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NWZonline.de Plus Adipositas

Jeder Schritt führt in die richtige Richtung

29.05.2019

Brake /Wesermarsch Die Begeisterung für Sport war wahrscheinlich nie wirklich da, schon in der Kindheit nicht. Und mit stetig steigendem Gewicht nahm die Bereitschaft zur Bewegung immer weiter ab – bis hin zur Bewegungslosigkeit könnte man sagen. Denn viel fehlt dazu nicht.

„Unsere Patienten legen im Durchschnitt nur rund 400 Meter am Tag zurück“, sagte Dr. Jan Henrik Herrfurth. Er leitet das Adipositas-Zentrum des Braker St.-Bernhard-Hospitals und meint mit seinen Patienten stark übergewichtige Menschen, die auch mal 200 Kilogramm und mehr auf die Waage bringen und mittlerweile physisch in einem Zustand sind, in dem jeder Schritt zur Herausforderung wird. „400 Meter sind quasi nichts“, betont Herrfurth und verweist auf gravierende Begleiterkrankungen, die mit der krankhaften Fettleibigkeit einhergehen – darunter auch Bandscheibenvorfälle, fortschreitende Arthrose, also der frühzeitige Verschleiß in den Gelenken wie Hüfte, Knie und Sprunggelenk, die Entstehung von Plattfüßen und Luftnot. Treppensteigen, selbst ein kurzer Fußweg oder schon das Zubinden der Schnürsenkel sind für Betroffene eine Last. Dabei kennt der Mediziner nur einen Ausweg aus der Bewegungslosigkeit: nämlich Bewegung.

Wer unter Adipositas, also krankhaftem Übergewicht, leidet, abnehmen will und an Mobilität und damit Lebensqualität dazu gewinnen will, der muss wieder in den Tritt kommen. Und das im wahrsten Sinne. Herrfurth empfiehlt – zumindest für den Anfang: Spazieren gehen und/oder im Schwimmbecken Bahnen ziehen, was besonders angenehm für die stark belasteten Gelenke ist. Jeder Schritt sei dabei einer in die richtige Richtung.

Ein echtes Schwergewicht kann sich nicht vom Sofa hochhieven, die Joggingschuhe anziehen und losrennen, so eine Belastung würde der Patient nicht durchhalten. Aber Fritz Borchers, Betreiber von Physiofitness in Brake, macht auch klar: „Ohne Anstrengung geht es nicht.“ Was nicht anstrengend ist, ist kein Sport und bringt den Betroffenen nicht voran. Auch der Fitness-Fachmann rät: „Die Alltagswege sollten grundsätzlich zu Fuß zurückgelegt werden.“ Oder im Anschluss an die Mittagspause ein Spaziergang unternommen werden – jeder Meter zählt.

Sportangebote für Adipositas-Patienten

Schwimmen ist in einer Adipositas-Gruppe im Brommy-Bad Brake immer dienstags von 9 bis 10 Uhr möglich. Im Wurpland Bad Elsfleth kann freitagsvormittags geschwommen werden. Infos gibt es unter Telefon  04404/2107. Zusätzlich treffen sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppe Robustus zum Schwimmen. Hier kann die Leiterin Melanie Reents angesprochen werden: Telefon  0157/36161377. Außerdem trifft sich die Gruppe an jedem ersten Dienstag im Monat um 18.30 Uhr im Pfarrheim der St.-Marien-Kirche Brake, Breite Straße 55.

Angebote für stark Übergewichtige gibt es zudem bei Physiofitness in Brake, Elsfleth und Nordenham (Telefon  04401/6382), bei Fit for ever in Berne (Telefon  04406/920596), der Sportakademie Sibel (Telefon  04401/8292780) sowie Physiotherapie Reha Brake (Telefon 04401/108181). 

Die Bewegungstherapie im Zusammenhang mit einer Behandlung im Adipositas-Zentrum Brake setzt auf mindestens zwei Stunden sportliche Betätigung pro Woche – auch über die eigentliche Therapie mit Gruppensitzungen und und praktischen Bewegungseinheiten hinaus. Empfohlen wird die Dokumentation in einem Bewegungstagebuch.

