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Vorwurf Misshandlung Was passierte in Loquards Kindergarten?

Wird von einem Skandal erschüttert, der Kindergarten Gulfkinder in Loquard.

Wird von einem Skandal erschüttert, der Kindergarten Gulfkinder in Loquard.

Saathoff

Loquard - Es sind anderthalb getippte Seiten voller Vorwürfe, die gegen den Kindergarten in Loquard erhoben werden – und nun in der Gemeinde Krummhörn für Aufruhr sorgen. Sie berühren das Grundvertrauen, das Eltern den Erziehern ihrer Kinder entgegenbringen. Von Misshandlung ist die Rede, Kinder würden geschlagen, in Hochstühlen fixiert, in Toiletten eingesperrt, „so dass sie sich aus Angst lieber in die Hose machten“ als auf Toilette zu gehen, ihre Hände gequetscht, sie würden bedroht und gequält. Inzwischen seien mehrere Kinder in psychologischer Behandlung. Der Schock in der Gemeinde sitzt tief, die Hilflosigkeit ist groß.

Anonyme Verfasser

Vorwürfe gibt es auch gegen die Polizei und die Gemeinde. Die Polizei ließe die Ermittlungen schleifen, die Gemeinde versuche, die Vorfälle unter den Tisch zu kehren. Strafanzeigen gegen Erzieherinnen seien gestellt worden. Das Schreiben mit diesen Vorwürfen stammt von einem oder mehreren Absendern und befand sich Ende Juni in den Briefkästen hiesiger Medien. Die Absender bezeichnen sich als „besorgte und empörte Eltern“. Rückfragen sind nicht möglich, auch der Redaktion ist die Identität der Verfasser unbekannt. Als Begründung für ihre Anonymität geben sie an, Nachteile für ihre Kinder zu befürchten.

Die Vorwürfe werfen Fragen auf. Wie viele Kinder sind konkret betroffen? Über welchen Zeitraum erstreckte sich das Martyrium? Wieso brachten die Eltern ihre Schützlinge in eine Kita, wenn sie dort gequält werden? Warum schritten andere Erzieher nicht ein? Hat sich in der Kita ein Klima der Angst entwickelt, indem manche Erzieherinnen quälen und andere wegsehen?

Hausmeister widerspricht

Walter Fischer, seit mehr als 30 Jahren Hausmeister der Gemeinde, aktuell unter anderem für die Kita in Loquard tätig, glaubt das nicht. Er ist Vater einer der Erzieherinnen, die nun „mit einer Anzeige am Hals“ zu Hause sitzen. Er sagt: „Niemals, wirklich niemals hätte meine Tochter ein Kind geschlagen.“ Die Vorwürfe seien gelogen. Die Toiletten etwa ließen sich gar nicht abschließen, „ansonsten müssten wir ja jeden Tag befürchten, dass sich ein Kind dort einschließt.“ Hochstühle habe der Kindergarten auch nicht. Angst gebe es hingegen tatsächlich in der Kita, die Opfer seien aber die Erzieher.

„Ein Kind drohte einer Erzieherin ,Pass lieber auf, ansonsten kommst du auch bald weg.’“ Im Vorfeld hatten einige Erzieherinnen die Einrichtung verlassen, aber aus anderen Gründen, als die Briefeschreiber vermuteten, so Fischer. Ein anderes Kind habe die „prächtigen Brüste“ einer Erzieherin gelobt. „Wie kommen die Kinder dazu, so etwas zu sagen?“ Seine Vermutung: „So reden die Eltern zu Hause und die Kinder schnappen es auf.“

Weitere Erlebnisse, die der Hausmeister berichtet, handeln von Kindern, die mit vollen Windeln oder mit Fieber in die Kita gebracht werden, die im Winter nur eine Strumpfhose tragen oder sich in einem Fall über Wochen wie ein Hund bewegten. Auch andere mittelbar oder unmittelbar Beteiligte zeichneten in den vergangenen Tagen im Gespräch mit dieser Redaktion ein differenziertes Bild, wiesen aber mehrfach auf wenige „schwierige“ Eltern hin. Öffentlich äußern wollen sie sich nicht. Allen – mit Ausnahme von Fischer – gemein ist die Angst, zur Zielscheibe anonymer Anfeindungen zu werden. Worauf vielfach hingewiesen wurde: Das schwierige Verhältnis sei nicht neu, schon seit November schwele der Konflikt.

So reagiert die Gemeinde

Die Gemeinde steckt in einem Zwiespalt. Sie trägt Verantwortung für das Wohlergehen der Kinder, hat aber auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern. Entsprechend zurückhaltend ist die Mitteilung aus Pewsum. Es seien zwar Beschwerden der Eltern ans Rathaus herangetragen worden, es sei aber nicht ersichtlich, wie viel und ob überhaupt etwas an den Vorwürfen dran ist.

Die Gemeinde habe Gespräche mit Eltern und Mitarbeitern geführt und das Landesjugendamt in Kenntnis gesetzt. Kritik gibt es an der Anonymität des Absenders. Diese Art sei nicht geeignet, „den Sachverhalt zu erhellen“, ließ Bürgermeisterin Hilke Looden über ihren Pressesprecher ausrichten. „In verantwortungsloser Weise werden damit aber Erzieherinnen vorverurteilt und in Misskredit gebracht.“

Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung
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