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nordwest-zeitung

Präventionskampagne Im Ammerland Achtung, Achtung! Hier spricht nicht die Polizei!

Ammerland - Das Telefon klingelt bei einer älteren alleinstehenden Dame. „Hier spricht die Polizei“, heißt es am anderen Ende. Sie wird gewarnt, dass bei einem festgenommenen Einbrecher ein Zettel gefunden wurde mit ihrem Namen und ihrer Anschrift darauf. Sie soll Bargeld und Schmuck in Sicherheit bringen und möglichst noch ihr Erspartes. Gutgläubig geht sie darauf ein und wird am Ende um ihre Wertsachen gebracht.

Präventionstipps der Polizei

Ansprechpartner in Fragen der Prävention ist Kriminalhauptkommissar Michael Schröder. Er ist bei der Polizei in Westerstede unter t 0 44 88/ 83 31 24  zu erreichen und für den gesamten Landkreis Ammerland zuständig. Er gibt Tipps, wie ältere Menschen vermeiden können, dass Kriminelle auf sie aufmerksam werden. Folgende Hinweise sollten unbedingt beachtet werden:

Ihre Polizei würde Sie am Telefon nie über über Ihre Vermögensverhältnisse ausfragen und Sie dazu bewegen, Geld oder Wertsachen auszuhändigen.

Seien Sie misstrauisch und lassen sich nicht unter Druck setzen! Sie haben immer Zeit für eine Rücksprache mit Angehörigen oder Vertrauten.

Die Telefonnummer, die im Display Ihres Telefons angezeigt wird, ist in vielen Fällen die tatsächlich existente Rufnummer einer Polizeidienststelle. Dies ist leicht durch Manipulationen zu erreichen.

Lassen Sie sich nicht vom Anrufer verbinden. Legen Sie auf, suchen Sie selbstständig die Rufnummer Ihrer nächsten Polizeidienststelle heraus und melden dort den Vorfall. Natürlich ist dies auch über Notruf 110 möglich.

Lassen Sie über Ihren Telefonanbieter den kompletten Vornamen und die Anschrift aus dem Telefonbuch (auch online) streichen.

Betrüger geben sich in jüngster Zeit nicht nur als Polizeibeamte, sondern auch als Richter, Staatsanwälte, Bankmitarbeiter oder andere Amtspersonen aus.

Das gibt es nicht? Doch und zwar durchaus häufiger, als man ahnt. „Nachdem der Enkeltrick nicht mehr so gut funktioniert, stellen wir eine Häufung der Masche mit falschen Polizeibeamten fest. Die Dunkelziffer ist sicherlich hoch, denn viele Opfer schämen sich. Versuche werden uns dagegen häufiger gemeldet, das sind allein im Ammerland manchmal 20 bis 30 am Tag“, sagt Michael Schröder, Präventionsberater bei der Polizei in Westerstede.

Lukratives Geschäft

Das lukrative Geschäft mit der Gutgläubigkeit älterer Menschen wird vom Ausland gesteuert, weiß der Experte. Hier sitzen die Hintermänner und suchen gezielt in verschiedenen Regionen nach potenziellen Opfern. „Da gibt es regelrechte Call-Center, die eine Region abtelefonieren“, erklärt Schröder. Dabei gehen die Kriminellen durchaus geschickt vor, suchen sich Namen und Rufnummern von tatsächlich existierenden Polizeibeamten heraus. Auch die auf dem Display erscheinende Telefonnummer lässt sich entsprechend manipulieren.

Handlanger vor Ort

Wittern die Betrüger eine Chance, werden dann Handlanger in die Region geschickt, um die Wertsachen an sich zu bringen. Ein Aufpasser achtet darauf, dass alles glatt läuft. Wenig später ist die Ware im Ausland.

„Das ist organisierte Kriminalität. Das Netz ist so weit gespannt, und die Handlanger kennen die Auftraggeber meist nur vom Telefon, so dass wir Probleme haben, an die Hintermänner heranzukommen“, schildert der Präventionsbeamte die schwierigen Ermittlungen.

Alarmiert von der zunehmenden Zahl an versuchten oder tatsächlich erfolgten Betrügereien im Ammerland, die vor allem arglose Seniorinnen und Senioren treffen, hat Schröder daher eine groß angelegte Präventionskampagne ins Leben gerufen. „Ich habe überlegt, wie ich die potenziellen Opfer erreichen und deren Umfeld sensibilisieren kann. Denn jeder Hinweis ist wichtig“, erklärt der Beamte. Nun sucht er das Gespräch mit Pflegediensten und Banken. Mit sämtlichen Apotheken hat er bereits Kontakt aufgenommen, um für sein Anliegen zu werben. Dort hat er umfangreiches Informationsmaterial hinterlegt.

Wir passen auf

Unter dem Motto „Wir passen aufeinander auf“ sollen alle, die mit Senioren Kontakt haben, verstärkt auf Hinweise achten, dass sich ein Betrug anbahnen könnte. In den Apotheken liegen bereits Broschüren aus. Parallel bietet Schröder Schulungen an.

Wichtige Multiplikatoren sind außerdem die Sicherheitsberater für Senioren, von denen das erste Dutzend bereits ausgebildet worden ist. Ein weiterer Kursus wird vom 12. bis 14. November bei der Polizei in Westerstede angeboten. Anmeldungen erfolgen über die Kreisvolkshochschule Ammerland.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede
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