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NWZonline.de Plus Adipositas

Fettleibige sind nicht nur dick, sondern schwer krank

30.04.2019

Brake /Wesermarsch Fettleibigkeit: wahrlich kein schönes Wort. Und doch absolut zutreffend für die chronische Krankheit, die ansonsten auch Adipositas genannt wird und eine Ansammlung von so viel überschüssigem Fett im Körper meint, dass die Gesundheit dadurch geschädigt wird.

Ein krankhaftes Übergewicht: Das sind nicht ein paar Kilo zuviel auf den Rippen. Adipositas-Patienten haben aufgrund ihres massiven Übergewichts mit deutlichen körperlichen Einschränkungen, Schmerzen und häufig schwerwiegenden Begleiterkrankungen zu kämpfen.

Vor allem das Bauchfett mache krank, bestehende Erkrankungen würden schlimmer, neue kämen hinzu. „Früher war Hepatitis C die Hauptursache für Lebertransplantationen, heute ist es die Fettzirrhose der Leber“, erklärt Dr. Jan Henrik Herrfurth, ärztlicher Direktor des Braker St.-Bernhard-Hospitals und Leiter des dort ansässigen Adipositas-Zentrums.

Fettleibigkeit

Wer unter Adipositas leidet, hat eine deutlich verkürzte Lebenserwartung: das sagen die Statistiken. Der hohe Fettanteil im Körper bewirke, dass der Körper einerseits mehr Masse bewegen und diese Masse auch mit Sauerstoff versorgen muss. Neben dem Gewicht und dem Body Mass Index (BMI) ist auch die Verteilung des Fettes am Körper von Bedeutung: Bauchfett ist besonders gefährlich.

Fettleibigkeit wird auf falsches Ernährungs- und Bewegungsverhalten, psychische Faktoren und eine genetische Grundveranlagung zurückgeführt.

Nicht nur körperlich leiden Betroffene. Auch die sozialen, psychischen und wirtschaftlichen Konsequenzen können gravierend sein. Diskriminierung, Depressionen, Probleme im Beruf: Fettleibige Menschen haben es im Alltag schwerer.

„Bluthochdruck, Diabetes Typ II, die Belastung des Herzens, das in so einem Körper viel mehr arbeiten muss, die verfrühte Verkalkung von Arterien, Fettstoffwechselstörungen, Lungenerkrankungen aufgrund der eingeschränkten Atemhilfsmuskulatur“, zählt Herrfurth Erkrankungen auf, die zum Gepäck der Fettleibigkeit gehören. Auch Krebserkrankungen sollen bei adipösen Menschen häufiger auftreten als bei normalgewichtigen. Das Risiko für einen Schlaganfall sei erhöht, die Lebenserwartung verkürzt.

Dazu komme das vermehrte Auftreten von Gallen- und Nierensteinen, Schnarchen und Atemaussetzer beim Schlafen und „immer wieder der Rücken“, wie der Mediziner erläutert. Die Lendenwirbelsäule mache das nicht mit, der Körper sei chronisch überlastet, Gelenkbeschwerden in Hüften, Knien und Sprunggelenken die Konsequenz. „Der Patient bewegt sich eigentlich kaum noch“, so Herrfurth: „Unsere Patienten nur noch rund 400 Meter am Tag im Durchschnitt.“

Dann kommt der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt: Eine Reduzierung des Gewichts schaffen die Betroffenen aus eigener Kraft nur in sehr seltenen Fällen, so die Erfahrung des Mediziners, die gesundheitliche Situation erfordert aber ein Handeln. Häufig werde dann der Antrag für eine Operation gestellt. Magenverkleinerung heißt das Ziel, dahinter stecken aber verschiedene Operationsmethoden. Die NWZ stellt die gängigsten Verfahren vor.


Der Magenballon

Der Magenballon wird im Rahmen einer Magenspiegelung durch den Mund und die Speiseröhre in den Magen eingesetzt und dort mit Flüssigkeit (400 bis 750 ml) gefüllt. Der Ballon füllt also einen Teil des Magens aus, so dass dieser ein niedrigeres Fassungsvermögen hat und sich das Sättigungsgefühl bei den Mahlzeiten schnell einstellt.

