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Ein Jahr nach Zerstörung in Berumerfehn: Tornadoschäden waren „vom Gefühl her wie Krieg“

16.08.2022

Großheide Dass der Ort Berumerfehn vor fast einem Jahr von einem Tornado verwüstet wurde, wird den meisten Besuchern bei der Durchfahrt kaum auffallen. Allenfalls die hohe Zahl neuer Dächer und junger Hecken könnte Ortsfremde, denen das Fehlen vieler alter Bäume und Gartenhäuser nicht auffallen wird, stutzig machen. Für die Bewohner und auch die Großheider Gemeindeverwaltung ist das schwere Unwetter, das sich am Abend des 16. August im Vorjahr ereignete, aber bis heute „ein kritisches Thema“, wie Bürgermeister Fredy Fischer (CDU) bei einer Begehung im Ortskern erklärt. Er selbst weiß noch genau, wie er von dem Tornado erfuhr: „Ich hatte meinen ersten Urlaubstag und wurde vom Gemeindebrandmeister Thomas Rohdemann angerufen, dass etwas passiert sei, ich müsse unbedingt kommen.“ Bei der Ankunft in Berumerfehn „war das vom Gefühl her wie Krieg“, so Fischer, dem das damalige Bild der Zerstörung demnach bis heute sehr nahe geht. Rohdemann und er gingen damals „von Haus zu Haus“, um mit Anwohnern zu sprechen, erinnert der Bürgermeister. Er habe sich stellenweise überfordert gefühlt, gibt Fischer unumwunden zu, „die ruhige Art der Einwohner, die typisch für den Ort ist“, sei aber hilfreich gewesen.

Ein Jahr später: Ortsbrandmeister Thomas Rohdemann (von links), Bauamtsleiterin Martina Meyer und Bürgermeister Fredy Fischer beim Gang durch Berumerfehn. Auch wenn von den Schäden des Tornados im Jahr zuvor kaum etwas zu sehen ist, wird hinter den Kulissen bis heute repariert und renoviert.
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Gemeinde bleibt auf sechsstelligen Kosten sitzen

Die im Nachgang festgestellten Tornado-Schäden für die Gemeinde hatten zwar nicht dieselbe Dimension wie die von Hausbesitzern – allein die Ostfriesische Brandkasse hatte Schadensleistungen in Höhe von 1 Million Euro vermeldet –, eine bittere Pille sei das trotzdem, wie Bauamtsleiterin Martina Meyer sagt. „180.000 Euro Schäden an unseren Gebäuden und Installationen wurden von Versicherungen gedeckt, aber dazu kommen noch viele Kleinigkeiten, die unversichert sind und die nochmal eine sechsstellige Summe ausmachen.“ Dazu zählt der Verlust von rund 700 Bäumen, allein 70 auf dem Schulhof der Grundschule in Berumerfehn. Auf diesen Kosten bleibe die Gemeinde sitzen, so Fischer. „Wir haben keine extra Hilfe vom Kreis oder dem Land bekommen, das müssen wir alleine stemmen.“ Dadurch fielen andere Projekte in Großheide zwar vorerst weg, „das, was gemacht werden musste, haben wir aber gemacht.“ Ein Wunsch, den der Bürgermeister und die Bauamtsleiterin in diesem Zusammenhang äußern, ist: „Im Notfall würden wir gern die Ausschreibung von Arbeiten anders handhaben dürfen, damit es nicht so lange dauert.“

Die Grundschule in Berumerfehn nach dem Tornado: Die meisten Bäume auf dem Gelände waren gestürzt, viele Spielgeräte und auch das Gebäude hatten Schaden genommen. Bild: Arne Haschen
Ein Jahr später sieht es deutlich aufgeräumter auf – noch aber fehlen Spielgeräte, und das Dach der Einrichtung muss komplett erneuert werden, weil es nicht mehr dicht ist. Bild: Arne Haschen

Berechtigte Kritik an Grundschul-Einschränkungen

Denn auch wenn Berumerfehn, von außen betrachtet, aufgeräumt erscheint, sind die Arbeiten im Nachgang des Tornados bis heute nicht beendet, wie Fischer erklärt. „Man hat jetzt im Sommer gut gesehen, dass hier und da im Ort noch gebaut wurde.“ Lieferschwierigkeiten im Bausektor hätten, genau wie auch für die Gemeinde, bei Bewohnern für teils sehr langwierige Reparaturen gesorgt. „Was bei uns noch aussteht, sind neue Spielgeräte und ein neues Dach für die Grundschule“, so der Bürgermeister. Deswegen habe es bereits Kritik gegeben, „sicher auch zu Recht“, doch schneller habe man es nicht organisieren können – vor allem die Spielgeräte für den Hof hätten sehr lange Lieferzeiten. Ein neues Dach für die Schule war bereits geplant, wird jetzt aber vorgezogen, denn: „Wie wir beim ersten Starkregen nach dem Tornado festgestellt haben, ist das reparierte Dach leider undicht“, wie Martina Meyer erklärt. Der Ersatz schlägt demnach mit 400.000 Euro zu Buche, Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein.

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Das alte Feuerwehrhaus und Heimat des Taubenzüchtervereins im Ort nach dem Tornado: Großer Schaden an Dächern und Giebel. Bild: Arne Haschen
Genau wie bei vielen Nachbarhäusern wurde seitdem das Dach neu eingedeckt, von den Tornadoschäden ist äußerlich nichts mehr zu sehen. Bild: Arne Haschen

50.000 Euro für neue Bäume und Bänke im Ort

Ebenfalls bereits im Herbst will sich die Gemeinde um die Wiederherstellung des Ortsbilds von Berumerfehn kümmern: Von den rund 100.000 Euro gesammelter Spendengelder für betroffene Hausbesitzer war nach der Zuteilung über ein dreiköpfiges Sondergremium am Ende fast die Hälfte übrig geblieben. Der Gemeinde stehen deshalb jetzt 50.000 Euro für Grünpflanzen „und die eine oder andere Parkbank“ zur Verfügung, sagte Fischer. Eine örtliche Arbeitsgruppe erarbeite ein Konzept für die Anschaffungen, damit es eine Lösung „von Berumerfehnern für Berumerfehner“ sei.

Nachdem der Ort innerhalb von elf Jahren zweimal von einem Tornado heimgesucht wurde – bereits 2010 hatte ein solcher im nördlichen Berumerfehn für Schäden an Gebäuden und Bäumen gesorgt –, sei man aber nicht besser für ein mögliches drittes Mal gerüstet, stellte Fredy Fischer fest. „Das kann man nicht, dafür hat ein Tornado zu große Macht.“

Arne Haschen Redakteur / Redaktion Norden
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