehr als 50 Sprachen beherrschen die Geräte, die zum Stückpreis von rund 300 Euro verkauft werden. Viele davon sind mit Ton-Übersetzung ausgestattet, alle mit einer schriftlichen Übertragung. Arabisch als eine Sprache, mit denen die Flüchtlingshelfer besonders häufig konfrontiert sind, ist mit gesprochener Sprache dabei, demonstriert Schüller.
Bisherige technische Unterstützung sei immer etwas „schmalspurig“ gewesen, erzählt Dissinger. Es sei zwar möglich, grundsätzliche Bedürfnisse zu übersetzen, für eine umfangreichere Konversation sei die Technik aber kaum praktikabel. Entsprechend notwendig sind Dolmetscher, die entweder persönlich anwesend sind oder per Telefon dazu geschaltet werden können. Im Falle des aktuellen Ukraine-Bedarfs habe der Asylkreis noch großes Glück gehabt, erzählt Schüller. „Wir haben einen 16-Jährigen und seine Mutter, die ukrainische Wurzeln haben, aber schon lange in Deutschland leben.“ Beide unterstützen den Asylkreis.
Im Pewsumer Familienzentrum, dem Hermine-Heusler-Edenhuizen-Haus, hat unter anderem das MultiKulti-Café seinen Sitz. Darin finden bald wieder Sprachkurse statt. Bild: Saathoff
Start: Begegnungscafé
Unterdessen ist das Begegnungscafé im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Pewsum-Woquard wieder angelaufen, erzählen die beiden. Zwei Treffen gab es schon, weitere sind geplant. Bis dato nur für die ukrainischen Geflüchteten, die vor allem aus jüngeren Frauen und Kindern bestehen. „Wobei wir auch eine Seniorin haben“, wie Schüller sagt. Mitte Juni sollen dann erstmals nicht nur die ukrainischen Geflüchteten, sondern auch die Vertreter anderer Nationen bei einem gemeinsamen Grillfest zusammenkommen und einander kennenlernen. „Wir wollten aber erst einmal im überschaubaren Rahmen wieder anfangen“, erzählt Dissinger, „weswegen wir mit den Ukrainern gestartet sind.“
Bisher haben mehr als 20 Menschen die beiden Treffen besucht. Darunter auch Krummhörner, die ukrainische Geflüchtete privat bei sich untergebracht haben, denen aber mit Hilfe von Dolmetschern oder den mobilen Übersetzern dort die Möglichkeit geboten werden soll, sich etwas ausgiebiger austauschen zu können. Starten sollen zeitnah auch deutsche Sprachkurse für Frauen im Pewsumer Familienzentrum, sobald der Fahrdienst mit Hilfe der Kirchengemeinde Pewsum-Woquard auf die Beine gestellt ist, erzählen die beiden Vertreter des Asylkreises. Auch dabei könnte die neue technische Unterstützung helfen.