Im Braker Adipositas-Zentrum ist der Magenballon meist Teil eines mehrschrittigen Verfahrens für Patienten mit extremer Adipositas und Begleiterkrankungen sowie eines hohen Operationsrisikos aufgrund ihres Übergewichts. Der Magenballon kann als erster Schritt in der Behandlung vor einer eigentlich Magenverkleinerung zu einer Gewichtsabnahme von bis zu 20 Prozent des Übergewichtes führen. Der Magenballon hilft aber nicht dauerhaft: Nach 6 Monaten muss er wieder entfernt werden, da der Ballon durch die Magensäure porös werden kann. Dann droht die erneute Gewichtszunahme.

Durch die mit dem Ballon erreichte Gewichtsreduktion kann die eigentliche Magenverkleinerung unter besseren Bedingungen und mit geringeren Risiken durchgeführt werden.

Der Schlauchmagen

Der Schlauchmagen ist die mittlerweile am häufigsten durchgeführte Operation an Adipositas-Patienten in Brake. Er wird bei einer Schlüssellochoperation gebildet. Bei dem Eingriff wird ein Stück des Magens entfernt, so dass beim Essen schon nach kleinen Portionen ein Sättigungsgefühl eintritt.

Das Magenvolumen beträgt nach der Operation etwa noch 80 bis 120 ml. Bei dem Verfahren entsteht ein neuer Magen in Form eines etwa 20 cm langen Schlauchs („Sleeve“) – „vergleichbar etwa mit einer kleinen Banane“, erklärt Dr. Jan Henrik Herrfurth. Außerdem wird bei der Operation der Teil des Magens entfernt, in dem das appetitanregende Hormon Ghrelin produziert wird. Heißt: Das Hungergefühl wird reduziert, der Betroffene fühlt sich wohler.

Bei der Operation werden – im Vergleich zum Bypass – keine Umleitungen oder Neuverbindungen des Darms vorgenommen, was den Eingriff weniger komplex macht.

Nach der Operation muss der Patient eine Diät einhalten sowie Vitamine einnehmen, um kontrolliert abzunehmen.

Der Magenbypass

Der Magenbypass schränkt nicht nur die Nahrungsaufnahme ein, sondern auch die Resorption von Nährstoffen. Beim Magenbypass handelt es sich ebenfalls um eine laparoskopisch durchgeführte Operation. Dabei wird einerseits der Magen verkleinert, es werden aber auch Teile des Verdauungssystems überbrückt.

Einige Abschnitte des Dünndarms werden nach der Operation umgangen: Die Aufnahmefläche für die Nahrung wird also verringert, Speisebrei und Gallensaft sowie Bauchspeicheldrüsensekret werden teilweise getrennt. Es kann somit weniger Nahrung verdaut werden.

Den Zwölffingerdarm passiert die Nahrung gar nicht mehr, was zu einer hormonellen Reaktion führt, die das Hungergefühl positiv beeinflusst.

Der Magenbypass hilft sehr erfolgreich bei der Gewichtsreduktion und kommt oft bei Patienten zur Anwendung, bei denen andere Verfahren wie Ballon, Magenband und Schlauchmagenbildung nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben.

Was alle Operationen gemeinsam haben: Sie bewirken, dass der Patient nur noch kleinere Portionen essen kann. „Das sind gewollte Essbremsen“, so Dr. Herrfurth. Ein Brötchen sei vielleicht noch zu schaffen oder ein Becher Joghurt. „Essen wird auf jeden Fall günstiger“, erklärt Herrfurth augenzwinkernd. Doch Spaß beiseite: „Ein Adipositas-Patient bleibt ein Leben lang Patient.“ Die Ernährung muss ausgewogen und gesund sein, wer selbst mit kleinerem Magen nur Süßigkeiten oder Fastfood isst, wird dauerhaft keinen Erfolg haben. Wer weiter zu viel isst, dehnt seinen Magen auch wieder.

Auch die zusätzliche Einnahme von Vitaminen, Proteinen und Mineralien gehört zum leichteren Leben dazu, ansonsten droht ein Abrutschen in Mangelerscheinungen, die andere Erkrankungen nach sich ziehen. Nachsorge und regelmäßige Kontrollen seien deshalb wichtig, so Herrfurth.

Und: Sport muss fest im Alltag verankert werden. Doch mit jedem schwindenden Kilo wird Bewegung wieder leichter, macht mehr Spaß. Gerne auch in der Gruppe mit anderen Betroffenen – gemeinsam wird vieles leichter.

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Anja Biewald Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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