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Musiker Aus Hude Trotz Corona Aktiv: Auch in der Krise kreativ bleiben

11.05.2020

Hude Hoch gewachsene Gräser, zwischendrin unzählige flauschige Pusteblumen. Der Himmel hell, die Bäume im Hintergrund satt grün. Es ist Mai. Mitten auf der Wiese ein Blickfang. Ein weißer Flügel, ein kleiner Hocker davor. Josef Barnickel hat darauf Platz genommen, der Pianist trägt einen Hut und eine breite dunkle Sonnenbrille. So dürfte er Musik machen. Auch in Zeiten von Corona, mitten in der Natur, ohne Publikum. Doch das Foto und die Situation ist aus dem vergangenen Jahr.

Aus 100 mach’ 0

Der Mai 2020 sieht gänzlich anders aus, obwohl das Wetter ebenso sonnig, ebenso freundlich ist, die Bäume grün und die Wiesen voller Pusteblumen. Aber die Corona-Krise legt sich wie ein dunkler Schatten über den Alltag. Auch über den der Musiker.

Josef Barnickel hätte allein bis Ende August rund 100 Auftritte gespielt. Jetzt sind es Null. „Naja, nicht ganz“, wie der 40-Jährige berichtet. Er muss lachen. Seine Laune will er sich nicht verderben lassen. Ebenso wenig wie seine Kreativität. Doch dazu später mehr. Barnickel gibt auch Klavierunterricht. „Den machen wir jetzt zum Teil per Video, das klappt ganz gut.“ Trotzdem freuten er – und auch seine Schüler – sich, wenn Treffen wieder möglich sind. Neue Wege zu gehen mache ihm durchaus Spaß.

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„Kurz vor Ostern meinte meine Frau, dass ich doch mal einen Song über Corona schreiben könnte“, erinnert sich der 40-Jährige. Und so entstand „The magic of hope“ – Der Zauber der Hoffnung, zusammen mit der Sängerin Emi Adomakoh. „Genau das fühle ich gerade. Ich bin zwar zum Teil wirklich niedergeschlagen, aber es kann auch eine Chance sein“, befindet Barnickel. Lange dürfe dieser Shutdown, der für ihn einem Berufausübungsverbot gleichkommt, aber nicht mehr gehen. „Wir waren die ersten, die aufhören mussten. Und weil die Veranstaltungen, auf denen wir spielen, meist größer sind, werden wir auch die letzten sein, die wieder beginnen.“ Jeder abgesagte Termin fühle sich an „wie ein Stich ins Herz“. Ein Auftritt im Januar 2021 sei ihm bereits gecancelt worden. „Wenn ich das weiterspinne, dann wird klar, dass ich einen extrem guten Plan brauche, um meine Familie weiter zu ernähren.“

Mit seiner Frau hat er zwei Söhne, er ist Alleinverdiener. Soforthilfen sind in Barnickels Fall schwierig zu bekommen. „Ich habe kein Büro gemietet– ich spiele im Wohnzimmer. Unterricht gebe ich bei den Menschen Zuhause. Ich darf aber nur diese Betriebskosten mit der Soforthilfe decken. Als Verdienstausfall-Ersatz ist sie nicht gedacht.“

In der Krise kreativ sein

Doch nun zurück zur Kreativität. Was ein waschechter Musiker ist, der kann natürlich nicht ohne Musik. „Ein Bekannter fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte, vor einem Seniorenheim zu spielen und ich fand die Idee gleich klasse“, berichtet Barnickel. Gesagt, getan. „Ich habe so etwas noch nie erlebt. So viel Herzlichkeit und Dankbarkeit. Das war wirklich sehr berührend“, beschreibt Barnickel den Auftritt. „Ohne Corona hätte ich das nie erlebt. Man muss in Allem das Positive suchen.“ Auch für den Muttertag am Sonntag, 10. Mai, hat Barnickel einen Plan. Er wird kleine Privatkonzerte spielen, „mit Abstand versteht sich“.

Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt trifft die Corona-Krise auch Musiker Stefan Laube. Der 31-Jährige ist erst vor Kurzem mit seiner Frau Yana nach Hude gezogen. Die beiden haben ein kleines Häuschen gekauft und vor drei Wochen kam ihr Sohn auf die Welt. Noch einen Tag zuvor nahm das Ehepaar einen Song auf Video auf. Da Yana Laube hauptberuflich Lehrerin ist, sieht es derzeit wirtschaftlich für die frisch gebackenen Eltern noch nicht ganz so dramatisch aus.

Dennoch: „Lange darf es nicht anhalten. Dass mal weniger Geld reinkommt, damit kann man kalkulieren. Aber nicht mit einem solchen Totalausfall“, skizziert Stefan Laube. Mit seiner Band „David und die Kernigen“ hatte er gerade erst frisches Material produziert – und kann es nun nicht aufführen. Er hält sich mit digitalem Instrumentalunterricht über Wasser: Klavier, Gitarre oder Schlagzeug. „Doch das greift natürlich nur bei Einzelschülern. Größere Kooperationen fallen auch flach“, macht der Musiker deutlich. Auch ab von den Finanzen fehlen dem Musiker die Auftritte, die Atmosphäre, das Gefühl, wenn das Publikum klatscht. „Ich mache das aus Leidenschaft. Deshalb ist es gerade doppelt hart“, beschreibt er seine Situation.

Alles anders nach Corona

Selbst wenn die Auflagen wieder gelockert werden: Stefan Laube ist überzeugt, dass sich alltägliche Abläufe ändern werden. „Die Menschen sind verunsichert. Da stellt sich die Frage, ob sie überhaupt so schnell wieder auf Konzerte oder in Restaurants, zu Feiern gehen. Das hängt ja alles miteinander zusammen: Die Event- die Gastronomie- und die Künstlerbranche.“

Aus denselben Gründen wie Josef Barnickel erhält auch Laube keine Soforthilfe. „Ich finde das auch widersprüchlich. Ich soll meine Rücklagen aufbrauchen wegen einer Berufseinschränkung, die mir von außen auferlegt wurde“, so Laube. Er ist ein bisschen ratlos, wie es weitergehen soll. Den Kopf in den Sand stecken will er dennoch nicht: „Musiker müssen ja immer mal wieder improvisieren.“

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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