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Nach über 25 Jahren Emder Wochenmarkt Demeter-Stand verlässt die Markt-Gemeinschaft

Stephanie Schuurman
An diesem Samstag zum letzten Mal: Kalle Kehl und Monika Gerdes beim Aufbau des Demeter-Stands.

An diesem Samstag zum letzten Mal: Kalle Kehl und Monika Gerdes beim Aufbau des Demeter-Stands.

Stephanie Schuurman

Emden - Wenn Besucher des Emder Wochenmarktes an diesem Samstag Biowaren in Demeter-Güte kaufen, werden sie es zumindest dort vorerst zum letzten Mal tun können. Nach über 25 Jahren verlässt Bio-Landwirt Karl-Heinz Kehl mit seinem Stand die Markt-Gemeinschaft. Der Verkauf soll zunächst nur noch im Hofladen in Wybelsum fortgeführt werden. Zudem setzt der „Hof am Dollart“ weiter auf das Liefergeschäft mit der Gemüse-Kiste.

Die Entscheidung sei ihm nicht leichtgefallen, sagte Karl-Heinz Kehl im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Überlegungen dazu seien auch nicht neu. Doch am Ende habe sich ein Puzzle aus Argumenten zusammengefügt, das den Ausschlag zum Aufhören gab.

Rund um die Uhr

Vorrangig ist es die hohe Arbeitsbelastung, der der 63-Jährige nun Tribut zollt. Seit etwa 1995 erfordere das Wochenmarkt-Engagement ein „Rund-um-die-Uhr-Arbeiten“. Um drei Uhr in der Früh aufstehen, den Wagen für den Markt befüllen, Stand-Aufbau im Morgengrauen, vormittags Gemüse-Kisten packen und ausfahren, mittags Standabbau, nachmittags Wagen abladen und das dreimal die Woche zum weiteren Betrieb in Wybelsum. Dabei bleibe doch haus- und hoftechnisch vieles liegen, die Familie käme zu kurz, letztlich auch er selbst. „Man schiebt alles immer nur auf“, sagte Kehl. „Auf Dauer ist das unbefriedigend.“

Rückkehr möglich

Parallel zu seinen Überlegungen für den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören habe er immer wieder nach Nachfolgern für den Demeter-Stand gesucht, bislang erfolglos. Auch die Betreiber der Solidarischen Landwirtschaft, die die Ackerflächen des Hofes am Dollart inzwischen übernommen haben, seien noch nicht bereit, einen regelmäßigen Wochenmarkt-Stand zu betreiben. Ein bisschen Hoffnung setzt Kehl noch auf die lange und gute Zusammenarbeit mit Henriette Freerk, die den Bioland-Stand auf dem Wochenmarkt betreibt. Sie ist etwas jünger als er. „Wenn Henriette aufhören will, können wir uns vielleicht noch einmal zusammensetzen.“ Eine Rückkehr auf den Emder Wochenmarkt als Team oder in anderer Zusammensetzung sei daher nicht ganz ausgeschlossen.

Allerdings ganz sicher nicht mit seinem bisherigen Stand. Der Anhänger samt Aufbau sei auch in die Jahre gekommen, so Kehl. Und bei der „Inspektion“ stand er vor der Wahl, nochmals viel Geld in die Überholung zu stecken oder das Kauf-Angebot eines Interessenten anzunehmen. „Auch ein Puzzle-Teil, jetzt und nicht vielleicht erst im nächsten Jahr aufzuhören“, sagte Kehl.

Verdrängungseffekt

Nicht zuletzt habe auch die wachsende Kaufzurückhaltung der Kunden in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt. Demeter-Produkte sind aufgrund ihrer strengen Herstellungskriterien nochmals teurer als Bio-Waren anderer Labels. Und wenn sich das Angebot an anderer Stelle auf dem Wochenmarkt günstiger darstellt, etwa durch das Angebot des neuen agilio-Standes, mache sich auch das deutlich bemerkbar, sagte Kehl.

Seine beiden Stand-Mitarbeiterinnen sind derweil versorgt. Eine Verkäuferin geht in den wohlverdienten Ruhestand. Die andere habe einem guten neuen Job-Angebot zugesagt.

Bio-Kisten und Hofladen

In den Ruhestand tritt Kehl selbst dagegen noch lange nicht. Er erwartet jetzt nochmals eine gesteigerte Nachfrage nach seinem Gemüsekisten-Angebot, möglicherweise wie in schlimmsten Corona-Zeiten, als die Kunden sogar den Wochenmarkt scheuten. Auf jeden Fall hätten einige Stammkunden bereits jetzt für diese Alternative Interesse signalisiert. Zudem überlegen Kehl und Familie, vielleicht im Sommer den Hofladen zusätzlich für Ausflügler und Touristen mit weiteren Angeboten noch attraktiver zu gestalten.

Zunächst will Kehl aber diese Adventszeit einmal etwas besinnlicher genießen. Es wäre die erste dieser Art für ihn und Familie seit über 25 Jahren.

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