Emden - Harmlos, aber am Ende doch mit hohen Kosten verbunden. So lautet die Bilanz zur Gewässerverunreinigung in der vergangenen Woche im Emder Hafen. Inzwischen steht fest, welche braune Substanz in mehreren Hafenbereichen an der Wasseroberfläche trieb. Die Analyse eines Labors ergab: Es war Altspeisefett. Das bestätigte ein Beamter der Emder Wasserschutzpolizei am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung.
Auch der Verursacher ist laut Polizei ermittelt. Am Nachmittag meldete sich schließlich das Unternehmen Renewable Energy Group (REG) bei dieser Zeitung. Altspeisefette sind der Rohstoff, aus dem (REG) in der Eichstraße Biodiesel herstellt. Der Umschlag des Materials – die Fette werden per Schiff angeliefert – findet im Ölhafen statt. Der Rohstoff wird über ein Rohrsystem in die Raffinerie transportiert.
Michael Fiedler-Panajotopoulos, Manager bei REG, hatte frühzeitig eine Kooperation des Betriebes mit den Behörden angekündigt und zudem erklärt, dass Altspeisefett im Wasser zwar eine harmlose Substanz und biologisch abbaubar sei, aber nichts in einem Hafenbecken zu suchen habe.
Einfach übergelaufen
REG ging der Sache selbst auf den Grund, überprüfte die 450 Meter lange Rohrleitung und fand die Ursache heraus: Der „Schuldige“ dafür, dass Altspeisefett ins Hafenbecken gelangen konnte, ist drei mal acht Millimeter groß. Ein winziges Plastikteil, das in einen Entlüfter der Umschlagsanlage im Ölhafen gelangt und dort eingeklemmt war. Zu dem Zeitpunkt entlud gerade ein Schiff gebrauchtes Speisefett. Der kleine Fremdkörper verhinderte die korrekte Funktion des Systems. Ähnlich wie bei einer Toilettenspülung öffnet oder schließt ein Schwimmerschalter normalerweise das Entlüftungsventil. Weil aber die Dichtung nicht richtig schloss, gelangte Altspeisefett in einen Auffangbehälter, der überlief und nicht nur den Bereich um Behälter und Entlüftungssystem an Land verunreinigte, sondern auch ins Hafenbecken floss.
Klein, aber wirkungsvoll: Der Auslöser war dieses kleine Plastikteil.
Aus der Sicht von REG ein bislang einmaliges Vorkommnis. Entlüftungssysteme und Behälter waren laut REG zuletzt am 31. Mai überprüft worden. Schmutzfänger sollen künftig das Eindringen von Fremdkörpern verhindern. Außerdem soll fortan REG-Personal alle Entlüftungssysteme während der Be- und Entladungen kontrollieren.
Rund 20 000 Euro Kosten
Der Fall ist laut Polizei weitgehend aufgeklärt. In Kürze würden die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese entscheide über das weitere Vorgehen. Klar ist mittlerweile auch, dass der mehrtägige Einsatz speziell der Emder Feuerwehr, aber auch eines externen Lohnbetriebs nicht unerhebliche Kosten verursacht hat.
Allein für den Haupteinsatztag (Donnerstag, 9. Juni) fallen für Personal, Fahrzeuge, Einsatzmittel und Ölsperren exakt 14.476 Euro an. Wie Dennis Igelmann, kommissarischer Pressesprecher der Stadt, auf Nachfrage weiter ausführte, liegen die „vorsichtigen Schätzungen“ zu den Gesamtkosten bei etwa 20 000 Euro. Zahlen muss zunächst Hafenbetreiber Niedersachsen Ports als Grundstückseigentümer. Wird ein Verursacher ermittelt (was hier der Fall ist), wird dieser zur Kasse gebeten.
Tatsächlich zogen sich die Arbeiten – inklusive Aufräumen – über mehrere Tage hin und wurden erst am Montag dieser Woche beendet. Ein Mitarbeiter der Firma Weert Ihnen hatte am Donnerstagmorgen die Wasserschutzpolizei alarmiert.
Die Feuerwehr fing einen Teil der braunen Brühe am Ende des Stichkanals mit einer Ölsperre ein. Ein Tankwagen saugte die Wasseroberfläche ab. Der Wind hatte die Substanz in diesen Hafenabschnitt gedrückt.
Auch im Ölhafen und an der Borssumer Schleuse war der ölige Film festgestellt worden.
