Emden - Die Stadt Emden hat seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar dieses Jahres offiziell 563 aus dem Krisengebiet geflüchtete Menschen aufgenommen. 346 sind weiblich, 217 männlich. Unter ihnen sind 225 Minderjährige. Diese Zahlen nannte die Stadtverwaltung Ende vergangenen Woche auf Anfrage unserer Redaktion.
Und der Flüchtlingsstrom hält weiter an: Fast jede Woche erreichen im Schnitt 25 weitere ukrainische Flüchtlinge Emden, so die Stadt. Die meisten von ihnen werden Emden inzwischen von der zentralen Aufnahmestelle des Landes Niedersachsen zugewiesen. Zuvor waren viele Flüchtlinge noch direkt zu Verwandten und Freunden in Emden gereist und dort auch teilweise untergekommen.
Immer schwieriger
„In den nächsten Wochen rechnet die Stadt Emden auch weiterhin damit, Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen“, sagte Stadtsprecher Eduard Dinkela. Eine „seriöse Prognose“ zu der weiteren Entwicklung sei dagegen schwierig, das hänge von vielen Einflussfaktoren ab. Vor allem natürlich vom weiteren Verlauf des Krieges, der nun schon seit fünf Monaten anhält.
Nach wie vor ist die Schule Barenburg erster Anlaufpunkt für die Ukrainer. Hier werden die Flüchtlinge zunächst mit allem Notwendigen versorgt – auch mit Informationen, wie es anschließend weitergehen kann. Ziel der Stadt ist es, die Flüchtlingen innerhalb weniger Wochen in eigenen Wohnungen unterzubringen. Aber das wird immer schwieriger.
„Die Stadt ist weiterhin auf der Suche nach Wohnraum für die Unterbringung von Geflüchteten“, bestätigte Dinkela. Derzeit würden der Stadt nicht mehr so viele Wohnungen angeboten wie zu Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar dieses Jahres. Gesucht werden weiter möblierte und unmöblierte Wohnungen in allen Größen. Auch Häuser für größere Familien sind gefragt.
Inzwischen hat auch das Jobcenter einen Großteil der Ukrainer in ihrem Register aufgenommen und kann ihnen so die finanzielle Grundsicherung zukommen lassen. „Wir hatten anfangs mit 500 Geflüchteten gerechnet, was so auch eingetreten ist“, sagte der Chef des Jobcenters, Bernd Leiß, dieser Zeitung. Aber auch hier kommen jeden Tag weitere Menschen hinzu. Nach einer ersten Befragung, in der es vor allem um die Auszahlung von Sozialleistungen ging, haben inzwischen auch schon viele zweite Treffen mit den Beratern des Jobcenters stattgefunden. Dabei ging es auch um die Möglichkeiten der Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Kaum Sprachkenntnisse
Danach gelten bislang rund 260 ukrainische Flüchtlingen als „erwerbsfähig“. Allerdings ist das bislang nur eine theoretische Größe. „Wir sind etwas überrascht wie viele der Flüchtlinge eine gute Ausbildung oder Qualifikation mitbringen“, sagte Leiß. Doch damit sind auch noch zwei Hauptprobleme verbunden: „Es gibt nur wenige mit Englischkenntnissen, Deutsch kann kaum jemand.“ Zudem sind viele Abschlüsse der Ukrainer in Deutschland nicht anerkannt.
Dies versucht allerdings die IQ Anerkennungsberatung des Landes Niedersachsen zu klären. Eine Mitarbeiterin kommt dafür zweimal die Woche aus Leer nach Emden, um die Unterlagen mit den Geflüchteten zu sichten. „Über 60 solcher Gespräche sind bereits geführt worden“, sagte Leiß und lobte die enge Zusammenarbeit. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass Lehrer, Erzieher oder sogar Juristen aus der Ukraine in Deutschland wieder in den Beruf finden.
„Es ist aber ein Trugschluss zu erwarten, dass viele der Geflüchtete unser Fachkräfteproblem lösen werden“, so der Jobcenter-Chef. Das werde noch eine ganze Zeit dauern. Der Hauptgrund dafür ist die Sprache. „Wir bieten allen ein Sprachkurs an, aber das Lernen geht auch nicht von einem Tag auf den anderen.“ Was allerdings für eine positive Entwicklung spricht, sagte Leiß auch: „Die Ukrainer sind überaus motiviert.“
