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Autor Michael Nast im Interview: „Liebe kann auch eine Heimat sein“

07.04.2021
Frage: „Lösung“ ist ja ein geflügeltes Wort – was dürfen die Leser von Ihrem neuen Buch erwarten, und was nicht?

Nast: Es ist natürlich nicht der 10-Punkte-Plan, den wir alle so gern hätten. Das Buch müsste eigentlich „Die Lösungsansätze“ heißen. Es geht darum, sich selbst zu hinterfragen, zu reflektieren und tiefer zu gehen. Zu schauen, was unterbewusst passiert. Ich nehme Situationen aus dem Dating oder übliche Gedanken – die nicht nur ich habe, sondern anscheinend auch viele andere – und breche diese Situation auf. Und da kommen reichlich Fragen auf.

Frage: Und die wären?

Nast: Warum wir eine Liste des perfekten Partners erstellen, warum uns ständig Kleinigkeiten stören, warum wir uns gegen einen Partner entscheiden. Es tut schon etwas weh, beim Lesen dieses Buches so in den Spiegel zu schauen. Ich habe tatsächlich von Leuten gehört, die es zwischenzeitlich kurz weglegen mussten (lacht).

Frage: Ihr Buch „Generation Beziehungsunfähig“ – quasi der erste Teil – hat ordentlich Wellen geschlagen. Wann kam der Gedanke, dass es noch eines weiteres bedarf?

Filmrechte an Schweighöfer-Firma

Michael Nast ist Schriftsteller und Kolumnist. Er wurde 1975 in Berlin-Köpenick geboren. Sein Bruder ist Jan Nast, der Orchesterdirektor der Sächsischen Staats- kapelle Dresden.

Sein Buch „Generation Beziehungsunfähig“ erschien 2016. Es hielt sich über 46 Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in neun Sprachen übersetzt. Die Filmrechte sicherte sich Matthias Schweighöfers Produktionsfirma. Weitere Veröffentlichungen sind: „Der bessere Berliner“ (2009), „Ist das Liebe, oder kann das weg?“ (2014), „#EGOLAND“ (2018) und „Vom Sinn unseres Lebens“ (2019). Michael Nast schrieb unter anderem für das Magazin der „Berliner Zeitung“ und für die Zeitschrift „Freundin“.

Nast: Nachdem der erste Teil erschienen war, hatte die ganze Medienlandschaft, nicht nur in Deutschland, berichtet. Es wurde diskutiert und auch über mein Buch selbst wurden weitere Bücher geschrieben. Da dachte ich, naja – das Problem wird sich wohl erledigt haben.

Ich wollte nie einen zweiten Teil schreiben. Aber irgendwann meinte mein Umfeld, im Dating und der Liebe werde es immer schlimmer. Das wollte ich erst nicht glauben – aber als ich mein eigenes Leben betrachtete, habe ich gemerkt: Ja, das ist wirklich schlimmer geworden! Für mich ist es kein zweiter Teil, sondern eher eine Antwort auf das erste Buch. Im ersten Buch werden die Probleme beschrieben und im zweiten die Wege, da raus zu kommen. Wir sind ja so gepolt, dass wir andere für unser Scheitern im Liebesleben und anderen Dingen verantwortlich machen. Es liegt aber meistens an uns selbst – und das kriegen wir nicht mit.

Viele suchen immer gern den einfachen Weg. In den meisten Fällen führt aber nichts daran vorbei, sich selbst zu hinterfragen und zu ändern. Das Feedback hat gezeigt, dass viele Leute nach diesem Buch ihre gesamte ­Dating-Karriere mit einem ganz anderen Blick sehen. Und das ist der Nutzen dieses Buches.

Frage: Kann Liebe auch eine Art Heimat sein?

Nast: Durchaus! Liebe ist ja nicht Verliebtheit. Letzteres ist der Rausch, Liebe selbst sind die ruhigen Momente. Das Gefühl, angekommen zu sein. Bei einer festen, gesunden Liebesbeziehung bauen sich zwei Menschen zusammen eine Heimat. Und diese Heimat muss ja nicht mal ortsgebunden sein. So kann man Liebe auch am besten beschreiben – eine Heimat. Ein sicherer Hafen. Es ist natürlich auch etwas langweilig, besonders im Alltag – aber Liebe entsteht eben erst mit den Jahren.

Frage: In diesem Jahr soll die Verfilmung von „Generation Beziehungsunfähig“ in die Kinos kommen. Was können Sie dazu schon verraten?

Nast: Erst einmal hoffe ich wirklich, dass der Film tatsächlich im Sommer in die Kinos kommt. Hauptdarsteller Frederik Lau ist witzigerweise ein Kumpel von mir. In der Zeit, in der die Texte aus dem ersten Buch entstanden, hatte ich sehr viel mit ihm zu tun. Er hat irgendwann gesagt, wenn er mich mal spielen würde, hätte er ja jahrelang Zeit zum Recherchieren gehabt (lacht).

Über die Geschichte selbst darf ich leider nicht reden. Aber die Drehbuchautorin Hilly Martinek („Honig im Kopf“) hat die Hauptfigur natürlich etwas unterschiedlich zu meiner Persönlichkeit gestaltet. Die Ängste und inneren Antriebe allerdings hat sie schon sehr gut erkannt. Da hatte ich beim Lesen des Drehbuchs echt Gänsehaut.

Tonia Hysky Redakteurin / Redaktion Kultur/Medien
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