Emden - Fast vier Jahre lang stand im Industriegebiet Frisiapark Fahrzeug an Fahrzeug. Fein säuberlich aufgereiht, dicht an dicht, hoch eingezäunt und dazu noch videoüberwacht, parkte der Volkswagen-Konzern an der Heinrich-Nordhoff-Straße Tausende Autos. Und das schon seit August 2018. Jetzt ist dort, direkt hinter der Zukunft Emden, kein einziges Auto mehr zu finden. Aus dem einstigen Parkplatz ist gerade eine große Baustelle geworden, quasi ein XXL-Sandkasten für Bagger, Trecker und Co. Volkswagen lässt die Fläche in den Urzustand zurückbauen. Aus der Schotterfläche wird also wieder eine grüne Wiese.
Abgasprüfverfahren
Grund für die Dauerparker war seinerzeit die Umstellung des bisherigen Abgasprüfverfahrens hin zu WLTP. Für alle Neuwagen gilt seitdem ein neuer Test-Zyklus, bevor ein Fahrzeug ausgeliefert werden kann. In diesem Homologationsverfahren wird auf dem Prüfstand eine Fahrt in der Stadt, über Land und auf der Autobahn simuliert. Dabei beschleunigt ein Wagen auf bis zu 131 Stundenkilometer. Immer wieder wird gebremst und beschleunigt. Dadurch kann anschließend festgestellt werden, wie viele Schadstoffe ein Auto produziert. Außerdem ist es möglich, den Spritverbrauch hochzurechnen.
Weil die Umstellung auf das neue Prüfverfahren im Jahr 2018 Zeit in Anspruch nahm und trotzdem weiter Autos produziert wurden, mussten diese unter anderem in Emden zwischengelagert werden. Bis sie nach Vorliegen der WLTP-Freigabe ausgeliefert werden konnten – beispielsweise über den Emder Hafen. Tausende fertig gebaute Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern stauten sich seitdem auf den 60 000 Quadratmeter großen Stellflächen an der Heinrich-Nordhoff-Straße. Aber nicht nur da. Auch auf dem Werksgelände an der Wolfsburger Straße ließ VW einen XXL-Parkplatz für seine Neuwagen aus dem Boden stampfen. Doch auch dieser verschwindet gerade.
Ursprungszustand
„Die temporäre Baugenehmigung für die Fläche läuft aus“, teilte die Emder VW-Sprecherin Indra van Schwartzenberg auf Anfrage der Emder Zeitung mit. Ob tatsächlich alle bisher dort gelagerten Autos einen Besitzer gefunden haben oder ob doch noch welche an anderer Stelle erneut zwischengelagert werden müssen, ist nicht bekannt. Nichtsdestotrotz werden die Flächen „wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzt“, heißt es von Volkswagen dazu. Was mit der bald wieder grünen Wiese im Frisiapark passieren soll, ist offensichtlich noch nicht klar. Von der Stadt Emden wurden zu einer weiteren Verwendung der Fläche keine Angaben gemacht. Auch die Zukunft Emden als direkter Nachbar plant dort, laut Geschäftsführer Wilfried Schneider, derzeit nichts.