Mitglieder der Braker Adipositas Selbsthilfegruppe „Robustus“ treffen sich übrigens regelmäßig zum Schwimmen – in der Gruppe fällt es leichter, in Badesachen zu steigen. Hierfür ist die Leiterin Melanie Reents die richtige Ansprechpartnerin. Sie ist unter Telefon  0157/36161377 erreichbar.

Für Borchers ist mehr Bewegung im Alltag aber nur ein Baustein, er rät zum gezielten Training, beispielsweise an Geräten im Studio, weil dabei alle Muskelgruppen angegangen werden können. „Am Anfang kann es dabei auch zu einer Gewichtszunahme kommen, weil die Muskelmasse schneller wächst als das Fett schwindet“, erklärt Borchers. Aber der Erfolg werde mit einem Zirkeltraining in einer Kombination aus Muskelaufbau und Konditionstraining schon nach wenigen Wochen sichtbar – vor allem beim Messen des Bauchumfangs.

Gewicht, Umfang, das Verhältnis von Körperfett und Muskelmasse, Beschwerden, Ziele – alles werde vor Beginn eines Trainings aufgenommen und dokumentiert, der Fortschritt ebenfalls dokumentiert. Dreimal die Woche eine gute halbe Stunde an den Geräten: das reicht. „Mehr mache ich für mich auch nicht“, sagt Borchers. Das sollte doch zu schaffen sein. Oder?

Leider zu oft nicht. Denn vor allem am mangelnden Durchhaltevermögen würden Adipöse immer und immer wieder scheitern. „Die tauchen oft einfach nicht wieder auf“, berichtet Borchers aus seiner Erfahrung. Häufig auch schon nach wenigen Trainingseinheiten. Er habe auch schon Gruppenangebote für Adipöse aufgelegt – gemeinsam sportelt es sich leichter. Doch ohne Erfolg. Oder liegt’s am Geld? An den Kosten für den Sport, die die Krankenkassen in aller Regel nicht übernehmen? „Ich sehe das nicht als Problem“, sagt der Braker. Auch wenn viele Betroffene nicht im finanziellen Überfluss leben würden. „Sport, die eigene Gesundheit, Fitness: Das muss etwas wert sein. Was nichts kostet, wird nicht geschätzt.“ Und ohne es in irgendeiner Art despektierlich zu meinen, weißt der Fachmann darauf hin, dass Betroffene bei der Ernährung viel Geld einsparen könnten. Allein schon, weil im Alltag das Essen oft von Bringdiensten an die Tür geliefert werde.

Für den Betreiber von Physiofitness steht fest, dass der innere Schweinehund so ziemlich das größte Hindernis beim Abnehmen darstellt. Deshalb hat er noch einen weiteren Tipp parat: ein Ernährungstagebuch zu führen. „Es gibt wirklich gute kostenlose Apps zum Download“, so Borchers. Mit diesen könne man die Mahlzeiten erfassen, Kalorien werden automatisch ausgerechnet und ausgewiesen. „Es ist etwas anderes, wenn man schwarz auf weiß sieht, was man gleich essen will. Da fragt man sich häufiger, ob das jetzt wirklich sein muss oder man lieber etwas anderes isst“, so Borchers. Zahlreiche Apps würden auch sportliche Aktivitäten berücksichtigen und beim täglichen Kalorienbedarf mit einrechnen. Auch können sportliche Ziele in den Apps definiert werden.

Ein Beispiel ist die App „Was ich esse“ vom Bundeszentrum für Ernährung.
Lesen Sie auch die folgenden Teile aus unserer Serie:
Wer richtig isst, der nimmt auch ab
Vom großen Traum, ein Uhu zu sein

Der Magen muss durchs Schlüsselloch

Nicht nur dick, sondern schwer krank
Der schwere Weg zum leichteren Ich


     www.bzfe.de 
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Anja Biewald Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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