Freepsum - Nein, ein „Tass Tee mit Börgmester“- oder „Tuffelsalat mit Würstchen“-Ersatz solle das Bürgergespräch am Mittwochabend in Freepsum nicht sein, sagte Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) in ihrer Begrüßung vor einem etwa 30 Personen starken Publikum. Dennoch: Fast fühlte es sich an wie die beiden festen Bürgersprechstunden-Formate ihrer beiden Vorgänger Johann Saathoff und Frank Baumann. Nur, dass statt Tee oder Kartoffelsalat eben Wasser und Bier auf den Tischen im Dorfgemeinschaftshaus standen. Was aber wollten die Freepsumer wissen? Die Spannweite reichte von Windkraft bis Spielturm, von Findling bis Bauplätzen – und zwei Themen reichten gar über die Gemeindegrenzen hinaus.
Thema Windkraft: Es war ein Beispiel, aber ein folgenreiches: Neue Windkraftanlagen im Gemeindegebiet – und das möglicherweise im Freepsumer Meer. So wurde beim Besuch des Niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies (SPD) illustriert, wie Naturschutzbelange vor dem Primat der zukünftigen Energieversorgung weichen müssen. Denn inzwischen sind Windkraftanlagen auch in Landschaftsschutzgebieten möglich. Also auch in Freepsum? Für die anwesenden Freepsumer ein Grauen, dem die Bürgermeisterin schnell den Schrecken nehmen wollte. Denn beim Freepsumer Meer handele es sich nicht um ein Landschaftsschutzgebiet, sondern um ein Naturschutzgebiet nach Natura 2000. „Und da sind keine Windkraftanlagen erlaubt.“
Allerdings: Bis Mitte Mai 2022 waren Windkraftanlagen in Landschaftsschutzgebieten zwar formell nicht verboten, wurden in der Praxis aber kaum genehmigt. Durch die EEG-Novelle Mitte Mai hat sich das nun geändert, inzwischen gelten Windkraftanlagen bei Flächenplanung und Genehmigungen als vorrangig.
Die Freepsumer jedenfalls, das ergab ein von Looden gefordertes Stimmungsbild, stehen weiteren Windkraftanlagen mehrheitlich verhalten gegenüber. „Soll Bayern erst mal anfangen“, sagte nicht nur einer.
Thema Spielplatz: Ein neuer Spielturm fehlt dem größten Freepsumer Spielplatz. Kostenpunkt: 14.500 Euro. Zumindest die Hälfte haben die drei Freepsumer Ratsherrn Heiko Ringena (fbl), Jens-Martin Kromminga (CDU) und Friedhelm Bruns (SWK) nun beantragt. Im nächsten Infrastrukturausschuss soll die Politik darüber beraten. Der Rest solle über Spenden finanziert werden. „Das ist genau der richtige Weg. Da kann die Politik kaum ’Nein’ sagen“, sagte Looden. Allerdings: Im gesamten Jahresbudget für die Pflege Krummhörner Spielplätze investiert die Gemeinde pro Jahr nur 5000 Euro. Für alle Spielplätze.
Thema Dorfplatz: Holger Rodiek, Betreiber des Kulturgulfhofes, ist im Haupterwerb Rettungssanitäter. Als solcher sei er schon manches Mal nachts geweckt worden, weil es unweit seines Hauses zu einem Sturz kam, nämlich auf dem im Zuge der Dorferneuerung neu gestalteten Dorfplatz. Dort liegen einige Findlinge, die in dunklen Zeiten zu tückischen Stolperfallen würden. Die sollten weg und durch Poller ersetzt werden, bat Rodiek. Umstrittener war seine Bitte, den einzigen Behindertenparkplatz an dieser Stelle ebenfalls per Poller zu sperren. Der sei nämlich dauerbesetzt – aber nicht von körperlich beeinträchtigten Personen. Die innerörtliche Parkplatzknappheit könne im Zweifelsfall durch eine Betonplatte hinter seinem Hof ausgeglichen werden, die als provisorischer Parkplatz dienen könne.
Thema Bauplätze: Acht neue Bauplätze im Baugebiet Dobbenland in Freepsumer warten auf Bauwillige. Die Vergabe der Plätze solle nun im Oktober starten, sagte Looden. Bevorzugt würden Familien oder junge Erwachsene, „die vielleicht auch einen Kinderwunsch haben.“ Die Vergabe hatte so lange gedauert, weil die weiteren, gemeindeeigenen Bauplätze in Campen, Loquard und Manslagt noch nicht fertig erschlossen waren. „Die sollten aber alle zeitgleich an den Vergabestart gehen.“
Thema Ärztliche Versorgung: Die Idee eines Ärztehauses auf dem alten Edeka-Gelände in Pewsum ist nicht neu. Der Freepsumer und ehemalige Verwaltungs-Mitarbeiter Helmut Wilts schlug nun vor, statt ein Ärztehaus lieber ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) zu realisieren. Gerne auch in Kooperation mit der Gemeinde Hinte oder auch der Samtgemeinde Brookmerland. Looden nahm die Idee dankend auf und verkündete, das Thema ansprechen zu wollen.
Thema Radwege: Kein originäres Krummhörner Thema, aber die Radwege zwischen Groß Midlum und Hinte seien „lebensgefährlich“, sei es der Weg entlang der Landesstraße oder auch über die alte Kleinbahntrasse. Hilke Looden wurde gebeten, das Thema an ihren Hinteraner Amtskollegen Uwe Redenius heranzutragen.
