Pilsum - Manchmal hilft nur Humor, dachte sich Werner Schäning und schrieb in launigen Zeilen nieder, was im Dorf gerade verärgert: die Suche nach einer öffentlichen Toilette. „Die Not ist groß! Das Wasser, das ich rief, werde ich nicht mehr los“, schreibt er in einer Geschichte über die vergebliche Suche nach Entlastung. Andere Einwohner in Pilsum finden weniger lustig, dass es in ihrem Dorf keine öffentliche Toilette gibt. „Die Leute wissen nicht, wohin und fragen am Ende bei mir“, erzählt Jürgen Itzenga, der Betreiber des Restaurants Alte Brauerei.
Leute kommen vom Deich
Aber so sollte es nicht sein. Darüber sei man sich im Dörpverein einig, sagt seine Frau Marga. Im Kreis der Mitglieder sei gerade wieder darüber gesprochen worden, dass Pilsum unbedingt eine öffentliche Toilette benötigt. Denn Pilsum werde von vielen Urlaubern besucht, von denen etliche mit dem Fahrrad unterwegs sind. „Die Leute kommen mit dem Rad vom Deich“, erklärt Jürgen Itzenga. Sie besichtigen die pittoresken Straßen und Häuser des Dorfes, die Galerien – und offenbar überkommt sie dann auch ein menschliches Bedürfnis, das keinen Aufschub duldet. „Bei schönem Wetter werde ich häufiger gefragt, wo es Toiletten gibt“, sagt seine Frau, die eine kleine Galerie betreibt.
Anfragen im Restaurant
Aber im ganzen Dorf gibt es keinen Hinweis auf eine öffentliche WC-Anlage. Viele fragen dann in dem Restaurant an der Kirche nach, manche, die gar nicht weiterwissen, weil das Lokal geschlossen hat, geraten in Not. „Die Leute klopfen an private Türen“, erzählt Marga Itzenga. Auch der Weg auf die Restauranttoilette sei keine Lösung, meint Jürgen Itzenga. Dann müsse das WC häufiger gereinigt werden, und das komme ihn teuer zu stehen. „Die Gemeinde wälzt das Problem auf die Gastronomie ab“, fasst er zusammen.
Dabei gibt es eigentlich sogar ein öffentliches WC in Pilsum: am Dorfgemeinschaftshaus am Ende der Loogstraat. Doch das ist seit längerer Zeit bereits geschlossen. Weil es zu wenig genutzt werde, habe die Gemeinde auf Nachfrage geantwortet, erzählt der Restaurant-Betreiber. Es sei zu teuer. Aber das Argument will er nicht gelten lassen. Man habe beim Dörpverein einmal zusammengezählt und hochrechnet – mit dem Ergebnis, dass nur durch die Urlaubsgäste, die in Pilsumer Ferienwohnungen unterkommen, pro Jahr mindestens 35.000 Euro Gästebeitrag in die Gemeindekasse fließen, „ohne, dass die Gemeinde dafür etwas tut.“ Stattdessen würden Urlauber auf die nächste öffentliche Toilette am Pilsumer Leuchtturm verwiesen. Der sei aber nicht nur drei Kilometer entfernt, sondern die Anlage beim Imbisswagen sei häufiger defekt.
„Zehn öffentliche Toiletten“
In der Art möchte der Pressesprecher der Gemeinde, Fritz Harders, die Klage der Pilsumer aber nicht stehen lassen. Die Gemeinde sei sehr wohl aktiv im Bestreben, den Bedürfnissen der Gäste entgegenzukommen: „Wir haben zehn öffentliche Toiletten in den Dörfern“, erklärt er und verweist auf die Webseite der Touristik GmbH, die jede einzelne aufführt. In Greetsiel, Freepsum, Grimersum, Hamswehrum, Jennelt, Rysum und Upleward gebe es tagsüber zugängliche Anlagen. „Damit brauchen wir uns nicht zu verstecken.“ Die WC-Anlagen würden von einem Dienstleister regelmäßig gereinigt. Das sei auch in Pilsum der Fall gewesen, bis bei einer Überprüfung der Kosten herausgekommen sei, dass das WC kaum genutzt wird. Warum, das sei nicht bekannt. „Vielleicht, weil die Leute gerade aus Greetsiel gekommen sind.“ Um Kosten zu sparen, sei die Pilsumer Anlage schließlich als überflüssig rausgefallen.
Der Sprecher stellt dem Dorf dennoch eine Lösung in Aussicht. Es werde nämlich gerade das Tourismuskonzept für das kommende Jahr überarbeitet – und vielleicht tue sich etwas: „Die Touristik hat gerade ein neues Angebot für die Reinigung eingeholt.“
