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Hoepner-Zwillinge Planen Ein Abenteuer Auf Carbonrohren aus Ahlhorn ins Alaska-Eis

Daniel Schumann

Ahlhorn/Berlin - Es klingt nahezu unmöglich: Die Zwillinge Paul und Hansen Hoepner wollen mit einem zu großen Teilen selbst erdachten und gebauten Amphibienfahrzeug innerhalb von sechs Monaten etwa 4000 Kilometer durch Alaska fahren, schwimmen und klettern – von den südlich gelegenen Aleuten ins nördliche, nur etwa 2200 Kilometer vom Nordpol entfernte Prudhoe Bay. Die Krux – das Fahrzeug soll nur durch Muskelkraft bewegt werden. Los gehen sollte es nach Plan im August.

„Das wird vermutlich nach hinten verschoben“, lässt Paul Hoepner durchblicken. Bei einem Projekt, bei dem jedes Bauteil eigens konzipiert und produziert werden müsse, sei dies nicht weiter verwunderlich, weiß der 37-Jährige. Zu spät darf es nicht losgehen: In der Schmelzzeit, die 2018 bereits im Mai begann, drohen reißende Flüsse, die die Reise unmöglich zu machen.

Dritte Ausnahmereise

Für die Gebrüder Hoepner wird es nicht die erste Ausnahmereise, die sie unternehmen. 2012 ging es auf einer siebenmonatigen Reise über 13 600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach Shanghai. 2015 reisten sie in 104 Tagen ohne Geld um die Welt. Ihr jetziges Projekt „Zwei im Eis“ geht aktuell in die heiße Phase. Derzeit bauen die Zwillinge die zweite Version ihres Amphibiengefährts „Urmel“ zusammen, die Teile der Zulieferer treffen nach und nach in ihrer Berliner Werkstatt ein.

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Einige der zwischen 600 und 1000 Teile umfassenden Konstruktion kommen aus Ahlhorn. Die Firma Dr. Dietrich Müller ist ein Kunststoffverarbeiter, der auf Kundenwunsch Problemlösungen erarbeitet. „Die Kunden schildern uns ihr Problem und wir schauen, mit welchem Werkstoff dieses Problem gelöst werden kann“, beschreibt Michael Müller, Projektleiter bei dem Familienunternehmen.

Eines dieser Probleme könne etwa sein, dass ein Material für die Batterie eines Elektroautos gesucht werde, welches eine bessere Wärmeabfuhr und eine höhere Temperaturbeständigkeit aufweist als das bisher vom Kunden verwendete Material. Oder eben der Wunsch nach Carbonrohren für den Rahmen eines Amphibienfahrzeugs.

Auf der Suche nach einem „alten Hasen im Geschäft mit der nötigen Kompetenz und dem Know-how“ habe man zehn verschiedene Unternehmen kontaktiert, wie die Brüder schildern. „Die Firma Dr. Müller war zum einen die erste, die auf unsere Anfrage geantwortet hat, zum anderen fühlten wir uns dort von Anfang an gut aufgehoben“, begründet Paul Hoepner die Entscheidung pro Dr. Müller. Die Ahlhorner Firma ist eine von vielen Spezialfirmen, die die gebürtig aus Singen am Hohentwiel stammenden Hoepners unterstützen.

„Die Brüder sind über unseren Onlineshop auf uns aufmerksam geworden und haben bei uns angefragt, ob wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen könnten“, erzählt Müller. Angefangen habe es mit einem Dreizeiler der Zwillinge nach dem Motto, wie sieht’s denn mit einem Sponsoring aus, erinnert sich Marcel Adler, der für den Onlineshop des Kunststoffverarbeiters zuständig ist.

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Tragende Rolle

Den Teilen aus dem Hause Dr. Müller kommt bei dem Vorhaben der Zwillinge eine im wahrsten Wortsinn tragende Rolle zu. „Carbon ist bei gleicher Stabilität halb so schwer wie Aluminium und zeichnet sich überdies durch bessere thermische Eigenschaften aus“, erläutern die Hoepners. Mit den Teilen aus Ahlhorn gelinge es, etwa 50 Prozent des ursprünglichen Gewichts einzusparen.

Die erste Version des von den Zwillingen auf den Namen „Urmel“ getauften Amphibienfahrzeugs bestand zu großen Teilen aus Aluminium. „Im Gegensatz zu dem Aluminium passiert nicht unbedingt gleich etwas, wenn man Carbon bei -30 Grad Celsius anfasst“, lächelt Hoepner.

Seit etwa zwei Jahren beschäftigen sich die Hoepners mit dem Mammutprojekt, das zwischenzeitlich vor dem Aus stand. Das initiierte „Crowd-funding“, ein Spendenaufruf der Zwillinge, blieb hinter den Erwartungen zurück. So verwirklichten sich die beiden den lange gehegten Traum von einem Gefährt, das sich über Land und Wasser, über Stock und Stein fortbewegen kann, zunächst mit billigen Materialien und bauten Urmel in der eigenen Werkstatt. Mit dem Prototypen kamen neue Sponsoren, sodass schnell eine optimierte, leichtere Variante des Fahrzeugs geplant wurde.

An Land und über Wasser

„Wir haben viel vom ersten Fahrzeug gelernt und konnten unter anderem einen besseren Antrieb entwickeln“, sagen die Hoepners. Die Räder sollen mechanisch umfunktioniert werden können und so sowohl rollen als auch laufen können und den Antrieb im Schnee wie auch im Wasser bieten. Für eine Fahrt über Wasser sollen Pontons unter Urmel angebracht werden.

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Komfort gibt es für die beiden unterwegs kaum. „Ein bisschen Windschutz“ sei eingeplant, ansonsten böten ein normales Zelt, eine Isomatte und ein Schlafsack den einzigen Komfort. Das Abenteuer wird „auf jeden Fall im Fernsehen“ zu sehen sein, noch ist nicht klar, in welcher Form und mit welchem Sender sie kooperieren. Begleiten kann man die beiden aber auch schon jetzt – sie präsentieren die Fortschritte des Projekts in einem Vlog auf ihrem Youtube-Kanal.

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